Mi., 01.08.2018

Historisch niedriger Wasserstand im Aasee Münsters Gewässer trocknen aus

Der Aasee hat seinen historischen Tiefstand von 54 Zentimetern bereits unterschritten. Im flachen, warmen Wasser fühlen sich Algen besonders wohl – sollte es zur sogenannten Blaualgenblüte kommen, müsste die Stadt vor dem Aaseewasser warnen.

Der Aasee hat seinen historischen Tiefstand von 54 Zentimetern bereits unterschritten. Im flachen, warmen Wasser fühlen sich Algen besonders wohl – sollte es zur sogenannten Blaualgenblüte kommen, müsste die Stadt vor dem Aaseewasser warnen. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Der Sommer 2018 schlägt wohl nicht alle Hitzerekorde, aber in Sachen Trockenheit ist er ein echtes Schwergewicht. Während die Trinkwasserversorgung ungefährdet ist, trocknen Flüsse, Bäche und Teiche allmählich aus. Der Aasee führte kaum jemals so wenig Wasser wie derzeit.

Von Lukas Speckmann

Für den Aasee wird es eng. Die durchschnittliche Wassertiefe beträgt derzeit noch 53,85 Zentimeter, berichtet Berthold Reloe, der Gewässerschutzbeauftragte des städtischen Tiefbauamts: „Das ist historisch tief.“ Etwa 1,50 Meter ist normal, schlimmer als 54 Zentimeter war es noch nie.

Woran liegt’s? „Es verdunstet mehr als zufließt.“ An der Roxeler Straße werde regelmäßig der Pegelstand der Münsterschen Aa gemessen. Dort fließen derzeit noch etwa 40 Liter pro Sekunde vorbei: „Als würden Sie vier Eimer Wasser ausschütten: Das ist fast gar nichts.“ Selbst in Trockenzeiten sei dort die zehnfache Wassermenge normal.

Unterschiedliche Bedingungen für die Fauna

Münsters Gewässer trocknen aus. Manche kleinere Bäche haben schon gar kein Wasser mehr, größere wie die Aa führen nur noch kleine Rinnsale. Allein die Werse ist noch relativ intakt: Die vielen Wehre stauen das Wasser, sodass Fischen und anderen Flusslebewesen noch ein gewisser Spielraum bleibt.

Fotostrecke: Die Wasser-Situation in Münster während der Hitzeperiode

Andernorts sind die Bedingungen für die Fauna ungleich schlechter. Dort ziehen sich die Tiere in die wenigen Vertiefungen zurück, in denen der Sauerstoffgehalt auch wegen der ständigen Erwärmung allmählich schwindet: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch in fließenden Gewässern ein Fischsterben einsetzt“, meint Berthold Reloe.

In stehenden Gewässern sieht es noch schlimmer aus. Franz-Josef Gövert vom Grünflächenamt nennt besonders die Wasserflächen entlang der Promenade, die allmählich trockenfallen, ohne dass die Stadt eingreifen könnte: „Dort war es immer schon problematisch.“ Nur wenigen Teichen könne Wasser zugeführt werden, etwa auf dem alten Zoo­gelände oder an der Dechaneischanze, wo es zuletzt allerdings besonders schlimm aussah.

Keine massenhafte Blaualgen-Vermehrung

Eine Konsequenz des niedrigen Wassertands: Algen haben leichtes Spiel. Das unwirklich türkisfarbene Wasser, das derzeit an den Aaseeterrassen zu beobachten ist, sei eine Folge des Befalls mit Grün- und Blaualgen, sagt Berthold Reloe. Zur sogenannten „Blaualgenblüte“, einer massenhaften Vermehrung, sei es bislang allerdings noch nicht gekommen.

Fotostrecke: Gewinner und Verlierer der Hitzewelle

Sollte dieser Fall eintreten – ein Biologe in städtischem Auftrag habe das im Blick –, müsste die Stadt Spaziergänger oder Segler vor direktem Kontakt mit Aaseewasser warnen, denn die Algen produzieren giftiges Mikrocystin. Blaualgen wurden in der Vergangenheit durch Zugabe von Eisenchlorid an den Zuflüssen bekämpft: „Da wir keine Zuflüsse mehr haben, können wir nichts tun.“

Ergiebiger Regen wäre eine Hilfe

Überhaupt sei die Stadt relativ machtlos, was die niedrigen Pegelstände betrifft, meint Reloe: „Man lernt, dass wir uns südeuropäischen Verhältnissen annähern.“ Langfristig müsste sich besonders der Städtebau mehr an einem natürlichen Wasserhaushalt orientieren, Regenwasser in der Fläche halten und Gewässer möglichst renaturieren. Derzeit aber könne nur ein langer und ergiebiger Regen helfen, der den ausgetrockneten Boden sättigt.

Wenn dieser Regen nicht kommt: Besteht die Gefahr, dass der Aasee austrocknet? „Das glaube ich nicht“, sagt Reloe. „Dafür ist er zu groß.“

Keine Sorge ums Trinkwasser

Die Versorgung Münsters mit Trinkwasser ist trotz Hitze und Trockenheit ungefährdet – das versichert Dominik Pollok, der Leiter der münsterischen Wasserwerke. Täglich werde zwar täglich eine Rekordmenge von 60 000 Kubikmetern Wasser verbraucht, etwa 25 Prozent mehr als sonst. Doch das Grundwasser sei nur wenig gesunken.

Die Kapazitäten seien für diesen Verbrauch berechnet, einschließlich einer stattlichen Sicherheitsreserve. Wie üblich werde das Grundwasser regelmäßig mit Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal aufgefüllt.Das Kanalwasser hat derzeit eine Temperatur von 26 Grad – und kann damit gerade noch zur Kühlung der Turbinen-Anlage der Stadtwerke im Hafen, die Strom und Fernwärme produziert, verwendet werden. Fließt das Kühlwasser zurück, darf es 28 Grad nicht überschreiten. „Noch klappt das“, versichert eine Unternehmens-Sprecherin. An Rhein und Ruhr mussten schon Kraftwerke abgeschaltet werden. 

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