Fr., 10.08.2018

Untersuchung Die verkannte Chance: Handwerksbetriebe finden nur schwer Auszubildende

Leon Schulte und Philipp Bitter (r.) sind zwei ehemalige Lehrlinge der Firma Brüning Bad & Heizung. Beide schlossen ihre Ausbildung ab, Schulte ist mittlerweile als Meister beim Betrieb angestellt.

Leon Schulte und Philipp Bitter (r.) sind zwei ehemalige Lehrlinge der Firma Brüning Bad & Heizung. Beide schlossen ihre Ausbildung ab, Schulte ist mittlerweile als Meister beim Betrieb angestellt. Foto: HWK

Münster - 

145 Ausbildungsbetriebe im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region hat die Handwerkkammer (HWK) Münster befragt – das Ergebnis: Nur 40 Prozent davon konnten all ihre Ausbildungsstellen besetzen.

Von Björn Meyer

Genaue Zahlen für die Stadt Münster liegen zwar nicht vor, laut Knut-Rüdiger Heine, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der HWK, sei es für Betriebe im Bereich der Stadt Münster allerdings überproportional schwierig, Auszubildende zu finden. Das, so Heine, liege vor allem an der Struktur der Stadt. Im Klartext: Dort, wo viele nach Abitur und Studium streben, gibt es eine unterdurchschnittliche Nachfrage nach Handwerksberufen.

Heine weiß darum, betont aber, dass er die Schlussfolgerung für falsch hält: „Handwerk ist für alle etwas und lebt davon, dass es einer hohen Bandbreite von Leuten Chancen bietet.“ Genau diese Chancen aber, so Heine, würden viele im Handwerk nicht erkennen, daran habe auch die eigene Image-Kampagne der Handwerkskammer bislang wenig ändern können.

Doch nicht nur an öffentlicher Wahrnehmung, auch an geeigneten Bewerbern mangele es, machen Vertreter münsterischer Handwerksbetriebe gegenüber unserer Zeitung deutlich. Michael Fischer, bei der Pape & Böhm Elektrotechnik GmbH für den Bereich Ausbildung mitverantwortlich, sagt: „Die Bewerber sind in den vergangenen Jahren spürbar weniger geworden.“ Er führt das einerseits auf einen gesellschaftlichen Wandel, andererseits aber auch darauf zurück, dass vielen nicht klar sei, dass man im Handwerk gutes Geld verdienen könne – wenn man denn gut sei.

Bernd Brüning, Inhaber von Brüning Bad & Heizung, sieht noch einen weiteren Missstand. Seit Jahrzehnten bilde sein Unternehmen junge Menschen aus, doch in jüngerer Vergangenheit sei zunehmend eine mangelnde Verbindlichkeit bei den Bewerbern festzustellen. Erst vor wenigen Tagen habe man einen jungen Mann, der bereits einen Ausbildungsvertrag unterschrieben hatte, kontaktiert, um seine Ausrüstung vorzubereiten.

Lapidar habe der Mann kurz vor seinem eigentlichen Start erklärt, er werde die Ausbildung gar nicht antreten. „Wo kommen wir denn hin, wenn Verträge nichts mehr gelten?“, fragt Brüning, zumal dass Unternehmen traditionell Auszubildende in den Betrieb übernehmen möchte. Ein Drittel der Beschäftigten habe in dem Unternehmen ihre Ausbildung gemacht, sagt Brüning.

Dabei hat seine Firma immerhin den Vorteil, über einen gewissen Bekanntheitsgrad zu verfügen. Am schwierigsten, das räumt auch Heine von der HWK ein, sei die Suche nach Auszubildenden für sehr kleine Unternehmen mit nur wenigen Mitarbeitern. Doppelt bitter, denn die seien eben die klassischen Ausbilder, fänden aber keinen Nachwuchs. Dabei beschreibt Heine mit einer Anekdote die Bedeutung des Handwerks.

Vor Jahren, so Heine, sei der Kreis Borken gescholten worden, weil er die geringste Abiturienten-Quote der Region habe – „wirtschaftlich aber ist der Kreis Borken der erfolgreichste.“ Es komme, So Heine, eben auf die richtige Mischung an.



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