Vergiftet vom Aasee-Wasser
Aktivisten bergen kranke und tote Vögel

Münster -

Aktivisten bergen seit Tagen kranke und tote Vögel im Aasee und in der Aa. Etliche Tiere zeigen Anzeichen einer Vergiftung, berichten sie.

Mittwoch, 15.08.2018, 15:25 Uhr aktualisiert: 15.08.2018, 18:53 Uhr
Aktivisten bergen am Dienstagmittag an der "Goldenen Brücke" kranke, aber auch tote Vögel aus dem Wasser.
Aktivisten bergen am Dienstagmittag an der "Goldenen Brücke" kranke, aber auch tote Vögel aus dem Wasser. Foto: Martin Kalitschke

Christian Adam kniet am Ufer der Aa, kurz hinter der „Goldenen Brücke“, in der Nähe der Aasee-Terrassen. Er tastet vorsichtig im Schilf, bis er eine Ente gefunden hat. Er nimmt sie in die Hand, schaut sich das Tier genau an. „Ein junger Erpel“, sagt Adam. „Die Flügel sind nass, das heißt, dass er sich nicht mehr selber putzen kann. Außerdem hängt sein Kopf ein wenig.“ Für Adam steht fest, dass die Ente krank ist. Krank vom Aasee-Wasser.

Alles ehrenamtlich

Die Ente lässt die Kurzdiagnose entspannt über sich ergehen. Sie ist der 22. Vogel, den Adam vom Verein „Tierretter.de“ und andere Aktivisten seit dem Wochenende aus dem Aasee geholt haben. „Wir werden ihr gleich eine Magensonde einsetzen und dann jede halbe Stunde Wasser verabreichen.“ So soll der Magen gespült werden. Danach soll die Ente zusammen mit weiteren geborgenen Vögeln zu einer Tierärztin in Ostwestfalen gebracht werden, die sich – wie die Aktivisten vor Ort auch – ehrenamtlich um die Tiere aus dem Aasee kümmere. „Ich glaube, dass diese Ente eine gute Überlebenschance hat“, sagt Adam.

Manchmal kommt Hilfe zu spät

Für andere Vögel kommt hingegen jede Rettung zu spät, rund 50 Tiere sind inzwischen verendet, berichtet am Dienstag die Stadt. Christian Adam und andere Aktivisten wollen nach eigenen Angaben nicht einfach zusehen, wie noch mehr Vögel sterben. Sondern kranke Tiere bergen, bevor es zu spät ist. Sie sind mit einem Paddelboot und mit Keschern im Einsatz, ziehen Vögel aus dem Wasser oder aus dem Schilf. „Die wird es nicht mehr schaffen“, sagt Christian Adam – eine weitere Ente wirkt apathisch, bewegt sich kaum noch. Das Tier sei vermutlich – wie die anderen Vögel auch – durch die Blaualgen im Wasser vergiftet worden. „Dann stellen sich Lähmungserscheinungen ein, schließlich fällt es ihnen immer schwerer, den Kopf über Wasser zu halten.“

Wer tote Wasservögel entdeckt, entsorgt sie bitte nicht selbst, sondern benachrichtigt die Stadt unter Telefon 02 51/4 92-67 01.

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Viele verschiedene Arten

Bereits von der Ferne sei gut zu erkennen, ob ein Vogel vergiftet ist. „Wenn man sich kranken Tieren nähert, dann versuchen sie wegzufliegen, schaffen es aber nicht, weil die Flügel einfach zu schwach sind.“ Stattdessen tauchen sie weg oder verstecken sich – was völlig untypisch für Wasservögel sei. Die Liste der Arten, die Adam und seine Mitstreiter inzwischen aus dem Aasee und der Aa geholt haben, ist lang. Sie reicht von Enten über Möwen und Blesshühner bis hin zu Haubentauchern. „Haubentaucher sind sehr selten. Dass auch sie unter den verendeten Tieren sind, ist ganz besonders bitter“, sagt er.

"Die Stadt windet sich raus"

Wie geht es jetzt weiter? „Die Stadt sollte den Aasee im Herbst grundreinigen, Schlick und Dreck rausholen.“ Adam reibt Daumen und Zeigefinger aneinander. „Das wird teuer“, soll das heißen. Gar nicht gut auf die Stadt zu sprechen ist eine Helferin vom Peta-2-Streetteam, die am Dienstag mit Tierretter Adam vor Ort ist. „Der Sauerstoff ging dem Aasee schon vor drei Wochen aus, doch bei der Stadt tat man so, als ob noch alles okay sei“, kritisiert sie. „Jetzt ist es zu spät, Wasser in den Aasee zu pumpen. Die Stadt windet sich da heraus“, glaubt sie.

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