Verkehrsclub: Busse und Bahnen sind zu teuer
Autofahren für Pendler preiswerter

Münster -

Für den Verkehrsclub hat der hohe Anteil an Autofahrern, die Tag für Tag als Pendler nach Münster kommen und die Straßen verstopfen, einen banalen Grund: Busse und Bahnen sind zu teuer und bieten deshalb keinen Anreiz für einen Umstieg.

Mittwoch, 01.08.2018, 19:50 Uhr
Regionalbusse und -Bahnen könnten für Berufspendler viel attraktiver sein, wären sie nicht so teuer. Patrick Werner und Thomas Lins (kleines Foto, v.l.) dokumentieren, wie sich die ÖPNV-Preise (obere Linie) und die Kraftstoffpreise (untere Linie) seit 2011 entwickelt haben.
Regionalbusse und -Bahnen könnten für Berufspendler viel attraktiver sein, wären sie nicht so teuer. Patrick Werner und Thomas Lins (kleines Foto, v.l.) dokumentieren, wie sich die ÖPNV-Preise (obere Linie) und die Kraftstoffpreise (untere Linie) seit 2011 entwickelt haben. Foto: Matthias Ahlke

80 Prozent der Berufspendler aus dem Münsterland kommen mit dem Auto nach Münster, deshalb auch die gewaltigen Pkw-Schlangen morgens und abends auf den Ausfallstraßen. Wenn man fragt, warum das so ist, können Verkehrsplaner ganz viele Antworten geben.

Thomas Lins und Patrick Werner vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Münster geben nur eine Antwort: „Geld! Bus und Bahn sind schlicht zu teuer. Die Pendler vergleichen ihre Spritkosten mit den Kosten für ein ÖPNV-Ticket – und fahren dann Auto.“

Finanzielle Anreize schaffen

Hier eine Musterrechnung für einen Berufspendler aus Lüdinghausen. Der pendelt an 21 Tagen im Monat nach Münster und kommt dabei auf 1302 Kilometer. Sein Auto verbraucht sieben Liter Diesel auf 100 Kilometer, den Diesel kauft er für 1,24 Euro je Liter. Das macht 113 Euro. Zum Vergleich: Die Monatskarte im Abo kostet 121,52 Euro.

Warum also soll besagter Pendler auf die Vorzüge eines Autos (zeitliche Flexibilität, Mobilität von Tür zu Tür) verzichten, wenn ihm der Regionalbus nicht einmal einen finanziellen Vorteil bietet?

Umstieg auf Bus und Bahn bei Preisvorteil

Ganz anders sähe die Rechnung laut VCD aus, wenn der Berufspendler im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald wohnen und nach Freiburg pendeln würde. Der „Abopreis dort beträgt nur 50,30 Uhr – und das bei einer besseren Taktdichte“, so Patrick Werner.

Um diesen Preis anbieten zu können, nehme die Region Landesmittel in Anspruch, schöpfe Geld aus dem „Topf zur Vermeidung von Dieselfahrverboten“ ab und lege eigenes Geld oben drauf.

In Freiburg habe man erkannt, da sind sich die beiden VCD-Vertreter sicher, dass ein Umstieg auf Bus und Bahn nur dann erfolge, „wenn er für Berufspendler mit einem signifikanten Preisvorteil“ verbunden sei.

ÖPNV-Preise gestiegen

In Münster und im Münsterland hingegen sei eine gegenteilige Entwicklung erkennbar: Die ÖPNV-Preise sind nach ihren Recherchen seit 2011 um 20 Prozent gestiegen, die Kraftstoffpreise um 20 Prozent gefallen.

Für Münster-Pendler der sogenannten Tarifstufe 4 (im Westen von Horstmar bis Nordkirchen, im Osten von Emsdetten bis Warendorf) hält der VCD eine subventionierte Abo-Obergrenze von 81 Euro (statt 121 Euro) im Monat für angemessen, um eine spürbare Wirkung zu erzielen.

Ein derartig gestaltetes „Klima-Abo in der Stadtregion Münster“ würde zwar Kosten verursachen, gleichwohl für die politisch gewünschten Verschiebung bei den Pendlerströmen sorgen. Der Grund: Bei einer höheren Nachfrage seien engere Takte möglich, und das steigere die Attraktivität.

Auch in diesem Punkt könne Münster von Freiburg lernen: Viele Busse und Bahnen in Münster und im Münsterland verkehren nur im Stundentakt. In der Verbindung zwischen Freiburg und dem Umland ist ein 30-Minuten-Takt sichergestellt.

Thomas Lins: „Der ÖPNV in unserer Region hat keine Lobby.“

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