Feuerwehr ist gerüstet
Waldbrand: Im Ernstfall muss sehr schnell viel Wasser her

Münster -

Sollte es wegen der anhaltenden Trockenheit zu einem ausgedehnten Wald- und Flächenbrand kommen, kann die Feuerwehr schon im ersten Zugriff 20 .000 Liter Löschwasser zur Einsatzstelle bringen. Insgesamt sei man auch personell gut gerüstet für den Ernstfall, meint Rolf Kenter von der Berufsfeuerwehr.

Mittwoch, 08.08.2018, 10:50 Uhr aktualisiert: 08.08.2018, 10:55 Uhr
Neben moderner Löschtechnik wird auch immer noch die bewährte Feuerpatsche eingesetzt, wenn Wald und Flächenbrände gelöscht werden müssen. Rechts im Bild: Einsatzplaner Rolf Kenter.
Neben moderner Löschtechnik wird auch immer noch die bewährte Feuerpatsche eingesetzt, wenn Wald und Flächenbrände gelöscht werden müssen. Rechts im Bild: Einsatzplaner Rolf Kenter. Foto: hpe

Bei der seit Monaten anhaltenden Trockenheit reicht eine Zigarettenkippe für ein Feuer in Münsters größtem Waldgebiet, der Hohen Ward in Hiltrup. Im Gegensatz zu anderen Kommunen, wo es bei der Feuerwehr in den freiwilligen Einheiten wegen der Urlaubszeit bereits personelle Engpässe und Überlastungsanzeigen gibt, ist Münster „für alles vorbereitet und personell gut aufgestellt“. Sagt Rolf Kenter, zuständig für die Einsatzplanung bei der Berufsfeuerwehr.

20.000 Liter Löschwasser an Bord

Um einen Waldbrand in der Entstehungsphase noch rechtzeitig in den Griff kriegen zu können, ist „sehr schnell sehr viel Wasser nötig“, so Kenter. Weil die Hohe Ward Trinkwasserschutzgebiet ist, darf nicht mit Schaum oder anderen Sonderlöschmitteln gearbeitet werden. Darum rücken bei einer Brandmeldung auch gleich mehrere Tanklöschfahrzeuge aus. „Wir haben im ersten Zugriff 20.000 Liter Löschwasser an Bord und das hilft erst einmal weiter“, so Kenter.

Weil sich der Dortmund-Ems-Kanal quer durch Münster zieht und auf speziellen Fahrzeugen insgesamt rund zehn Kilometer an Schlauchleitungen deponiert sind, sei auch eine längerfristige Wasserversorgung über weitere Entfernungen „recht unproblematisch“.

Spezielle Karten mit allen befahrbaren Hauptwegen im ausgedehnten Waldgebiet gibt es in jedem Löschfahrzeug, die kleinen Nebenwege sind allerdings nur für die geländegängigen Allrad-Einsatzwagen gut passierbar. „Bislang hatten wir Glück, es gab nur ein wenige Flächenbrände“, so Kenter.

Die Wasser-Situation in Münster während der Hitzeperiode

1/8
  • Die Münstersche Aa – hier in Höhe Kanalstraße – führt kaum noch Wasser.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der Teich an der Dechaneischanze führt nur noch Restwasser – in anderen Teichen sieht es noch schlimmer aus.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Wassertiefe im Aasee beträgt nur noch 53,85 Zentimeter – das ist ein historischer Tiefstand.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Wassertiefe im Aasee beträgt nur noch 53,85 Zentimeter – das ist ein historischer Tiefstand.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auch der Werse-Pegel ist gefallen - aber wegen der zahlreichen Wehre ist die Situation hier noch nicht ganz so dramatisch.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Brunnenanlage an der Engelenschanze wird gerade jetzt häufig angesteuert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der Dortmund-Ems-Kanal fungiert seit Langem als Münsters größtes Trinkwasser-Reservoir. Mit Kanalwasser wird das Grundwasser aufgefüllt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Brunnenanlage an der Engelenschanze bietet gerade Hunden willkommene Abwechslung.

    Foto: Matthias Ahlke

Schweißtreibender Einsatz für Einsatzkräfte

Die anhaltend hohen Temperaturen seien natürlich für die Einsatzkräfte unter ihrer schweren Schutzausrüstung schweißtreibend. „Bei Evakuierungsmaßnahmen wie am Montag in Gremmendorf nach dem Bombenfund können wir Anzugserleichterung anordnen, bei Feuer geht das aber nicht“, so Kenter.

Weil die Hitzeperiode schon lang andauert, hat sich die Berufsfeuerwehr einen Kühlanhänger von einem Getränkekonzern ausgeliehen. Die knapp 100 Einsatzkräfte am Montag konnten so beispielsweise über Stunden mit Kaltgetränken versorgt werden.

Keine personellen Engpässe in Münster

Auf den Feldern ist die Ernte größtenteils durch, deshalb ist die Brandgefahr durch landwirtschaftliches Gerät und Funkenbildung geringer. „Auch das Stroh ist weitgehend eingebracht, so reduziert sich die Brandgefahr“, meint Kenter. Weil neben der rund um die Uhr mit drei Löschzügen besetzen Berufsfeuerwehr insgesamt 711 freiwillige Wehrleute in 20 weiteren Löschzügen überall im Stadtgebiet parat stehen, gibt es trotz Urlaubszeit in Münster keine personellen Engpässe bei Großlagen.

Am Institut der Feuerwehr an der Wolbecker Straße stehen für den extremen Fall der Fälle auch Außenlastbehälter für den Löschwassertransport per Hubschrauber parat. „Die wurden aber zum Glück und trotz der angespannten Situation in NRW bislang noch nicht gebraucht“, so Kenter.

Und am Ende hilft bei kleineren Waldbränden oder Flächenfeuern auf Feldern und Wiesen immer noch ein kleines Einsatzgerät, das die Feuerwehren schon seit vielen Jahrzehnten auf ihren Fahrzeugen haben: „Die Feuerpatsche ist nach wie vor ein geeignetes Mittel, um Glutnester endgültig zu bekämpfen“, so Kenter.

Zahlen und Fakten zum Sommer der Extreme

1/6
  • Von Anfang April bis Ende Juli war es dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge noch nie so warm seit Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen im Jahr 1881. Demnach war es 3,6 Grad wärmer als im langjährigen Vergleich. Rekordniveau erreichten vor allem die Monate April und Mai.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • 39,5 Grad war die bisherige Temperaturspitze in diesem Sommer. Der Wert wurde am 31. Juli in Bernburg in Sachsen-Anhalt gemessen. Den Hitzerekord seit Beginn der Aufzeichnungen hält allerdings Kitzingen in Bayern. Sowohl am 5. Juli 2015 als auch am 7. August 2015 registrierte der DWD an seiner dortigen Messstation 40,3 Grad.

    Foto: Patrick Seeger
  • Sogenannte Tropennächte, bei denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt, gab es in diesem Frühjahr und Sommer bereits eine ganze Reihe. Besonders warm war es in der Nacht zum 1. August. So erlebte Berlin mit einem Tiefstwert von 24,4 Grad an zwei Messstellen seine bislang wärmste Nacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Noch nie wurde zwischen April und Juli so wenig Niederschlag registriert. Im Vergleich zur vieljährigen (1961-1990) mittleren Niederschlagssumme betrug das Defizit 110 Millimeter. Besonders trocken war es in Sachsen-Anhalt, so die Experten vom DWD.

    Foto: Tino Plunert
  • In den vier Monaten gab es überdurchschnittlich viele Sonnenstunden. Der Juli war nach 2006 mit vielerorts 300 bis 350 Stunden der zweitsonnigste seit Messbeginn im Jahr 1950.

    Foto: Bodo Marks
  • Im Juli erreichte die Nordsee nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie die zweithöchste Oberflächentemperatur seit 50 Jahren: 16,3 Grad im Schnitt. Im Juli 2014 war das Wasser nur 0,1 Grad wärmer. Die Ostsee stellte mit einer mittleren Oberflächentemperatur von 20,0 Grad sogar einen neuen Rekord auf.

    Foto: Hauke-Christian Dittrich
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5960913?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker