Aasee: Lewe will Experten einschalten
Tiersterben alarmiert die Politik: Task Force wird gebildet

Münster -

Über 20 Tonnen tote Fische, rund 40 tote Wasservögel: Das Tiersterben im Aasee alarmiert auch die Politik. Oberbürgermeister Lewe will eine Task Force mit unabhängigen Wissenschaftlern einrichten – für eine neutrale Expertise.

Mittwoch, 15.08.2018, 07:06 Uhr aktualisiert: 15.08.2018, 07:33 Uhr
Zunächst starben die Fische im Aasee, jetzt auch die Enten, hier in dem Teilbereich nahe der Goldenen Brücke. Insgesamt wurden in den vergangenen Tagen circa 40 tote Wasservögel gefunden. Untersuchungsergebnisse weisen laut Stadtverwaltung darauf hin, dass sie an Botulismus oder einer von Blaualgen verursachten Vergiftung gestorben sind.
Zunächst starben die Fische im Aasee, jetzt auch die Enten, hier in dem Teilbereich nahe der Goldenen Brücke. Insgesamt wurden in den vergangenen Tagen circa 40 tote Wasservögel gefunden. Untersuchungsergebnisse weisen laut Stadtverwaltung darauf hin, dass sie an Botulismus oder einer von Blaualgen verursachten Vergiftung gestorben sind. Foto: kal

Das Tiersterben im Aasee mit über 20 Tonnen tote Fische und den ersten verendeten Vögeln am Ufer hat Oberbürgermeister Markus Lewe in seinem Sommerurlaub alarmiert. „Die entsetzliche Lage am Aasee hat mich sehr betroffen gemacht“, sagt Lewe. Für ihn ergäben sich zwei Fragen: „Hätten wir das verhindern können? Und was müssen wir tun, dass sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt?“, so Lewe.

Münster Oberbürgermeister, der gerade eine Radtour über die Alpen unternimmt und am Dienstag mit unserer Zeitung telefonierte, will unabhängige Experten einschalten, um eine fundierte und neutrale Expertise einzuholen. „Ich werde eine Task Force einrichten, in der wissenschaftliche Kräfte aus dem Hochschulbereich mitarbeiten sollen. Ich jedenfalls fühle mich nicht in der Lage zu beurteilen, ob die Katastrophe hätte verhindert werden können“, sagte Lewe offen.

Forderung an Umweltdezernent Peck 

FDP-Vorsitzender Manuel Lascasas stellte am Dienstag die Frage, welche Maßnahmen das städtische Umweltamt angesichts des sich verschlechternden Aasee-Zustandes angeordnet habe, um ökologische Schäden abzuwenden. Lascasas sieht den grünen Umweltdezernenten Matthias Peck in der Pflicht, die Analysen und konkreten Handlungsansätze der letzten Wochen vor dem Fischsterben offenzulegen.

„Die Grünen und vor allem Herr Peck verstricken sich in Widersprüchen, wenn sie einerseits vor einer drohenden Katastrophe warnen und direkt im Anschluss genau diesen Super-Gau als nicht vorhersehbar einstufen“, sagt Lascasas.

Reaktionen zum Aasee: Hafengeruch und Unverständnis

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  • Monika Hellers Arbeitsweg führt sie täglich am Aasee vorbei. Nachdem sie am Freitag die unzähligen toten Fische gesehen hat, ist sie nun verwundert: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum nicht schon eher etwas passiert ist.“ In anderen Seen der Gegend seien Fische gerettet worden, doch „hier passierte nichts“, so Frau Hellers Einschätzung.

    Foto: Hannah Würsching
  • Birgitta Beerhorst geht regelmäßig mit ihrem Hund Gandhi am Aasee spazieren. Wie schlecht es um Münsters Stadtsee bestellt ist, macht sie traurig: „Mir tut der Aasee leid.“ Doch in die Trauer mischt sich auch Wut: „Die Stadtoberen lassen sich nichts einfallen zum See.“ Für die Hundehalterin ist der See ein Stück Natur, der gut behandelt werden müsse: „Wir sind alle aufgerufen, uns darum zu kümmern.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Student Kamill Wiczok besitzt einen Fischereischein. Er finde es bedrückend, zu wissen, dass ein Großteil der Fische aus dem Aasee jetzt tot sei. Zwar werde aktuell bei der Beseitigung der toten Tiere von der Feuerwehr gute Arbeit geleistet, aber ein früheres Einschreiten hätte das Szenario vielleicht verhindern können. „Das ist eine kleine Naturkatastrophe für Münster“, sagt er.

    Foto: Hannah Würsching
  • Robin Borkenhagen aus Münster war in den letzten Tagen häufiger am Ufer des Aasees unterwegs. Die toten Fische am Wochenende waren auch für ihn weder zu übersehen noch zu „überriechen“. „Das war ein penetranter Verwesungsgeruch und ein regelrechter Strand aus toten Fischen“, erzählt er. Er sei zwar kein Experte, aber er frage sich schon, warum vonseiten der Behörden nicht früher etwas unternommen wurde. „Man kann doch Wahrscheinlichkeiten heranziehen, wann so ein See kippt.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Für Margarete Schweter riecht der Aasee momentan nach Hafen: „fischig und modrig“. Der Gestank sei für sie jedoch das kleinere Übel. Dass mit dem heißen Sommer noch weitere Probleme wie das Fischsterben einhergingen, sei für sie absehbar gewesen. Man hätte früher etwas unternehmen müssen, sagt sie. „Die Politik zieht sich hier aus der Verantwortung.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Denise Rüller geht fast täglich um den Aasee herum spazieren. Für sie stinke es am See momentan „wie nach schlechten Muscheln“. Zuvor seien ihr schon zwei Entenretter einer Tierschutzorganisation entgegengekommen. „Mindestens einen toten Vogel haben die beiden in ihrer Plastiktüte dabeigehabt“, erzählt sie.

    Foto: Hannah Würsching
  • Auch Markus Haverkamp, der bereits seit 1986 im Münsterland angelt, empfindet das Fischsterben als „Katastrophe“ und „Trauerspiel“. Zwar lobt er den Einsatz der Feuerwehr, doch kämen die Maßnahmen „mindestens drei Wochen zu spät: Die Politik hat gepennt.“

    Foto: Matthias Ahlke

Für die Linken war die Aasee-Katastrophe absehbar, ausreichende Maßnahmen seien auf allen Seiten über Jahre verschleppt worden. „Der Blick muss spätestens jetzt für eine grundlegende Sanierung nach vorne gerichtet werden“, sagt Fraktionschef Rüdiger Sagel. Dass Umweltdezernent Peck alle Schuld von sich weise, sei ein übliches Muster.

Empfehlung für "biologisches Management"

Die Stadt teilte mit, dass sich die Situation am Aasee entspannt habe, auch wenn von Entwarnung keine Rede sein könne. Seit Montag seien nur noch vereinzelt tote Fisch, aber insgesamt auch rund 40 tote Wasservögel gefunden worden.

Die Limnologin Prof. Dr. Elisabeth Meyer von der Universität Münster empfiehlt ein „nachhaltiges, biologisches Management“, um den Aasee zu stabilisieren, schließlich sei mit weiteren Hitze-Sommern zu rechnen. Durch Wegfang oder Besatz lasse sich ein ausgewogenes Verhältnis der Fischarten, folglich ein natürliches Nahrungsgefüge erzielen, sagt die Gewässerforscherin laut Mitteilung der Universität. Ein solches Biomonitoring sei in Talsperren erprobt worden. Nicht zuletzt sollten die Nährstoffe reduziert werden.

Meinung

KOMMENTAR

Kostbares Münster-Symbol: Aasee braucht mehr Kontrolle

Der Schock über den umgekippten Aasee weicht allmählich der Wut – und der immer drängen­deren Frage, ob die Öko-Katastrophe mit mehr Aufmerksamkeit und Entschlossenheit nicht hätte abgewendet werden können. Wobei nicht vergessen werden darf: Am Aasee ist die verheerende Bilanz dieses Ausnahme-Sommers zwar besonders sichtbar, aber die Folgen von Hitze und Trockenheit sind längst nicht darauf beschränkt. Tote Fische sind auffälliger als tote Bäume.

Der Aasee ist ein Kunstprodukt – und als solches für die Folgen des Klimawandels besonders anfällig. Will man ihn als Naherholungsgebiet erhalten, darf man die Dinge nicht mehr so laufen lassen wie bisher. Wie bei einem Aquarium müssen Temperatur und Wasserqualität, Fischbestand und Belüftung strenger kontrolliert werden; um regelmäßiges Großreinemachen kommt man auch nicht herum. Das geht nicht zum Nulltarif.

Politik und Stadtgesellschaft werden sich darauf einstellen müssen, noch viel Geld in den Aasee zu pumpen. Mit Symbolpolitik allein dürfte sich dieses beliebte Münster-Symbol nicht auf Dauer erhalten lassen.

von Lukas Speckmann

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Fischsterben im Aasee

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  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
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