Erhalt der Villa Steimann
Sanierung der Betonfassade beginnt

Ahlen -

Erbaut wurde sie 1965 bis 1967 vom renommierten Architekten Harald Deilmann: die markante Villa Steimann in Ahlen. Dank großzügiger Spenden kann ihre arg lädierte Betonfassade nun fachmännisch saniert werden.

Dienstag, 31.07.2018, 19:18 Uhr
Diplom-Ingenieurin Sigrid Karliczek (2.v.r.) übergab als Ortskuratorin im Namen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz den symbolischen Spendenscheck an Andreas Steimann (2.v.l.). Auch Architekt Christian Tripp (l.) und Denkmalpflegerin Nicole Wittkemper-Peilert (r.) freuen sich, dass damit die Fassadensanierung an der Villa Steimann starten kann.
Diplom-Ingenieurin Sigrid Karliczek (2.v.r.) übergab als Ortskuratorin im Namen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz den symbolischen Spendenscheck an Andreas Steimann (2.v.l.). Auch Architekt Christian Tripp (l.) und Denkmalpflegerin Nicole Wittkemper-Peilert (r.) freuen sich, dass damit die Fassadensanierung an der Villa Steimann starten kann. Foto: Christian Wolff

Wäre ein Feldbett in ihrem Kofferraum gewesen, dann hätte es Sigrid Karliczek mit Sicherheit hier aufgebaut. „Ich bin ganz begeistert von diesem Haus. Darin kann man bestimmt ganz toll wohnen“, bekannte die münsterische Ortskuratorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz beim Ortstermin am Dienstag in der Villa Steimann.

Statt dem Feldbett holte Karliczek jedoch einen symbolischen Spendenscheck über 70 000 Euro aus ihrem Auto. Die Summe zauberte dann auch ein Lächeln in die Gesichter derjenigen, denen das markante Betonobjekt ein Herzensanliegen ist. Die städtische Denkmalpflegerin Nicole Wittkemper-Peilert und Architekt Christian Tripp wissen um die Bedeutung des einstigen Privatanwesens von Dr. med. Rudolf Steimann, der bis 1987 Chefarzt am Ahlener St.-Franziskus-Hospital war. Als dieser im Jahr 1964 mit seiner Familie in die Wersestadt zog, beauftragte er den renommierten Architekten Professor Harald Deilmann aus Münster mit dem Bau dieses großzügigen Hauses, das heute wie kein zweites in der Umgebung das moderne Bauen der 1960er Jahre repräsentiert. Es wurde 1967 bezogen. „Man spricht von Brutalismus“, erläutert Sigrid Karliczek – wohlwissend, dass dieser Stil lange Zeit vom Denkmalschutz eher stiefmütterlich beachtet worden ist. „Es ist das erste Objekt dieser Art, was wir fördern.“

Andreas Steimann, der in dem von Beton dominierten Haus an der Robert-Koch-Straße seine Kindheit verbracht hatte, erinnert sich: „Mein Vater hat sich immer sehr für diese Art der Architektur interessiert.“ Ein Aspekt, der auf den Sohn abfärbte, denn er kümmert sich nun um den Erhalt.

„Zwei Glücksfälle sind dafür verantwortlich, dass dieses Gebäude bleiben kann, wie es immer war“, sagt Architekt Christian Tripp. „Zum einen ist die Eigentümerfamilie noch immer sehr eng mit diesem Deilmann-Haus verbunden, zum anderen hat sich inzwischen eine Nutzung ergeben, die hilft, noch mehr vom ursprünglichen Zustand zu erhalten, als ursprünglich gedacht.“ Denn eigentlich sollten die rund 350 Quadratmeter Wohnfläche in mehrere Wohneinheiten unterteilt werden. Doch kurz nach der denkmalgerechten Sanierung der Innenräume ergab sich eine Möglichkeit der Nutzung durch eine Jugendhilfeeinrichtung, die im Oktober 2017 einzog. „Wir haben die Sanierung der Außenfassade damals geschoben“, so Tripp. Immerhin umfasse diese – fachmännisch betreut – Kosten von rund 205 000 Euro.

Dank der Spende der Stiftung Denkmalschutz und einer Zuwendung in gleicher Höhe durch die Bezirksregierung verminderte sich der Eigenanteil der Eigentümer auf etwa 65 000 Euro. „Am Montag werden nun die Gerüste aufgebaut“, freut sich der Architekt. Demnach werde zunächst die Nord- und Ostseite saniert, da diese durch abgeplatzte Betonteile und freiliegende, rostende Moniereisen am stärksten in Mitleidenschaft gezogen wurden. Nach insgesamt drei Monaten soll die gesamte Sanierungsmaßnahme abgeschlossen sein.

Man spricht von Brutalismus.

Sigrid Karliczek

 

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