Lästige Brummer
Plagegeister nerven: Wespen-Alarm in Münster

Münster -

Wespen entwickeln sich zu wahren Plagegeistern. Bei Mahlzeiten im Freien umschwirren sie Kuchen, Marmeladengläser und Wurst. In diesem Jahr sind ungewöhnlich viele Wespen unterwegs.

Mittwoch, 15.08.2018, 09:00 Uhr aktualisiert: 15.08.2018, 10:19 Uhr
Wespen-Alarm im Super-Sommer: Die Plagegeister umschwirren momentan bei schönem Wetter jegliche Form von Nahrung, wenn sie zuckerhaltig ist. Die ausgebliebene Kälte im Juni führt dazu, dass seit Tagen extrem viele Wespen ausschwärmen.
Wespen-Alarm im Super-Sommer: Die Plagegeister umschwirren momentan bei schönem Wetter jegliche Form von Nahrung, wenn sie zuckerhaltig ist. Die ausgebliebene Kälte im Juni führt dazu, dass seit Tagen extrem viele Wespen ausschwärmen. Foto: dpa

Wespen-Alarm in Biergärten, auf Balkonen und in Bäckereien: Die Insekten entwickeln sich in diesem Jahr zu Plagegeistern. Sie stürzen sich auf alles Essbare. Zwetschgenkuchen mögen sie gerne, aber auch Fleisch und süße Getränke. Seit 20 Jahren arbeitet Stefanie Töns in einer Bäckerei: „Aber so extrem viele Wespen habe ich noch nicht erlebt.“

Die lästigen Brummer auf Distanz zu halten, ist derzeit kaum möglich. „Da hilft nur noch ein Deckel auf dem Getränk“, rät Thomas Hövelmann vom Naturschutzbund in Münster. Momentan summen die Plagegeister überall herum.

Kaum stehen Kuchen, Grillfleisch und Getränke auf den Tischen, schwirren die gelb-schwarzen Tierchen zum Angriff. Das nervt. Da bringt ein Regentag wie am Dienstag schon etwas Entspannung. Doch in den kommenden Tagen soll es wieder warm werden, dann kehren die Wespen zurück.

Extremes Wespen-Aufkommen

Im Supersommer 2018 ist der Wespen-Alarm noch ex­tremer als sonst. Das spürt Stefanie Töns in ihrer Bäckerei an der Hafenstraße. Die Filialleiterin hat keine Angst vor den Wespen und ignoriert die Tiere. „Ich bin bis heute auch noch nicht gestochen worden“, freut sich Töns, die beim Verpacken von Kuchen nur darauf achtet, dass sie keine Wespe in die Finger bekommt. Die Kunden, das merkt sie, würden aber schon mal einen Schritt Abstand von der Theke halten.

An diesem heißen Tag brummen unzählige Tierchen munter auf einem Stück Mohnkuchen mit süßem Zuckerguss, den sich die Plagegeister ausgesucht haben. Auch vier Donuts haben die Wespen an dem Tag geschafft, zieht Stefanie Töns Bilanz.

Gewinner und Verlierer der Hitzewelle

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  • Gewinner

    Speiseeishersteller: Eisdielenbesitzer berichten bei Stichproben über glänzende Geschäfte, im Einzelhandel zählt Speiseeis ebenfalls zu den Rennern. Laut der Union der italienischen Speiseeishersteller in Deutschland (Uniteis) ist dieses Jahr vor allem Fruchteis gefragt. „Es ist ein wunderbarer Eis-Sommer“, sagt Uniteis-Sprecherin Annalisa Carnio, meint aber auch: „Am meisten verkaufen wir bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius.“ Bei allem, was an Temperaturen darüber liegt, steige eher der Bedarf nach Flüssigkeiten als nach Speiseeis.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Gewinner

    Sonnenschutz-Anbieter: Um sich vor Sonnenbrand zu schützen, ist sowohl auf dem Balkon als auch im Garten oder am Strand ein Mittel unerlässlich: der Sonnenschutz. Egal ob als Sonnensegel, Sonnenschirm, Baldachin oder Markise, Schattenspender aller Art sind bei den sommerlichen Temperaturen sehr gefragt. „Bei den Bereichen Pavillon, Bewässerung, Camping und Grillen verspüren wir einen deutlichen und starken Nachfragezuwachs“, sagte eine Sprecherin der Baumarktkette Hagebau. Gute Nachfrage bestätigen auch viele Fachgeschäfte bei Ventilatoren und Klimageräten.

    Foto: Patrick Pleul
  • Gewinner

    Sonnencreme-Hersteller: Die Sonnenstrahlung sorgt nicht nur für gesunde Bräune, sondern verursacht auch Sonnenbrand - und im schlimmsten Fall Hautkrebs. Sonnencremes stehen daher laut Einzelhandel hoch im Kurs.

    Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand
  • Gewinner

    Getränkewirtschaft: Hitze macht durstig. Das hat auch in den vergangenen Sommerwochen die Absätze von Bier deutlich nach oben getrieben. „Gerade auch die alkoholfreien Sorten sind derzeit äußerst gefragt“, sagt Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher beim Deutschen Brauer-Bund. „Wir blicken sehr optimistisch auf dieses Geschäftsjahr.“

    Die Fußball-Weltmeisterschaft und das Sommerwetter haben schon im ersten Halbjahr den Bierabsatz angekurbelt. Er stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent oder 0,3 Millionen Hektoliter, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Brauereien und Bierlager setzten damit rund 47,1 Millionen Hektoliter Bier ab.

     

    Foto: Sina Schuldt
  • Verlierer

    Landwirtschaft: Die Bauern haben große Angst um ihre Ernte. Was für ambitionierte Freizeitgärtner schon eine Herausforderung ist, treibt vielen Landwirten angesichts verdorrender Felder Kummerfalten auf die Stirn. Bauernverbände rechnen etwa bei der Getreideernte in vielen Regionen des Landes mit Ausfällen. Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied fürchtet gar ein „existenzbedrohendes Ausmaß“ in Teilen der Bundesrepublik.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Verlierer

    Wälder: Wegen Trockenheit gibt es in Teilen Deutschlands Warnungen vor Waldbränden. In Niedersachsen etwa besteht fast landesweit allerhöchste Bandgefahr, in Brandenburg bei Fichtenwalde standen jüngst schon Wälder in Flammen. Die geringen Niederschläge der vergangenen Wochen und die stark gestiegenen Temperaturen haben die Bäume bereits in Mitleidenschaft gezogen. Besonders hoch ist die Gefahr entlang von Straßen- und Wegböschungen sowie an Waldrändern und Hecken, wo vertrocknete Gräser und Stauden leicht in Brand geraten können.

    Foto: Jan Woitas
  • Verlierer

    Binnenschiffahrt: Wegen der extremen Hitze und Trockenheit sinken die Pegelstände stark. Deshalb müssen etliche Schiffe mit deutlich weniger Ladung fahren als sonst, wie Rolf Nagelschmidt vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Köln sagt.

    Foto: Frank Rumpenhorst
  • Verlierer

    Kraftwerke: Mehrere Kraftwerke mussten nach der tagelangen Hitze gedrosselt werden. Denn so gelangt weniger Witze über Kühlwasser in Flüsse. Auch hieß es kürzlich aus einem Kraftwerk aus Nordrhein-Westfalen, dass die Wassertemperatur im Kühlturm wegen der Hitze zu hoch gewesen sei.

    Foto: Paul Zinken
  • Verlierer

    Fische: Fische sterben, wenn das Wasser immer wärmer wird. „Spätestens ab 28 Grad ist mit Schädigungen der Gewässerbiologie zu rechnen“, sagt Holger Sticht vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Einige Fische in Flüssen suchten sich kühlere Orte zum Laichen und brächten so ihren natürlichen Takt durcheinander. „Problematischer ist die Lage in Stillgewässern und kleineren Fließgewässern“, sagt Fischereibiologe Olaf Niepagenkemper. Wenn es wärmer wird, könne das Wasser weniger Sauerstoff aufnehmen.

    Ein tausendfaches Fischsterben am Rhein ist nach Experteneinschätzung kaum noch abzuwenden. „Ich rechne schon nächste Woche mit der Tragödie“, sagte der Geschäftsführer des schweizerischen Fischereiverbandes, Philipp Sicher. Der Rhein habe westlich des Bodensees bereits 25 Grad Wassertemperatur.

    Foto: Thomas Frey

In den vergangenen Tagen sei es aber auch wirklich besonders schlimm mit der Wespen-Plage, stellt Lydia Bianco vom Eiscafé Milano an der Wilhelmstraße fest. Sie versucht, die Plagegeister darum auf der Außenterrasse mit brennendem Kaffeepulver in einer feuerfesten Schale zu vertreiben. Ein Hausmittel, von dem sie gehört habe und von dem die Eisspezialistin meint, dass es tatsächlich hilft. Als lästig und besonders aggressiv beschreibt aber auch Lydia Bianco die Wespen in diesem Jahr. Viele ihrer Kunden bevorzugten darum zurzeit einen Platz im Café.

Tipps

Wespen-Alarm, was tun? Hier einige Tipps, die helfen können, dass es nicht zu Wespenstichen kommt:

► Wegpusten der Wespen vermeiden, denn das Kohlendioxid in der Atemluft steigert die Angriffslust der Tiere. Aggressives Schlagen macht die Tiere noch aggressiver.

► Sanftes Beiseiteschieben mit der Hand schadet nicht.

► Wassernebel aus einer Sprühflasche täuscht Regen vor, die Wespen ziehen sich ins Nest zurück.

► Getränke und Speisen abdecken.

► Eltern sollen nach dem Essen ihren Kindern den Brei vom Mund abwischen, um keine Tiere anzulocken. Getränke in Flaschen und Dosen mit einem dünnen Strohhalm trinken.

► Parfüm und Duftstoffe meiden.

► Nähe zu Wespennestern meiden und nicht in deren Einflugschneise aufhalten.

► Gegen Wespen sollen unter anderem auch Basilikum oder mit Nelken versehene Zitronen oder Orangen helfen.

...

„Der trockene Sommer kommt den Wespen entgegen“, meint Dr. Marika Harz von der Bienenkunde der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Die 38-Jährige rechnet aber damit, dass die Plagegeister, die proteinhaltige Nahrung bevorzugten, in sechs bis acht Wochen verschwunden sein werden. In der Tat sei der Wespen-Alarm in diesem Jahr besonders groß, so Harz.

Aufgrund der Wärme und „weil die Schafskälte ausfiel“, haben sich die Wespenvölker optimal entwickelt, erklärt sich Thomas Hövelmann den Wespen-Alarm. Der Nabu-Experte rechnet damit, dass die Tiere noch bis zu den ersten frostigen Nächten ausschwärmen, dann sei der Spuk vorbei. Hövelmann rät darum, jetzt cool zu bleiben, die Nerven zu behalten und vor allem nicht nach den Wespen zu schlagen.

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