„Der See braucht ein Management"
Interview mit Dr. Bettina Zeis

Münster -

Der Aasee wird sich erholen, meint die Biologin Dr. Bettina Zeis im Interview. Auf Dauer benötige er als künstliches Gewässer aber viel Aufsicht.

Dienstag, 14.08.2018, 20:18 Uhr aktualisiert: 15.08.2018, 10:02 Uhr
Dr. Bettina Zeis mit dem Modell eines Großen Wasserflohs (Daphnia magna). Dieses Krebstierchen könnte eine wichtige Rolle bei der Reduzierung von Algen spielen, wenn er nicht selbst von hungrigen Fischen gefressen würde . . .
Dr. Bettina Zeis mit dem Modell eines Großen Wasserflohs (Daphnia magna). Dieses Krebstierchen könnte eine wichtige Rolle bei der Reduzierung von Algen spielen, wenn er nicht selbst von hungrigen Fischen gefressen würde . . . Foto: Lukas Speckmann

Die ökologischen Probleme des Aasees lassen sich nicht kurzfristig lösen. Langfristig ist ein umfangreiches Management erforderlich, meint die Biologin Dr. Bettina Zeis, Privatdozentin am Institut für Zoophysiologie der Universität. Unser Redakteur Lukas Speckmann sprach mit ihr.

Wie geht es mit dem Aasee weiter?

Zeis: Er wird sich erholen, wenn es kälter wird, spätestens im Winter.

Die Natur hilft sich selbst?

Zeis: Der Aasee ist nicht „Natur“. Es ist ein vollkommen künstliches System, ursprünglich ein Regenrückhaltebecken.

Und darum ist er in der Nacht zu Donnerstag so schnell gekippt?

Zeis: Er ist gekippt, weil es nachts im See den geringsten Sauerstoffgehalt gibt. Die Algen, die tagsüber Sauerstoff produzieren, gehören nachts ebenso wie Fische und Zooplankton zu den Verbrauchern. Der Tag zuvor war regnerisch, die Algen konnten also wenig produzieren, der Bedarf war wegen der Wärme jedoch unvermindert groß. In den frühen Morgenstunden wurde der kritische Wert unterschritten.

Hätte sich das nicht viel früher erkennen lassen?

Zeis: Wenn der See kurz vorm Umkippen ist, reichen wenige Faktoren dazu aus – und die sind sehr schwer einzuschätzen.

Dass der See zu viel Fläche bei zu geringer Tiefe hat, ist doch altbekannt . . .

Zeis: Auch Flachseen können funktionieren ohne umzukippen. Das Hauptproblem ist der viel zu hohe Nährstoffeintrag. Im Zulauf des Aasees wurde schon vor einiger Zeit damit begonnen, Phosphate und Stickstoff zu reduzieren. Das muss intensiviert werden.

Die unerwartet große Menge an Fischen im Aasee zeigt doch, dass die Wasserqualität gar nicht so schlecht war . . .

Zeis: Das stimmt so nicht. Das Wasser ist sehr nährstoffreich. Die Jungtiere der sogenannten Friedfische ernähren sich von Wasserflöhen und anderen Kleinkrebsen, dieses „Zooplankton“ jedoch reduziert die Algen. Der See braucht also mehr Raubfische, um die Zahl der Friedfische klein zu halten. Dann könnte sich beispielsweise der Große Wasserfloh entwickeln und das Wasser bliebe klarer. Die Menge der Fische hat nichts mit der Wasserqualität zu tun.

Das sehen Angler vielleicht anders . . .

Zeis: Aber auch die freuen sich über einen Hecht an der Angel.

Was müsste also geschehen?

Zeis: Der Aasee benötigt als künstliches Gewässer ein umfangreiches Management. Dazu gehören die Reduzierung des Nährstoffeintrags, der optimierte Fischbesatz, die regelmäßige Kontrolle des Fischbestands oder die Entfernung von Faulschlamm.

Und die künstliche Belüftung, wie sie seit Donnerstag durch die Feuerwehr vorgenommen wird?

Zeis: Die ist gut und richtig, hilft aber nur punktuell – und hätte eventuell früher erfolgen können, um effektiv zu sein. Langfristig könnten stationäre Belüfter helfen. Oder vielleicht sogar eine große Fontäne.

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