Lage am und im Aasee noch kritisch
Nach Fischen sterben erste Vögel

Münster -

Obwohl der Sauerstoffgehalt des Aasees die kritische Marke inzwischen verlassen hat, kann von einer Entspannung der Situation noch keine Rede sein. Nach dem massiven Fischsterben sind nun erste tote Wasservögel gefunden worden.

Montag, 13.08.2018, 19:53 Uhr aktualisiert: 14.08.2018, 08:51 Uhr
Schon 1000 Einsatzstunden hat die Feuerwehr am neuen Teil des Aasees abgeleistet: Seit Freitagabend wird ununterbrochen mit Hochleistungspumpen für eine kräftige Wasser­zirkulation gesorgt. Dadurch kommt mehr Sauerstoff ins Stillgewässer. Die Stadt hofft, dass zumindest ein Teil der Fische überlebt hat.
Schon 1000 Einsatzstunden hat die Feuerwehr am neuen Teil des Aasees abgeleistet: Seit Freitagabend wird ununterbrochen mit Hochleistungspumpen für eine kräftige Wasser­zirkulation gesorgt. Dadurch kommt mehr Sauerstoff ins Stillgewässer. Die Stadt hofft, dass zumindest ein Teil der Fische überlebt hat. Foto: hpe

Nach den Fischen sterben jetzt auch die ersten Wasservögel am Aasee: Tierschützer haben am Wochenende bislang gut zwei Dutzend verendete Enten und Haubentaucher am See entdeckt. Die toten Tiere werden jetzt untersucht, aktuell besteht der Verdacht auf eine Botulismus-Bakterienvergiftung. Im sauerstoff­armen Wasser finden die für Menschen ungefährlichen Bakterien „einen reichen Nähr­boden“, so die Stadt.

Die toten Vögel sind laut Stadt „Ausdruck des anhaltenden Krisenzustandes des Aasees“. Umweltdezernent Matthias Peck: „Der Patient ist noch lange nicht gesund.“ Und wie sich die Lage im und am See weiterentwickelt, könne die Stadt auch nicht wirklich einschätzen.

Fakt ist zumindest, dass sich der Sauerstoffgehalt im Wasser inzwischen wieder auf einen Wert von 9 bis 14 Milligramm eingependelt hat. Damit liegt er deutlich über der kritischen Marke von drei Milligramm, ein für das Überleben der restlichen Fische unterster Wert.

Entsorgung toter Fische am Aasee

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  • Foto: Matthias Ahlke
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Schaden im sechsstelligen Bereich

Die Gründe für die Entspannung der aktuellen Gefahrenlage sind vielfältig: Die Lufttemperaturen sind gesunken und der Aasee misst aktuell nur noch 21 statt 26 Grad. Der Wind sorgt für hilfreiche Wasserverwirbelungen, und auch der Einsatz von Hochleistungspumpen der Feuerwehr hat offenbar Wirkung gezeigt.

„Die Pumpen laufen seit Freitagabend nonstop, rund 1000 Einsatzstunden sind schon zusammengekommen“, so Feuerwehrchef Gottfried Wingler-Scholz. Die Kosten für den Großeinsatz sind noch unklar. Weil es sich um ein „Hilfeersuchen des Krisenstabes im Rahmen der Gefahrenabwehr“ handelt, wird wohl am Ende die Kommune bezahlen. Falls der Sauerstoffpegel stabil bleibt, sollen die Pumpen in den nächsten Tagen ab­gestellt werden.

Ob der stark gebeutelte ­Fischereiverein „Frühauf“ ­finanzielle Hilfen von der Stadt bekommt, um den Fischbestand wieder auf­frischen zu können, ist noch völlig unklar. Der Verein spricht von einem Schaden im sechsstelligen Bereich. Peck kündigte an, das ­„Gespräch mit den Betroffenen zu suchen“. Die rund 20 Tonnen Fischkadaver sind nach Lünen in einen Tierkörper-Entsorgungsbetrieb gebracht worden.

Kein Grund zur Entwarnung

Der Super-Gau im See war laut Peck „nicht vorhersehbar“. Auch in den Wochen vor dem Massensterben habe es regelmäßige Sauerstoffmessungen der städtischen Gewässerökologen im See gegeben. Der Wert schwankte, sei aber niemals auch nur annähernd im ­kritischen Bereich gewesen. Auch andere Hitzeperioden habe der See in den vergangenen Jahren überstanden, ohne zu kippen, so Peck.

Aktuell gehe man von der wochenlangen Hitze und dem – wegen der ebenfalls langen Trockenheit – Versiegen der Aa-Zuflüsse als Ur­sache aus. „Es gibt keinen Grund zur Entwarnung“, so Peck. In den nächsten Monaten werde man prüfen, ob und was getan werden kann, um solch ein Öko-Desaster künftig verhindern zu können. Die Palette reicht von der Verkleinerung des Sees über eine dauerhafte Wassersäule bis zur Vertiefung.

Noch immer gibt es laut Stadt auch vereinzelt Blau­algen – Wassersportler sollten deshalb einen Hautkontakt mit dem Aaseewasser vermeiden.


FDP-Chef fordert Sofortmaßnahmen für den Aasee

FDP-Parteichef Manuel Lascasas appelliert an die Stadt Münster, umgehend Maßnahmen zur Stabilisierung des Ökosystems Aasee zu ergreifen, die über die Bekämpfung von Blaualgen und Fischaufstiegsanlagen hinausgehen. „Wir müssen alles dafür tun, dass der Aasee auch während Hitzeperioden seine kühlende Funktion für die Innenstadt behält und nachhaltiger Lebensraum für Fische bleibt“, sagt Lascasas.

Vor gut einer Woche war Münster wegen seines Umgangs mit natürlichen Ressourcen mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden. Lascasas schlägt nun vor, das Preisgeld in Höhe von 30  000 Euro für Sofortmaßnahmen für den Aasee zu verwenden, wie beispielsweise einen tieferen Aushub oder eine Wasserfontäne. „Das Geld wäre doch schnell verfügbar, und wir müssen schnell handeln“, sagt er. Das „ökologische Desaster“ habe leider eindrucksvoll gezeigt, dass der Aasee als Wahrzeichen der Stadt labiler sei, als man sich vorstellen konnte.

Nach der extremen Hitzeperiode und der monatelangen Trockenheit war der Aasee umgekippt, die Sauerstoffkonzentration im Wasser auf zwei Milligramm pro Liter gesunken. Mehr als 20 Tonnen tote Fische mussten in den vergangenen Tagen geborgen werden. „Das darf kein zweites Mal passieren“, fordert Lascasas.

Grünen-Vorstandssprecher Stephan Orth warf der FDP eine „unglaubwürdige Augenwischerei“ vor, wenn suggeriert würde, der riesige Aasee könne mit 30  000 Euro-Preisgeld des Nachhaltigkeitspreises gerettet werden. „Wir laden die FDP dazu ein, sich dauerhaft mit uns für ökologische und nachhaltige Standards in Münster einzusetzen“, so Orth

Gleichzeitig loben die Grünen die Arbeit des städtischen Umweltamtes, das laut Orth schon seit Wochen vor so einem Ereignis gewarnt habe.  


Grüne: Klimaschutz forcieren

„Das massenhafte Fischsterben im Aasee ist eine ökologische Katastrophe. Und nach dem Starkregen 2014 ein weiteres Zeichen, dass der Klimawandel voranschreitet und auch vor Münster nicht Halt machen wird“, kommentiert GAL-Vorstandsmitglied Robin Korte die Ereignisse der vergangenen Tage. Am Ufer des Aasees waren mehr als 20 Tonnen tote Fische angelandet, die dem in Folge der mehrwöchigen Hitzewelle und Dürre eingetretenen Sauerstoffmangel erlegen waren.

Korte mahnt einen offenen Dialog an: „Wir brauchen einen konstruktiven und zielführenden politischen Diskussionsprozess, der danach fragt, wie wir den Aasee und unsere übrigen Gewässer dauerhaft fit machen für den Klimawandel. Das geht nicht von heute auf morgen und kurzsichtige Schnellschüsse helfen uns da sicher nicht weiter. Natürlich müssen wir den Dürresommer 2018 auch als Signal ernst nehmen, dass wir endlich mehr tun müssen für den Schutz unseres Klimas.“

Generelles Ziel müsse ein geringerer Verbrauch an fossilen Brennstoffen sein. Die Grünen in Münster setzen sich „für eine konsequente ökologische und nachhaltige Politik ein.“ Das zeige sich „in puncto Divestment, in der Förderung des Radverkehrs und in Sachen Photovoltaik“, heißt es in der Mitteilung weiter.

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