Vorwurf der Urkundenfälschung
Vermeintlicher Passfälscher könnte mit blauem Auge davonkommen

Münster -

Ein 25-jähriger Münsteraner musste im Kosovo eine Nacht im Gefängnis verbringen, weil er am Flughafen Pristina einen Reisepass vorlegen wollte, aus dem er zuvor einige Seiten herausgerissen hatte. Von den Behörden wird ihm Urkundenfälschung vorgeworfen. Vielleicht liegt diese aber gar nicht vor, wie ein ähnlich gelagerter Fall zeigt.

Mittwoch, 08.08.2018, 21:00 Uhr aktualisiert: 08.08.2018, 21:58 Uhr
Vorwurf der Urkundenfälschung: Vermeintlicher Passfälscher könnte mit blauem Auge davonkommen
Wegen einer aus seinem Reisepass entfernten Seite wurde er festgenommen und wegen Urkundenfälschung angezeigt. Foto: dpa

Bei der Bundespolizei in München hatte der Fall merklich für Amüsement gesorgt. Ein 25-jähriger Münsteraner hatte eine Seite aus seinem Reisepass gerissen, um – laut seinen Angaben – eine Reise nach Peru, die er Anfang des Jahres angetreten hatte, vor seiner Freundin und seinen Eltern zu verheimlichen. Als das in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, vor einigen Tagen auffiel, landete der Mann für eine Nacht im Gefängnis und wurde schließlich der Bundespolizei am Flughafen München übergeben. Solch ein Fall, so war von einem Sprecher der Beamten zu hören, komme nicht alle Tage vor.

Urkundenfälschung keineswegs selten

Dabei sei Urkundenfälschung keineswegs selten und werde vom Gesetz auch stets bestraft, sagt Professor Dr. Michael Heghmanns, der in Münster sowohl als Hochschullehrer als auch als Vorsitzender Richter einer kleinen Strafkammer am Landgericht arbeitet. Der Begriff der Urkunde, so Heghmanns, sei weit und reiche von Verträgen über Dokumente bis hin zu amtlichen Kennzeichen an Autos. Das Gesetz differenziere da nur bei der Strafzumessung.

Die Sache könnte gut ausgehen

Im vorliegenden Fall kommt Heghmanns zu einer interessanten Einschätzung. Ihn erinnere das, was er gelesen habe, an einen ähnlichen Fall. Bei dem habe sich eine Frau in ihrem Reisepass jünger gemacht, weil sie ihr wahres Alter vor ihrem „Lover“ habe verbergen wollen. „Sie wurde freigesprochen“, sagt Hegh­manns und erklärt: „Handelt man nicht zur Täuschung im Rechtsverkehr, sondern ausschließlich zu einem privaten Zweck“, erfülle das nicht den Tatbestand der Urkundenfälschung. Hat der Münsteraner also die Wahrheit gesagt, käme er mit dem sprichwörtlich blauen Auge davon.

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