Anschläge vom 11. September
Terrorhelfer Motassadeq kommt frei

Münster/Hamburg -

Mitte der 90er Jahre lebte, studierte und arbeitete er in Münster, später unterstützte er in Hamburg-Harburg die Attentäter der Terroranschläge vom 11. September 2001: Jetzt soll der wegen Beihilfe zum Mord an 246 Passagieren der entführten Maschinen zu 15 Jahren Haft verurteilte Marokkaner Mounir al Motassadeq früher aus dem Gefängnis kommen. 

Donnerstag, 09.08.2018, 16:50 Uhr aktualisiert: 09.08.2018, 18:37 Uhr
Anschläge vom 11. September: Terrorhelfer Motassadeq kommt frei
Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001: Al Motassadeq soll von den Terrorplänen gewusst haben. Foto: dpa

Statt im November wird der 44-Jährige nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Mitte Oktober aus der Justizvollzugsanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel entlassen, um dann sogleich abgeschoben zu werden.

Abschiebung war Bedingung

„Wir haben auf die Vollstreckung der letzten Wochen seiner Haftstrafe verzichtet, aber nur unter der Bedingung, dass er nach Marokko abgeschoben wird“, sagte Sprecherin Frauke Köhler der Deutschen Presse-Agentur. „Diese Vorgehensweise gibt uns die Möglichkeit, ihn umgehend zu verhaften, sollte er wieder einen Fuß auf deutschen Boden setzen.“ 

Von Marrakesch nach Münster

Al Motassadeq war als 19-Jähriger von Marrakesch nach Münster gekommen und hatte hier studiert. Zwischenzeitlich arbeitete er als Aushilfe in einer Roxeler Gaststätte.

Das bis heute Unbegreifliche: Ausgerechnet der älteste Sohn dieser Familie wurde am 11. September 2001 bei dem Attentat auf das World Trade Center in New York getötet. Der 38-jährige Münsteraner starb, als er auf dem Weg zu seinem Büro im 101. Stockwerk des Südturms war. Terrorhelfer und Opfer kannten sich zumindest flüchtig.

Enger Freund der Terrorpiloten

Mounir al Motassadeq gehörte zum Kreis rund um die der Terror-Piloten. Er soll bei den Treffen mit den Terroristen in Hamburg in die Anschlagpläne eingeweiht gewesen sein und den Attentätern dabei geholfen haben, Reisen nach Afghanistan und in die USA zu verschleiern. Außerdem soll er an den finanziellen Transaktionen beteiligt gewesen sein. Während der zahlreichen Prozesse gegen ihn und der folgenden Wiederaufnahmeverfahren gestand er seine Teilnahme an eine Terrorausbildung in einem Lager von al-Qaida in Pakistan.

Zähe Aufarbeitung

Die juristische Aufarbeitung zog sich über viele Jahre hin. Mehrfach kam Mounir al Motassadeq, der bis heute eine Beteiligung von sich weist, kurz auf freien Fuß und genoss Haftverschonung. Erst im Frühjahr 2007 wurde das Urteil wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und der Beihilfe zum Mord in 246 Fällen rechtskräftig. Er verbüßt seine Strafe in „Santa Fu“ in Fuhlsbüttel.

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