Werke von Ulrich Rölfing in St. Joseph
Die Rückkehr des Kardinals

Münster -

Ein aufgebahrter Leichnam vor einer brennenden Stadt, wehende NS-Fahnen vor der Lambertikirche, ein Porträt, das streng in den Kirchraum blickt: In der Josephskirche zeigt die Katholische Kirchengemeinde St. Joseph Münster-Süd derzeit die Ausstellung „Kardinal in den Trümmern. Farben des Abschieds“ mit Werken von Ulrich Rölfing.

Montag, 13.08.2018, 16:26 Uhr
Clemens August von Galen, der „Kardinal in den Trümmern“, mit einem Schutzsuchenden
Clemens August von Galen, der „Kardinal in den Trümmern“, mit einem Schutzsuchenden Foto: ab-

Die expressionistischen Bilder des in Dingden bei Hamminkeln geborenen Malers zeigen die künstlerische Auseinandersetzung mit der hiesigen Zeitgeschichte des Jahres 1946 und greifen dabei auch die vorherigen Kriegsjahre auf. Rölfing schuf den Großteil der Bilder 2014/15 für die Ausstellung „Nüchternes Glänzen“, die im Jahr 2017 im Kloster Nütschau (Schleswig-Holstein) zu sehen war.

Ausgangspunkt der damaligen Beschäftigung mit Clemens August von Galen, dem „Kardinal in den Trümmern“, und der Stadt Münster waren Zeitungsartikel, die die Ankunft des aus Rom zurückgekehrten von Galen im Jahre 1946 zeigen, wie Pfarrer Dr. Stefan Rau erklärt. Der Widerspruch aus kriegszerstörter Stadt und der von 50 000 Menschen begleiteten Prozession, angeführt vom reich geschmückten Kardinal, habe Rölfing zur künstlerischen Verarbeitung fotografischer Inspirationen bewogen, so der Pfarrer weiter. Das Thema fesselte den Künstler derart, dass er speziell für die nun laufende Ausstellung neue Bilder anfertigte.

Pfarrer Rau schildert, dass der Maler und Bildhauer zwar oft biografisch arbeite, die jetzige Ausstellung allerdings nicht ausschließlich auf die Lebensgeschichte des Kardinals von Galen abziele. Vielmehr lieferten die Bilder „zeitgeschichtliche Impressionen“, gebündelt in den letzten zwölf Lebenstagen des 2005 Seliggesprochenen.

Der aus einer Adelsfamilie stammende Geistliche mit autoritären Ansichten erhielt 1941 den Beinamen „Der Löwe von Münster“, weil er in drei Predigten die nationalsozialistische Staatsmacht wegen ihrer Euthanasieprogramme öffentlich verurteilte. Für Kirchenvorstand Rau zeigt sich hier die Ambivalenz dieser historischen Figur.

Die Bilderschau macht auf die jahrhundertealte religiöse Symbolik aufmerksam, die „in all der Verwüstung“ der Nachkriegszeit noch einmal „von Bedeutung“ sein konnte, wie Rölfing schreibt. Für Pfarrer Rau sind es deshalb „Bilder, die anregen wollen“. Sie fragen – aus Kirchensicht selbstkritisch – danach, was Kirche und Glaube ist und welche Rituale und Zeichen die Kirche in der heutigen Zeit braucht.

Doch sie fragen auch nach Verantwortung, Widerstand und Schuld. Ein Blick in das Gästebuch zur Ausstellung zeigt, dass auch die Besucher dies so sehen und eine menschliche Haltung gegen Ungerechtigkeit verlangen – so wie von Galen es getan habe.

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Zu sehen ist die Ausstellung, die ganz bewusst das Nebeneinander von Kunst und Gebet zulässt, noch bis zum 1. September täglich von 8 bis 18 Uhr in St. Joseph an der Hammer Straße. Weitere Infos:

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