Zeichen für die Vielfalt des Christseins
Orientalisch-europäische Mentalität

Münster -

Mögen auch die Sprachen in den Gottesdiensten der unterschiedlichen Nationalitäten verschieden sein. Die Christen aus Portugal, der Ukraine, Korea oder Arabien eint doch eins – die Sprache des Glaubens. In Münster haben Menschen ganz unterschiedlicher Völker Heimat und Zuflucht gefunden. Das Bistum Münster hat einige von ihnen zu Wort kommen lassen. Sie berichten von ihren (Glaubens-)Erfahrungen in der Domstadt.

Dienstag, 07.08.2018, 18:08 Uhr
 Jährlich beteiligt sich die Gemeinde der arabisch sprechenden Christen an der Wallfahrt nach Kevelaer. Jährlich beteiligt sich die Gemeinde der arabisch sprechenden Christen an der Wallfahrt nach Kevelaer.
 Jährlich beteiligt sich die Gemeinde der arabisch sprechenden Christen an der Wallfahrt nach Kevelaer. Jährlich beteiligt sich die Gemeinde der arabisch sprechenden Christen an der Wallfahrt nach Kevelaer. Foto: Arabisch sprechende Christen

Erst reichte der Platz im Pfarrheim nicht, dann wurde auch die Kirche zu klein. „100 bis 120 Personen sind wir mindestens, wenn wir samstags Gottesdienst feiern, bei besonderen Festen wie an Weihnachten gibt es in der Kirche keinen Platz mehr“, sagt Marie Maaz. Die 25-jährige Physikstudentin aus dem Libanon gehört zum Vorstand der Gemeinde der arabisch sprechenden Christen in Münster. Eine junge und bunte Gemeinde – eine, die gegen alle Trends stetig wächst.

Gegründet im Jahr 2010 mit etwa 20 Personen, gehören heute rund 70 Familien mit durchschnittlich fünf Personen dazu. Samstags und meistens auch mittwochs feiern sie einen Got-tesdienst in der St.-Pius-Kirche. Anschließend kommen sie im benachbarten Pfarrheim bei Kaffee und Kuchen zusammen. Einmal im Monat wird es zum gemeinsamen Abendessen ausgeweitet, zu dem jeder etwas beisteuert. Aber es wird nicht nur gegessen und getrunken: „Es kann auch schon mal sein, dass jemand mit einem Formular in der Hand zu uns kommt und eine bürokratische Frage hat“, sagt Marie Maaz. Für die junge Frau kein Problem: „Wir grenzen unsere Religion nicht vom Leben ab, für uns gehört beides zusammen.“

Die 25-Jährige ist früh zur Gemeinde gestoßen. Seit acht Jahren lebt sie in Deutschland: „Ich habe Pfarrer Dr. Miled Abboud getroffen und er hat mir von dem Angebot erzählt.“

Seitdem ist viel passiert: Die junge Frau hat viele Menschen aus arabischsprechenden Ländern kennengelernt, die meisten von ihnen sind vor dem Krieg geflohen. „Sie kommen nach Deutsch-land, kennen die Sprache nicht, alles ist neu – für viele ist die Gemeinde eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen“, sagt die Studentin. Sie engagiert sich bereits seit mehreren Jahren, kümmert sich um die Jugendlichen der Gemeinde, ist Mitglied des Vorstandes. „Wir versuchen hier eine Mischung aus der orientalischen und europäischen Mentalität zu leben“, erklärt sie.

Davon ist auch Sandra Abboud überzeugt. Vor sechs Jahren ist die 26-Jährige mit ihrer Familie aus Damaskus nach Deutschland gekommen. „Der Krieg in Syrien hat immer größere Ausmaße angenommen, wir konnten nicht mehr bleiben“, blickt sie zurück. Für Salm Murad ist die Gemeinde der arabisch-sprechenden Christen eine „Brücke für die Integration“. Der 61-jährige Iraker war in seiner Heimat Diakon, in Münster assistiert er Pfarrer Abboud am Altar. Der Kontakt zu den deutschen Pfarreien liegt ihm besonders am Herzen. So vertritt er seine Gemeinde im Pfarreirat von St. Mauritz, sein Sohn ist Messdiener in Herz Jesu und in der arabischen Gemeinde.

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