Nach tödlichem Badeunfall
Gewisser Nervenkitzel bleibt: Wie junge Kanalschwimmer das Risiko beurteilen

Münster -

Ein 25-jähriger Mann aus dem Kreis Steinfurt bezahlte am Wochenende einen Sprung von der Hessenwegbrück mit dem Leben. Auch an der Wolbecker-Straße-Brücke waren am Montagnachmittag einige Springer zu sehen. Insgesamt war den jungen Leuten am und im Kanal aber Spaß und Atmosphäre wichtiger als Mutproben.

Dienstag, 31.07.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 31.07.2018, 08:47 Uhr
Nicht nur Brückensprünge sind gefährlich, sondern auch die Nähe zu „dicken Pötten“. Diese Bötchen-Schwimmer hielten sich aber klug am Rande.
Nicht nur Brückensprünge sind gefährlich, sondern auch die Nähe zu „dicken Pötten“. Diese Bötchen-Schwimmer hielten sich aber klug am Rande. Foto: Matthias Ahlke

Am Wochenende bezahlte ein junger Mann aus dem Kreis Steinfurt den Sprung von der Hessenwegbrücke in Gelmer mit dem Leben. Nach zunächst erfolgreicher Reanimation erlag der 25-Jährige später in der Universitätsklinik seinen Verletzungen.

Der 15-Meter-Sprung vom obersten Bogen der Brücke war offensichtlich hoch gefährlich, ist doch der Kanal allenfalls vier Meter tief. Der Mann sprang dennoch. Warum auch immer – es endete tragisch.

Die Polizei hat ihre Zeugenbefragungen noch nicht beendet und will sich nicht abschließend äußern, wie es auf Anfrage unserer Zeitung hieß. Wäre der junge Mann in Gesellschaft am Kanal gewesen, könnte dies vielleicht auf eine Mutprobe hindeuten. Auch dies ist nicht geklärt – allerdings soll ein Arbeitskollege des Springers vor Ort Angaben zur Person gemacht haben, wie Romanus Kampert mitteilt, der Einsatzleiter der Feuerwehr an jenem Abend.

Besondere Atmosphäre am Kanal

In Gesellschaft sind auch die meisten jungen Leute, die man am Montagnachmittag an der Wolbecker-Straße-Brücke antrifft. Ganz wenige springen auch herunter.

Der 21-jährige Lennart ist früher ebenfalls schon gesprungen, „um es mal getan zu haben“. Ein Nervenkitzel sei schon dabei, meint er. Am Kanal ist er mit seiner Clique, weil man dort viele Leute trifft und ihm das Freibad zu weit ist. Auch der 22-jährige Wolfgang ist „ein oder zwei Mal“ gesprungen, doch vor allem schätzt er, dass man am Kanal grillen kann. Auch Dominik (24 Jahre) mag die Atmosphäre am Kanal. Vom Brückenspringen hält er aber nichts. „Da hole ich mir nur einen Beinbruch.“ Auch die 20-jährige Jana findet Brückenspringen viel zu leichtsinnig. „Man weiß ja nicht, was da unten im Wasser ist.“

Impressionen vom Badebetrieb am Dortmund-Ems-Kanal

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  • Jana, 20 Jahre: „Man weiß doch gar nicht, was da unten im Wasser ist.“

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  • Lennart, 21 Jahre: „Ich bin früher gesprungen, um es mal getan zu haben.“

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Temperaturschock im kalten Kanalwasser

Der tödlich Verunglückte vom Wochenende dürfte geschätzt mindestens 20 Minuten unter Wasser gewesen sein. Da stellt sich die Frage, wie nach dieser kleinen Ewigkeit noch eine Wiederbelebung glücken kann?

Das sei durchaus in seltenen Fällen möglich, wie Prof. Dietrich Paravicini, erklärt, Vorstandsmitglied der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Grund sei der vermutlich starke Temperaturschock in dem trotz der Witterung kalten Kanalwasser. Man müsse sich die körperliche Reaktion ähnlich wie einen Winterschlaf vorstellen: Bei dieser Kühlung könnten Herz und Gehirn eine erstaunlich lange Zeit ohne Sauerstoff überleben. Mit dem Kopf voraus sei der Mann vermutlich nicht gesprungen, sonst wäre bei dieser Höhe wohl ein Genickbruch eingetreten, meint der Arzt.

Paravicini, selbst begeisterter Taucher, kennt die Gefahren einer Unterkühlung. Wer unbedingt im Kanal schwimmen will, sollte sich vorher an die Wassertemperatur gewöhnen. Vor allem aber rät er von Sprüngen ins Wasser ab. „Es ist einfach viel zu gefährlich.“

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