Pro & Contra
Münster und die Aufnahme von Mittelmeer-Flüchtlingen

Die Grünen fordern, 100 Flüchtlinge, die aus dem Mittelmeer gerettet wurden, aufzunehmen. Ist das ein richtiges Signal?

Sonntag, 05.08.2018, 14:00 Uhr aktualisiert: 05.08.2018, 18:34 Uhr
Pro & Contra: Münster und die Aufnahme von Mittelmeer-Flüchtlingen
Somalische Flüchtlinge in Dadaab. Foto: Boris Roessler/dpa

Pro: „Nein“ ist peinlich

Ob noch rund 100 weitere Flüchtlinge im reichen Münster aufgenommen werden können, dürfte nicht wirklich ein Thema sein. Die Diskussion darüber verdeckt das Wesentliche: Die Bedingungen insgesamt müssen stimmen. Es ist geradezu peinlich, wenn finanzielle Gründe für ein Nein vorgetragen werden.

Die Debatte muss sich längst darum drehen, wie die Zuwanderung geregelt werden kann – durch ein Einwanderungsgesetz zum Beispiel. Das schafft für alle Beteiligten verlässliche Spielregeln. Da könnte sich Oberbürgermeister Lewe als Präsident des Deutschen Städtetages als Weichensteller profilieren. Integration wird leichter, weil Arbeitgeber zum Beispiel eher bereit sind, geflüchtete Menschen einzustellen, da es eine Sicherheit gibt, dass sie bleiben können und sich ihre Ausbildung lohnt.

Zugleich ist damit die Botschaft verbunden, wer in unserem Land aus welchen Gründen willkommen ist. Die Diskussion darüber ist längst überfällig – dabei geht es nur um das Wie und nicht um das Ob. Wer das infrage stellt, bereitet populistischen Sektierern den Boden.  (Erhard Kurlemann)

Contra: Nur ein Symbol

Es ist ehrenwert, wenn eine Stadt zusätzlich Flüchtlinge aufnimmt. 100 sollen es nach dem Willen der Grünen sein. Dass es so wenige sind, hat den Beigeschmack, dass es nur um Symbolpolitik geht: Münster ist auf der Seite der Guten, der Imagegewinn perfekt. Und dann?

Um die Länder im Süden Europas wirklich zu entlasten, müssten es Hunderte sein, vielleicht sogar noch mehr. Eine so große Zahl wäre aber wohl auch in Münster, einer toleranten Stadt, die gleichwohl unter Problemen auf dem Wohnungsmarkt ächzt, schwer zu vermitteln – und das wissen die Grünen. Mit 100 gehen sie den Weg des geringsten Widerstandes.

Die Flüchtlinge, die nach Münster kämen, würden Hoffnung schöpfen. Hoffnung, dass sie bleiben können. Was, wenn das nicht der Fall sein wird? Ein falsches Signal wäre ein solcher Schritt in Richtung der Schlepper, könnten sie doch ihre Opfer auf Städte wie Münster verweisen. Nein, Alleingänge helfen nicht weiter – nur eine gesamteuropäische Lösung kann den Ländern am Mittelmeer wie auch den Flüchtlingen glaubhaft gerecht werden. (Martin Kalitschke)

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