Mo., 13.08.2018

Knöllchen für Radfahrer Ein gut investiertes Verwarngeld

Als Frank Kummer verwarnt wurde, sah es am "Tatort" noch so aus....

Als Frank Kummer verwarnt wurde, sah es am "Tatort" noch so aus.... Foto: Frank Kummer

Münster - 

Zehn Euro muss Frank Kummer zahlen für ein „Vergehen“, das ihm irgendwie nicht einleuchtet. Seine Verwarnung ruft bei dem Radfahrer große Unklarheit hervor.

Von Klaus Baumeister

Frank Kummer musste als Radfahrer zehn Euro Verwarngeld zahlen. Das hat ihn so geärgert, dass er unserer Redaktion gleich vier Mails mit Unterlagen geschickt hat. Der Fall ist spannend, aber in gewisser Weise auch eindeutig: Frank Kummer hat keine Chance, die zehn Euro erstattet zu bekommen. Aber die Klarheit, zu der sein Ärger und seine Beschwerde beigetragen hat, rechtfertigt eine Berichterstattung.

Etwas flapsig ausgedrückt: Für zehn Euro ist sein „Fall“ in die Zeitung gekommen.

Also, was ist passiert? Frank Kummer überquert – wie so oft – mit dem Fahrrad die Hammer Straße in Höhe der Einbiegung Geiststraße, biegt dann nach rechts, fährt wenige Meter – wie so oft – auf der „falschen“ Seite des Radweges, um dann in Richtung Geistmarkt abzubiegen.

Schild nicht sichtbar

Genau an dieser Stelle kommt die Polizei ins Spiel: Sie hält Frank Kummer an und kassiert besagte zehn Euro. Das Argument der Polizei: Bedingt durch eine Baustelle sei die Möglichkeit, an dieser Stelle den Radweg in beide Richtungen zu benutzen, aufgehoben.

Frank Kummer erkundet sodann die Umgehung und stellt fest, dass es in der Nähe zwar ein Schild gibt, das auf das Ende des Radweges hinweist. Dieses steht aber so auf dem Radweg, dass es für Radler, die die Straße an der Ampel überqueren, nicht sichtbar ist.

Auf eine entsprechende Beschwerde im Polizeipräsidium bekommt er dann folgende schriftliche Antwort: „Die ehemalige Markierung des gegenläufigen Radweges ist durch die Baustelle nicht mehr sichtbar. Eine Beschilderung, dass Radfahrer gegenläufig fahren dürfen, ist nicht vorhanden.“

Verbotsschild aufgestellt

Etwas barsch fügt die Sachbearbeiterin hinzu: „Ich sehe keine Veranlassung, Ihnen das gezahlte Verwarngeld zurück zu erstatten, zumal es sich um einen abgeschlossenen Vorgang handelt.“

Eine Woche nach dem besagten Vorfall schnellt der Adrenalinspiegel des Münsteraners noch einmal hoch, als er sieht, dass an der Stelle, an der er erwischt und verwarnt wurde, jetzt ein unmissverständliches Verbotsschild hängt.

Hat die Polizei also doch ein schlechtes Gewissen bekommen?

Frank Kummer wird die zehn Euro nicht wiedersehen, aber etwas anderes treibt ihn um, so sein Wortlaut in der vierten und letzten Mail: „Der staatsbürgerliche Erkenntnisgewinn ist enorm. Wie auch immer, es grüßt Frank Kummer.“

Fotostrecke: Regeln auf Fahrradstraßen



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