So., 12.08.2018

Schwimmaufseher im Interview Harter Job an heißen Tagen

Julius Haberechts Job als Schwimmaufsicht ist es, alles im Blick zu haben, was im Freibad Sudmühle vor sich geht.

Julius Haberechts Job als Schwimmaufsicht ist es, alles im Blick zu haben, was im Freibad Sudmühle vor sich geht. Foto: Björn Meyer

Münster - 

Schwimmaufsicht Julius Haberecht arbeitet im Freibad Sudmühle und spricht im Interview über Schwimmmeister-Klischees und Fehler von Freibadbesuchern.

Von Björn Meyer

Seit acht Jahren arbeitet der in Münster aufgewachsene Student Julius Haberecht (er studiert Sport und Sozialwissenschaften in Köln) an Wochenenden und in den Semesterferien als Schwimmaufsicht im Freibad Sudmühle. Was Schwimmgäste häufig falsch machen, worauf es in seinem Job besonders ankommt und was von den Klischees über Bademeister zu halten ist, darüber sprach Julius Haberecht jetzt mit unserem Redakteur Björn Meyer.

Eine rote Badehose

Julius Haberecht: (fällt dem Redakteur ins Wort, als habe er mit der Frage gerechnet) ... habe ich heute nicht an.

Ich hatte wegen Baywatch gefragt.

Haberecht: Ich weiß schon, und tatsächlich tragen hier die meisten auch rote Hosen. Das scheint irgendwie zu passen.

Wird man mit den Bademeister-Klischees denn regelmäßig konfrontiert?

Haberecht: Wir sagen hier „Schwimmaufsicht“, weil sich „Schwimmmeister“ ja nur die nennen dürfen, die den Beruf gelernt haben. Außerdem müssen wir uns in Sudmühle nicht um die Technik des Bades kümmern, dafür haben wir einen technischen Leiter und dazu noch einen Hausmeister. Meine Aufgabe ist es nur, für die Sicherheit der Gäste zu sorgen. Zu den Klischees: Gerade am Anfang musste ich mir von Freunden schon einiges anhören. Dass man nur gemütlich in der Sonne sitzt zum Beispiel. Aber wer den Job schon mal gemacht hat, der weiß, dass das ganz schön anstrengend ist. Auch wenn man nur sitzt und ab und an ums Becken geht. Aber gerade an heißen Tagen, wenn viel Publikum da ist, ist das echt ein harter Job. Und man darf nicht vergessen, dass man eine große Verantwortung hat.

Mussten Sie denn während Ihrer Aufsicht schon mal jemanden retten ?

Haberecht: Gott sei Dank nicht. Außer kleineren Sachen, einer Platzwunde oder so, ist nichts vorgekommen. Aber man muss eben immer mit dem Schlimmsten rechnen, egal, ob fünf oder tausend Gäste im Bad sind. Dafür werden wir regelmäßig geschult und besprechen auch vereinsintern immer wieder Dinge. Ich denke, wir sind da gut vorbereitet.

Kinder immer schlechter schwimmen können. Stimmt das?

Haberecht: Klar, man bekommt das schon mit. Ich ganz speziell, durch mein Sportstudium, an den Schulen. Man hat natürlich einen speziellen Blick darauf, wenn Kinder ohne Begleitung an den Beckenrand des Schwimmerbereichs kommen. Die liebäugeln gerne schon mal mit dem großen Becken, wo sie eigentlich erst ab dem Seepferdchen rein dürfen. Da gehe ich dann hin und sage, dass sie gerne gucken dürfen, aber mehr auch nicht.

Noch so ein Klischee ist es, dass Frauen Bademeistern sehr zugetan sind.

Haberecht: Das Klischee kenne ich, tatsächlich aber kommen hier gar nicht so viele junge Frauen hin. (lacht) Hier sind eher viele Mütter. Ich gucke aber ehrlich gesagt gar nicht so genau hin, weil ich eigentlich damit beschäftigt bin, alle Leute im Griff zu haben.

Ob ich das jetzt glauben soll?

Haberecht: Es ist jedenfalls tatsächlich so. Allerdings habe ich meine Freundin hier im Bad kennengelernt. Aber gefunkt hat es dann woanders. Telefonnummern habe ich übrigens auch noch nie zugesteckt bekommen. Ich weiß natürlich nicht, wie das bei den Kollegen ist.

Was ist denn der größte Fehler, den Badegäste machen?

Haberecht: Die Leute ignorieren ganz gerne unsere Duschen, weil die sehr kalt sind, und springen dann aufgeheizt ins Becken. Das ist gerade bei der Sonne derzeit ein großes Risiko. Da gucke ich immer besonders hin, weil man nie weiß, wie der Kreislauf reagiert. Das kann schon mal danebengehen.

Hatten Sie schon mal Pro­bleme, die eigene Autorität durchzusetzen?

Haberecht: Die Jugendlichen, die ein bisschen wilder sind – was ich gut verstehen kann, denn ich war früher selber so –, die haben wir hier eigentlich gar nicht. Ich musste noch nie wirklich laut werden. Ich spreche die Menschen aber eh lieber persönlich an.

Was macht denn überhaupt eine gute Schwimmaufsicht aus?

Habrecht: Mit Freundlichkeit kommt man, wie ja eigentlich überall, ziemlich weit. Zudem ist es wichtig, dass man vorausschauend arbeitet und nicht erst reagiert, wenn etwas passiert ist. Viele Probleme entstehen dann erst gar nicht.

Verhält man sich als Schwimmaufsicht eigentlich anders, wenn man privat im Freibad ist?

Haberecht: Eigentlich nicht. Ich springe dann auch gerne mal vom Rand, auch wenn man es besser weiß. Man benimmt sich dann halt so, wie sich ein Badegast benimmt.

Man nimmt den Gästen Verfehlungen also persönlich nicht übel.

Haberecht: Nein, aber das lässt man sie natürlich nicht wissen.



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