Fr., 10.08.2018

Ökokatastrophe im Aasee Dramatischer Sauerstoffmangel: 80 Prozent der Fische sind verendet

 

Rund 80 Prozent des Fischbestandes im Aasee sind vernichtet. Am Freitagmorgen wurden tote Tiere zu Tausenden aus dem Gewässer geholt. Dabei waren neben Mitarbeitern des städtischen Tiefbauamtes auch Feuerwehr, THW und DLRG im Einsatz.</p> Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

(Aktualisiert: 18.55 Uhr) Die Lage im Aasee wird immer hoffnungsloser. Bis zu 80 Prozent aller Fische sollen als Folge des Sauerstoffmangels verendet sein. Helfer bemühen sich, die Kadaver zu bergen.

Von Lukas Speckmann

Das Fischsterben geht weiter. Nach Angaben einer Sprecherin geht die Stadtverwaltung davon aus, dass besonders der Bereich des alten Aasees – etwa zwischen Torminbrücke und Aaseeterrassen – „in der Fläche“ betroffen sei. Anders gesagt: Es werden hier nicht viele Fische überlebt haben. Der Fischereiverein „Früh­auf“ Münster schätzt, dass insgesamt 80 Prozent des Fischbestandes verendet sind. „Bis Freitagnachmittag sind schon mehr als 20 Tonnen verendete Fische eingesammelt worden“, so Umweltdezernent Matthias Peck.

Am frühen Freitagmorgen wurde nach Angaben der Stadt eine Sauerstoffkonzentration von nur zwei Milligramm pro Liter gemessen. „Drei Milligramm ist der für Fische kritische unterste Wert“, heißt es in der Pressemitteilung. Die kurzfristige Wetteränderung hat die Lage offenbar nicht sehr verändert. Immerhin: Zwischenzeitlich habe sich der Aasee von 26 auf 22 Grad abgekühlt. Der starke Wind ist hilfreich, weil er Bewegung ins Wasser bringt.

Rund 30 Hilfskräfte sind seit Donnerstag im Dauereinsatz. Etliche sind in Booten unterwegs und holen die toten Fische aus dem See. Dazu werden die Kadaver in Richtung der Freitreppen getrieben, wo sie mit großen Keschern abgefischt werden. Der Geruch ist überdeutlich: Das städtische Tiefbauamt hat deshalb bereits einen Spezialsauger eingesetzt, um die Belästigung für die Anwohner zu minimieren.

In der Stadtverwaltung herrscht Alarmstimmung: In Kürze soll eine Krisensitzung unter Leitung der Feuerwehr stattfinden. Bislang kamen vor allem Pumpen zum Einsatz, um durch aufwirbelnde Fontänen den Sauerstoffgehalt im aufgeheizten Gewässer wieder anzureichern. Dieser Einsatz allerdings werde nicht fortgesetzt, da er nur punktuell wirke. „Dafür ist der Aasee mit seinen 40 Hektar einfach zu groß“, so Lutz Hirschmann vom Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit zum erheblichen technischen Aufwand.

Fotostrecke: Entsorgung toter Fische am Aasee

Bislang wurden nach Schätzung der Hilfskräfte etwa 30 Kubikmeter toter Fisch aus dem Aasee geborgen. Die genaue Zahl der Tiere lasse sich schwer einschätzen, da nicht zuletzt winzig kleine Fische dabei seien. Die vor allem betroffene Art ist der Güster, aber auch große Hechte, Zander und Karpfen sind durch den Sauerstoffmangel eingegangen – eine Folge der wochenlangen ex­tremen Hitze und des niedrigen Wasserstandes. Der Aasee gilt als ein trotz seiner geringen Durchschnittstiefe sehr fischreiches Gewässer.

Fotostrecke: Fischsterben im Aasee

Am Aasee-Großeinsatz sind Hilfskräfte und Institutionen beteiligt: Neben den Fachleuten von Grünflächenamt und Tiefbauamt und der Berufsfeuerwehr sind es die Löschzüge Altstadt und Angelmodde der Freiwilligen Feuerwehr, die DLRG, das Technische Hilfswerk und die Abfallwirtschaftsbetriebe sowie der Fischereiverein „Frühauf“. Auch am Wochenende werde die Stadt die Entwicklung beobachten, heißt es.

 

 


„Eine Katastrophe für die Natur“

Die Sache stinkt zum Himmel. Und das registrierten die Münsteraner am Freitagmorgen schon auf der Promenade, wenn sie sich dem Aasee näherten. Fische im sechsstelligen Bereich waren in der Nacht verendet. Im Vergleich zum Bild am Tag zuvor, hatte sich das Fischsterben zu einer „echten Katastrophe für die Natur“ ausgeweitet, wie Stephan Vockel vom Vorstand des Fischereivereins „Früh­auf“ erklärte. Er bezifferte den durch das Fischsterben verursachten Schaden auf bis zu 50 000 Euro. Ersten Schätzungen des Vereins zufolge ist in der Nacht der Fischbestand des Aasees zu 80 Prozent vernichtet worden.

Der deutlich zu geringe Sauerstoffgehalt im Wasser hatte das Todesurteil für die Fische bedeutet. Angesichts des starken Regens vom Donnerstag sei das nicht unerwartet eingetreten, erklärte Gewässerökologe Lutz Hirschmann. Andererseits, so der Mitarbeiter der städtischen Umweltbehörde, zeigte die große Zahl an verendeten Fischen, dass die Qualität des Aasees als Fischgewässer doch viel besser sei als sein „oft so schlechter Ruf. Wäre der Zustand wirklich so schlecht, gäbe es nicht so viele tote Tiere.“

Mit Saugwagen holten Mitarbeiter des Tiefbauamtes die verendeten Fische aus dem Wasser. Betroffen zeigten sich auch die Helfer von DLRG und THW. Mit einem eigenen Boot waren die DLRG-Freiwilligen unterwegs und fischten die Kadaver im Uferbereich ab. Einen Einsatz dieser Art habe er noch nie gehabt, erklärte Einsatzleiter Holger Sandbaumhüter. Und THW-Zugführer Stefan Strutz ergänzte: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Das ist eine traurige Geschichte.“



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