Sa., 11.08.2018

Interview mit Roland Kaiser „Jedes Jahr auf dem Stadtfest? Eine gute Idee!“

Roland Kaiser wird am 19. August beim Stadtfest auftreten.

Roland Kaiser wird am 19. August beim Stadtfest auftreten. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Nach 2017 wird Roland Kaiser auch in diesem Jahr wieder beim Stadtfest „Münster mittendrin“ auftreten. Er singt am 19. August (Sonntag) um 20 Uhr auf der Domplatz-Bühne. Neben neuen Songs wird er auch seine größten Hits präsentieren – von „Santa Maria“ bis „Joana“. Wir sprachen mit ihm vor seinem „Heimspiel“.

Von Martin Kalitschke

Ein heißer August-Tag wie so oft in diesem Jahr. Das Interview fand daher in einem eisgekühlten Konferenzraum der Volksbank statt. Das Gespräch mit Roland Kaiser führte unser Redakteur Martin Kalitschke.

Herr Kaiser, Sie wohnen ja quasi direkt um die Ecke. Wie sind Sie hierhin gekommen?

Kaiser: Zu Fuß!

Werden Sie von Passanten angesprochen, wenn Sie in Münster unterwegs sind?

Kaiser: Ich bin mittlerweile seit 20 Jahren in der Stadt und in dieser Zeit ein Teil dieser Stadt geworden. Die Leute grüßen mich, aber es ist ja auch nicht unangenehm, wenn man mich erkennt. Im Gegenteil – ich habe diesen Beruf vor 44 Jahren ergriffen, um der Mehrzahl eines Landes bekannt zu sein. Sich zu beschweren, wenn dieser Umstand eintritt, wäre ja schizophren. Insofern – alles okay.

Vor 44 Jahren gab es keine Selfies. Kommen auf Sie auch regelmäßig Leute mit Smartphone zugestürmt?

Kaiser: Bei Veranstaltungen schon, ansonsten eher seltener. Wenn ich nach einer Veranstaltung in der Stadt angesprochen werde, dann mache ich das auch. Früher gab es Autogrammpost, heute gibt es Selfies – andere Zeiten, andere Sitten.

Fliegt heute auch noch was auf die Bühne, wenn Sie singen?

Kaiser: Ja, manchmal BHs oder Slips. Das soll aber keine Aufforderung für gewisse Stunden sein, sondern das ist eher ein Spiel zwischen dem Publikum und mir.

Herr Kaiser, wir sitzen hier, weil Sie am 19. August beim Stadtfest auftreten. Kurz bevor Sie singen, wird der Sieger des Wettbewerbs „Voice of Münsterland“ auf der Domplatz-Bühne stehen. Hätten Sie mal Lust auf ein Duett?

Kaiser: Nein, das wäre in etwa so, als wenn ich ein Flugzeug fliegen würde und dann kurz vor der Landung zu einem Passagier sage: Komm, wir machen mal die Landung gemeinsam. Die Band kennt nicht den Titel, der Sieger kennt nicht meinen Text, das wäre für den Sieger eine Katastrophe und von mir unhöflich, das zu provozieren.

Was würden Sie denn der Siegerin – oder dem Sieger – für einen Tipp mitgeben für den großen Bühnenauftritt am Stadtfest-Sonntag?

Kaiser: Das ist eine ganz schwere Situation, wenn Sie zum ersten Mal vor mehreren Tausend Menschen stehen. Keiner kennt Sie, und Sie wollen versuchen, in kürzester Zeit die Herzen der Menschen zu gewinnen. Zum einen können Sie natürlich mit der Unerfahrenheit punkten – dass jeder sagt: Der muss nicht perfekt sein. Und doch erwartet es jeder. Das ist wirklich eine schwierige Situation. Ich wünsche jedenfalls allen Teilnehmern Glück, dass es ihnen gut gelingen möge.

Waren Sie eigentlich mal Juror in einer Castingshow?

Kaiser: Nein.

Gab es Anfragen?

Kaiser: Die Anfragen gab es schon. Aber das ist eine irrsinnig aufwendige Aufgabe, für die ich einfach nicht die Zeit habe. Man müsste wochenlang da hin fahren, jeden Tag, das kriege ich terminlich einfach nicht hin.

Im vergangenen Jahr habe ich Sie kurz vor Ihrem Auftritt hinter der Domplatz-Bühne gesehen. Sie standen etwas abseits, ganz alleine, wirkten konzentriert. Was ging da in Ihnen vor?

Kaiser: In mir herrschte Ruhe. Ich bin wenig aufgeregt, aber sehr konzentriert. Zweieinhalb Stunden sind ja eine Strecke, und durch die will man fehlerfrei durchkommen.

Gehen Sie in solchen Momenten auch noch mal das Programm durch?

Kaiser: Nein, das kann man nicht, zweieinhalb Stunden in ein paar Sekunden, das geht nicht. Aber man konzentriert sich auf das Opening, dass man da möglichst optimal beginnt. Ansonsten macht mir das so viel Spaß, dass ich eher Freude als Lampenfieber empfinde. Das ist einfach ein wunderbarer Beruf, der mir von Jahr zu Jahr mehr Spaß macht.

Sie treten in diesem Jahr zum zweiten Mal beim Stadtfest in Münster auf. Es soll da schon so eine „Münstermania“-Idee geben – dass Sie, wie in Dresden, jedes Jahr wiederkommen. Was halten Sie davon?

Kaiser: Gute Idee. Wir hatten im vergangenen Jahr einen guten, ansprechenden Erfolg. Dieses Jahr haben wir noch mehr Karten verkauft. Warum soll das nicht gelingen, jedes Jahr einmal in meiner Heimatstadt aufzutreten? Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte.

Sie bezeichnen Münster als Ihre Heimatstadt?

Kaiser: Ja, das ist meine Heimatstadt. Ich wohne hier. Meine Geburtsstadt ist Berlin. Aber Heimat ist da, wo die Menschen sind, die ich mag und die ich liebe.

Die „Kaisermania“ in Dresden, wo Sie seit 15 Jahren jährlich auftreten, war rasend schnell ausverkauft.

Kaiser: Ja, diesmal innerhalb von 30 Minuten, 50 000 Tickets. Das hat mich schon fast ein wenig erschreckt, weil das wirklich ungewöhnlich ist. Wir haben mittlerweile Gäste aus vielen deutschen Städten, aber auch aus Dänemark, Holland, Schweden, Frankreich, die können kaum Deutsch, aber haben einfach gesagt: Die Atmosphäre ist toll. Das ist eine Dauerfeier von vier Tagen. Die Leute sitzen auf den Wiesen, machen Picknick. Das sind jedes Wochenende 25 000 Menschen, die da hin pilgern. Ich habe die Stadt kennengelernt in den frühen 1990er-Jahren mit meiner Frau. Ich mochte Dresden von Anfang an, und mich mag man da auch, so kam das zustande.

Die „Kaisermania“ soll auf unbestimmte Zeit weitergehen?

Kaiser: Solange die Menschen kommen, ja. Wenn sie sagen, ich will den nicht mehr sehen, dann muss ich aufhören.

Zurück zu Ihrem Konzert beim Stadtfest in Münster. Welche Erinnerungen haben Sie?

Kaiser: Gute. Ich habe das außerordentlich angenehm empfunden und freue mich bereits auf das nächste Mal. Es gibt ein paar Änderungen, wir haben eine größere Band dabei, 14 Musiker, das wird schon ein spannender Abend.

Gibt es auch Änderungen im Programm?

Kaiser: Das Programm ist jedes Jahr anders. Wir arrangieren Titel um, spielen diesmal ein paar Titel, die ich noch nie gespielt habe. Es werden für die Leute einige Überraschungen dabei sein.

Die großen Hits aber auch, oder?

Kaiser: Grundvoraussetzung. Ich war gerade mit meiner Frau bei den Rolling Stones in Berlin, die haben „Satisfaction“ und die anderen Hits rauf und runter gespielt. Deswegen war ich da. Ich will ja die Titel hören, die die Leute bekannt gemacht haben.

Sie sind ein großer Fußballfan. Wie eng sind Sie mit dem SC Preußen Münster verbunden?

Kaiser: Das ist ein Verein, der in der Stadt spielt, in der ich lebe. Ich war ein paar Mal da, habe immer gehofft, dass sie in die Zweite Liga aufsteigen. Ich hoffe, dass sie es dieses Jahr schaffen, die Unterstützung in der Bevölkerung ist ja da. Drücken wir die Daumen.

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist gerade vorbei. Deutschland in der Vorrunde rausgeflogen. Waren Sie sehr enttäuscht?

Kaiser: Fußball ist ein Spiel, bei dem man auch verlieren kann. Man muss feststellen, dass sich durch die Globalisierung im Fußball die Leistungsstärken angeglichen haben. Es ist heute nicht mehr so, dass eine europäische Mannschaft zum Beispiel mit den Japanern zusammentrifft und alles ist geklärt. Insofern war das Ausscheiden keine Katastrophe.

Nach der WM kam die Özil-Diskussion. Hätte er nach dem Erdogan-Foto zu Hause bleiben sollen?

Kaiser: Der DFB hätte die Dinge vorher klären müssen. Man hat Stefan Effenberg entfernt, weil er den Mittelfinger gezeigt hat. Da ist ein Verhalten wie bei Özil und Gündogan noch eher dazu angetan, sich mit den Spielern hinzusetzen und zu fragen: Wie habt Ihr das gemeint? Könntet Ihr das eventuell mal korrigieren? Denn der Präsident von Herrn Özil und Herrn Gündogan heißt nicht Erdogan, sondern der heißt Steinmeier. Hätten es die beiden vor der WM nicht korrigiert, dann hätten sie gar nicht erst mitfahren sollen. Punkt. Da hat der DFB für mich nicht klar und deutlich genug reagiert.

Der Fall Özil löste dann auch eine Rassismus-Debatte aus. Von Rassismus hört man immer wieder auch aus Sachsen, wo Sie sehr beliebt sind. Wie gehen Sie damit um?

Kaiser: Ich habe mich ja schon wiederholt zu diesem Thema öffentlich geäußert. Wenn ich meine, etwas sagen zu müssen, dann tue ich das auch ohne Rücksicht darauf, ob das merkantile Auswirkungen hat.

Haben Ihnen das Fans übel genommen?

Kaiser: Meine Frau hat mal gesagt, dass in den sozialen Medien gewisse Kommentare zu lesen sind. Doch die lese ich gar nicht erst.

Sollte man sich als Künstler generell zu Themen wie Rassismus äußern?

Kaiser: Das sollte jeder selbst wissen, es gibt da keine Verpflichtung. Ich jedenfalls halte es mit meinem großen Kollegen Udo Jürgens: Unterhaltung mit Haltung. Wenn wir Dinge haben, die uns stören, dann sollten wir uns äußern. Ich trenne das allerdings sauber von der Bühnenunterhaltung. Wenn ich singe, dann halte ich keine politische Rede. Aber wenn ich mit Journalisten wie Ihnen zusammensitze, dann bin ich gerne bereit, meine Meinung zu sagen.

Hat sich in Dresden die Atmosphäre in den letzten Jahren geändert?

Kaiser: Nein. Das ist eine Minderheit, aber eine laute Minderheit, die die Wahrnehmung dominiert. Vor ein paar Jahren haben wir uns in Dresden hingestellt – Verbände, Kirchen, alle Parteien – und gesagt, dass wir so nicht sind und so nicht denken. Und haben auch nicht gegen, sondern für etwas geworben, für Toleranz und Weltoffenheit. Da waren 35 000, und da war mal die Mehrheit laut. Man muss in Dresden die Mehrheit beachten, und die ist weltoffen und tolerant. Die Stadt hat viele, viele positive Seiten. Deshalb bewirbt sie sich gerade um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2025“.

Engagieren Sie sich dabei?

Kaiser: Ich bin Mitglied im Kuratorium. Als einziger Nicht-Dresdener.

Sie treten demnächst auf der Berliner Waldbühne auf. Ist das etwas Besonderes für Sie?

Kaiser: Ja klar, ich bin ja gebürtiger Berliner und war bereits mit 13 Jahren auf der Waldbühne. Damals traten dort die Rolling Stones auf. Das berühmte Konzert, bei dem die Waldbühne komplett zerlegt wurde von den Zuschauern. Daraufhin wurde die Bühne 20 Jahre für Konzerte gesperrt. Jetzt war ich 53 Jahre später bei den Stones, im Olympiastadion. Aber da mal hinzukommen, auf der Waldbühne in Berlin zu spielen, das ist schon eine große Ehre. Ich freu mich darauf.

Sie scheinen ein richtiger Rolling-Stones-Fan zu sein!

Kaiser: Total. Als pubertierendes Kind kam ich mit Musik in Verbindung, die ein Stück des Protestes gegen Erwachsene war. Damals war die große Frage: Bist du Fan der Beatles oder der Stones. Als die Erwachsenen sagten: Na, die Beatles kann man sich noch anhören, da stand für mich fest: Jetzt bist du Stones-Fans. Die jetzt wieder zu sehen, war ein echtes Ereignis für mich.

Rückblick - Münsters Stadtfest 2017:



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