Einsatz mit zwei Löschfahrzeugen
Wasser marsch: Feuerwehr löscht Durst der Stadtbäume

Münster -

Mit so viel Trockenheit hatten Münsters Stadtbäume wohl noch nie zu tun. Manche Arten halten besser durch als andere, aber alle sind gestresst. Nur in den kritischsten Fällen kann die Stadt eingreifen – seit Kurzem mit Unterstützung der Feuerwehr.

Donnerstag, 02.08.2018, 08:00 Uhr
Nicht alles auf einmal: Weil der Boden völlig ausgetrocknet ist, muss die Feuerwehr behutsam bewässern, damit das Wasser nicht sofort wieder abfließt.
Nicht alles auf einmal: Weil der Boden völlig ausgetrocknet ist, muss die Feuerwehr behutsam bewässern, damit das Wasser nicht sofort wieder abfließt. Foto: Matthias Ahlke

Als Franz-Josef Gövert vom Grünflächenamt in diesem Sommer zum ersten Mal empfahl, Straßenbäume mit einem täglichen Eimer Wasser zu unterstützen, war von Trockenheit noch wenig zu spüren – es hatte nur lange nicht mehr geregnet. „Da muss jetzt was kommen“, sagte der Baum-Experte am 15. Juni unserer Zeitung, „sonst besteht die Gefahr, dass viele Bäume den Sommer nicht überstehen.“

Sechs Wochen später besteht kein Zweifel mehr, dass Göverts Prognose ins Schwarze getroffen hat. Münsters Bäume sind der Trockenheit und Hitze wegen extrem gestresst; vielen geht es ausgesprochen schlecht. Problemkinder seien derzeit vor allem die Straßenbäume an wichtigen Verkehrsadern: die Baumhaseln an der Hammer Straße, die Ahorne an der Steinfurter Straße, die Kastanien am Hohenzollernring. Und nicht zuletzt die Linden auf dem Domplatz, die mit besonders schwierigen Standortverhältnissen zu kämpfen haben.

Die Wasser-Situation in Münster während der Hitzeperiode

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  • Die Münstersche Aa – hier in Höhe Kanalstraße – führt kaum noch Wasser.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der Teich an der Dechaneischanze führt nur noch Restwasser – in anderen Teichen sieht es noch schlimmer aus.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Wassertiefe im Aasee beträgt nur noch 53,85 Zentimeter – das ist ein historischer Tiefstand.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Wassertiefe im Aasee beträgt nur noch 53,85 Zentimeter – das ist ein historischer Tiefstand.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auch der Werse-Pegel ist gefallen - aber wegen der zahlreichen Wehre ist die Situation hier noch nicht ganz so dramatisch.

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  • Die Brunnenanlage an der Engelenschanze wird gerade jetzt häufig angesteuert.

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  • Der Dortmund-Ems-Kanal fungiert seit Langem als Münsters größtes Trinkwasser-Reservoir. Mit Kanalwasser wird das Grundwasser aufgefüllt.

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  • Die Brunnenanlage an der Engelenschanze bietet gerade Hunden willkommene Abwechslung.

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Seit Mittwoch ist die Feuerwehr im Einsatz: Zwei 5000-Liter-Löschfahrzeuge bewässern in städtischem Auftrag besonders gefährdete Straßenbäume. Alfred Lülf und Andreas Lambert vom Grünflächenamt begleiten die Aktion, berichtet Stadtförster Hans-Ulrich Menke. Begonnen wurde am Albersloher Weg, aber auch Weseler Straße, Geiststraße, Metzer Straße oder Boeselager Straße stehen unter anderem auf dem Fahrplan. Einige Hundert Bäume könnten so – sehr aufwendig – versorgt werden, meint Gövert.

Birke und Hainbuche bereiten Sorgen

Außerdem hat die Stadt 250 Wassersäcke im Einsatz; eine verschwindend geringe Zahl angesichts von etwa 100 000 Bäumen in städtischer Obhut. Wie gut, dass der Eimer-Wasser-Aufruf auf fruchtbaren Boden fällt, wie Gövert selbst beobachtet: „Ich freue mich jeden Tag, wenn ich an der Soester Straße die liebevoll gepflegten Bäume sehe.“

Dort stehen übrigens Gingkos – und die gehören zu den robusteren Vertretern, denen ein rabiater Sommer wie 2018 nicht so viel anhaben kann. Auch die Schnurbäume (Sophora) an der Engelenschanze sind hart im Nehmen, und die städtischen Platanen gedeihen derzeit geradezu prächtig. Große Sorgen bereiten dem Grünflächenamt vor allem Birke und Hainbuche, deren Farbe sich schon deutlich verändert.

Alte Bäume sind weniger gefährdet als junge

Münsters klassische Stadtbäume – Linde und Eiche – seien insgesamt stabil, wenn der Standort passt. Vor Kurzem berichtete jedoch ein Leser unserer Zeitung, dass in seinem Garten der Ast ein sehr alten aber intakten Eiche ohne Sturmeinwirkung einfach abgebrochen sei. Franz-Josef Gövert kennt das Phänomen; es wird „Erschlaffungsbruch“ genannt, wenn ein grüner Ast bei starker Hitze ausbreche. Ein seltener Einzelfall, meint der Experte.

Grundsätzlich seien alte Bäume weniger gefährdet als junge: „Die haben ein tiefes Wurzelwerk – und Stress­erfahrung.“ Gerade sie seien derzeit unschätzbar wertvoll, sagt Gövert; „Sie sorgen vor allem nachts für Abkühlung. Das sind unsere Stadtklimahelden.“

Spinnmilben plagen die Promenaden-Linden

Notstand an der Promenade: Unser Leser Ludger Bannierink weist auf den schlechten Zustand der Bäume zwischen Ludgeriplatz und Salzstraße hin: „Die Blätter sehen verbrannt aus oder sind schon verwelkt. Die Äste sind zum Boden gerichtet.“ Ob man da nicht etwas machen könne – mit städtischer Hilfe? Leider nein, meint Franz-Josef Gövert vom Grünflächenamt, der sich nach diesem Hinweis den Abschnitt angesehen hat. Die betroffenen Bäume, Krimlinden, seien von Spinnmilben befallen, die den Bäumen zusätzlich zur Trockenheit zu schaffen machten. Ungeachtet ihres Erscheinungsbildes seien die Linden in vergleichsweise stabilen Zustand: „Das sind robuste Bäume“. Die Promenade sei an sich kein problematischer Standort.

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