Aasee produziert wieder Sauerstoff
Stadt schaltet die ersten Pumpen ab

Münster -

Der Aasee produziert wieder selbstständig Sauerstoff, unabhängig von den seit vier Tagen laufenden Pumpen. Das teilte die Stadt am Dienstag mit. Der Wasserspiegel sei bis zum Vormittag um 20 Zentimeter gestiegen, die Wassertemperatur um 1 Grad auf 21 Grad Celsius weiter gesunken.

Dienstag, 14.08.2018, 19:53 Uhr
 Große Pumpanlagen führen dem Aasee Wasser zu. So soll der Sauerstoffgehalt im Wasser erhöht werden. Zu niedriger Sauerstoffgehalt hatte in der vergangenen Woche dazu geführt. dass 20 Tonnen Fisch verendet sind.
 Große Pumpanlagen führen dem Aasee Wasser zu. So soll der Sauerstoffgehalt im Wasser erhöht werden. Zu niedriger Sauerstoffgehalt hatte in der vergangenen Woche dazu geführt. dass 20 Tonnen Fisch verendet sind. Foto: Oliver Werner

„Der Sauerstoffgehalt des Wassers hat sich deutlich über dem kritischen Wert stabilisiert“, berichtete Umweltdezernent Matthias Peck nach einer Sitzung des städtischen Krisenstabes. „Wir werden weiterhin engmaschig messen“, so der Beigeordnete für Nachhaltigkeit.

Ein Ergebnis der jüngsten Messungen: In den Bereichen Segelclub Hansa und Mühlenhof, wo die Hochleistungspumpen zur Sauerstoffanreicherung Wasser aus dem See einspritzen, seien die Werte etwas niedriger als an anderen Stellen. Das sei ein Indiz dafür, dass das Gewässer wieder selbst Sauerstoff produziere.

Zugleich könnte das laut Stadt darauf hinweisen, dass die Pumpen Biomasse im See aufwirbeln und sich deshalb an diesen Stellen keine für die Sauerstoffproduktion wichtigen Grünalgen bilden könnten. Ob das tatsächlich zutrifft, würden weitere tägliche Sauerstoffmessungen zeigen.

Reaktionen zum Aasee: Hafengeruch und Unverständnis

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  • Monika Hellers Arbeitsweg führt sie täglich am Aasee vorbei. Nachdem sie am Freitag die unzähligen toten Fische gesehen hat, ist sie nun verwundert: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum nicht schon eher etwas passiert ist.“ In anderen Seen der Gegend seien Fische gerettet worden, doch „hier passierte nichts“, so Frau Hellers Einschätzung.

    Foto: Hannah Würsching
  • Birgitta Beerhorst geht regelmäßig mit ihrem Hund Gandhi am Aasee spazieren. Wie schlecht es um Münsters Stadtsee bestellt ist, macht sie traurig: „Mir tut der Aasee leid.“ Doch in die Trauer mischt sich auch Wut: „Die Stadtoberen lassen sich nichts einfallen zum See.“ Für die Hundehalterin ist der See ein Stück Natur, der gut behandelt werden müsse: „Wir sind alle aufgerufen, uns darum zu kümmern.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Student Kamill Wiczok besitzt einen Fischereischein. Er finde es bedrückend, zu wissen, dass ein Großteil der Fische aus dem Aasee jetzt tot sei. Zwar werde aktuell bei der Beseitigung der toten Tiere von der Feuerwehr gute Arbeit geleistet, aber ein früheres Einschreiten hätte das Szenario vielleicht verhindern können. „Das ist eine kleine Naturkatastrophe für Münster“, sagt er.

    Foto: Hannah Würsching
  • Robin Borkenhagen aus Münster war in den letzten Tagen häufiger am Ufer des Aasees unterwegs. Die toten Fische am Wochenende waren auch für ihn weder zu übersehen noch zu „überriechen“. „Das war ein penetranter Verwesungsgeruch und ein regelrechter Strand aus toten Fischen“, erzählt er. Er sei zwar kein Experte, aber er frage sich schon, warum vonseiten der Behörden nicht früher etwas unternommen wurde. „Man kann doch Wahrscheinlichkeiten heranziehen, wann so ein See kippt.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Für Margarete Schweter riecht der Aasee momentan nach Hafen: „fischig und modrig“. Der Gestank sei für sie jedoch das kleinere Übel. Dass mit dem heißen Sommer noch weitere Probleme wie das Fischsterben einhergingen, sei für sie absehbar gewesen. Man hätte früher etwas unternehmen müssen, sagt sie. „Die Politik zieht sich hier aus der Verantwortung.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Denise Rüller geht fast täglich um den Aasee herum spazieren. Für sie stinke es am See momentan „wie nach schlechten Muscheln“. Zuvor seien ihr schon zwei Entenretter einer Tierschutzorganisation entgegengekommen. „Mindestens einen toten Vogel haben die beiden in ihrer Plastiktüte dabeigehabt“, erzählt sie.

    Foto: Hannah Würsching
  • Auch Markus Haverkamp, der bereits seit 1986 im Münsterland angelt, empfindet das Fischsterben als „Katastrophe“ und „Trauerspiel“. Zwar lobt er den Einsatz der Feuerwehr, doch kämen die Maßnahmen „mindestens drei Wochen zu spät: Die Politik hat gepennt.“

    Foto: Matthias Ahlke

Der Krisenstab beschloss, die beiden Pumpen zunächst abzuschalten. Das große Pumpsystem am Segelclub bleibe vorerst stehen und könne bei Bedarf sofort wieder in Betrieb genommen werden. Die kleinere Pumpe am Mühlenhof werde zunächst abgebaut.

Seit Montag seien noch vereinzelt verendete Fische, insbesondere an schwer zugänglichen Stellen, gefunden und entsorgt worden. Insgesamt seien bislang zirka 40 tote Wasservögel gefunden worden. Untersuchungsergebnisse wiesen darauf hin, dass sie an Botulismus oder einer von Blaualgen verursachten Vergiftung gestorben seien. Wer tote Wasservögel entdeckt, soll die Stadt unter Tel. 02 51/4 92-67 01 benachrichten.

Entsorgung toter Fische am Aasee

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  • Foto: Matthias Ahlke
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  • Foto: Matthias Ahlke
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Regen, Wind und Wellengang haben laut Stadt die Blaualgen-Teppiche auf dem See weitgehend vernichtet. Am Dienstag seien im Uferbereich kaum noch Blaualgen zu sehen gewesen. Die Stadtverwaltung empfiehlt den Hundebesitzern aber weiterhin, die Tiere zurzeit nicht aus dem Aasee trinken zu lassen.


Bundesweites Presseecho

Über das Fischsterben im münsterischen Aasee berichteten in den vergangenen Tagen auch die überregionalen Medien. So titelte „Spiegel Online“: „20 Tonnen Fisch in See in Münster verendet“. Ebenso verfolgten „Welt“ und „Bild“ die Situation am Aasee, und die „Süddeutsche Zeitung“ blickte auf die vermutlich Jahre andauernde Regenerationszeit des Sees.

Das Magazin „Stern“ berichtete: „Wie die Feuerwehr jetzt um den Bestand kämpft“. „Focus Online“ würdigte ebenfalls die Arbeit der Feuerwehr und beschrieb den Einfluss der kühleren Temperaturen und des Regens, wodurch sich  die Situation im Aasee beruhige. Auch die Online-Portale der TV-Sender ZDF und n-tv griffen das Thema  auf.

Zudem wurde die Ökokatastrophe am Wochenende im Internet, insbesondere bei Google, häufig aufgerufen. So tauchte das Fischsterben in der Liste der zehn höchstplatzierten Einträge der deutschlandweiten Suchanfragen auf.

von André Bednarz

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