Opulenter Münster-Bildband in überarbeiteter Fassung
Eine Stadt in immer neuen Facetten

Münster -

Die Frage, was Münster für seine Bürger, aber auch für Zugereiste und Fremde bedeutet, lässt sich nicht leicht beantworten. Manche nennen die Stadt mit Blick auf ihre Provinzialhauptstadtgeschichte „heimliche Hauptstadt“ Westfalens. Dortmunder könnten zurecht einwenden, dass ihre Stadt die mit Abstand größte Stadt Westfalens ist, fast doppelt so groß wie Münster. Und Soester könnten die reiche Historie und Hanse-Schwerkraft ihrer Stadt ins Feld führen, wobei die Glanzzeit Soests eben lange zurückliegt. Nicht ganz von ungefähr hat sich für Städte, deren Bedeutung über die Jahre schwindet, in bestimmten Kreisen der Begriff „Versoestung“ eingebürgert. Dennoch ist Soest wunderschön. Aber wenden wir uns nun einmal wieder Münster zu.

Mittwoch, 15.08.2018, 15:56 Uhr
Das filigrane Spiel des Sonnenlichtes hat Andreas Lechtape in dieser faszinierenden Aufnahme der liturgisch neu gestalteten Petrikirche eingefangen.
Das filigrane Spiel des Sonnenlichtes hat Andreas Lechtape in dieser faszinierenden Aufnahme der liturgisch neu gestalteten Petrikirche eingefangen. Foto: Andreas Lechtape

Einigen wir uns in diesem Zusammenhang darauf, dass Münster eine besondere Atmosphäre, Qualität und Lebensfülle bietet. Die Stadt lebt durch ihre Ausstrahlung: historisch, kulturell, architektonisch, urban. Diesem besonderen Charme der Stadt sind der Historiker Dr. Bernd Haunfelder und der Fotograf Andreas Lechtape in ihrem Band „Münster. Stadt – Geschichte – Kultur“, der jetzt bei Aschendorff in einer überarbeiteten zweiten Auflage erschienen ist, eindrucksvoll auf der Spur.

Bernd Haunfelder hat bereits viele Bild- und Textbände über Münster veröffentlicht, er kennt die Winkel und die Geschichtsmarken der Stadt, wie das Kapitel „Stadtgeschichte im Stadtbild“ belegt. Andreas Lechtape zählt zu den renommierten Architekturfotografen der Region.

Schon der Einband des repräsentativen Bandes, nun mit lichtüberflutetem Prinzipalmarkt und fahnengeschmücktem Rathaus, weckt Freude aufs Schauen und Lesen. Dies setzt sich im großformatigen Buch fort. Vom Dach der Ober­fi­n­anz­direk­tion hat der Betrachter Münsters „Skyline“ vor Augen. Über dem Lichtermeer sind Baumberge, Windräder und Longinus-Turm fast zum Greifen nah. Auch der Blick gen Westen vom Stadthaus 1 über den erleuchteten Dom und das blinkende Riesenrad bis zum Schloss zeigt Münsters ganze Pracht.

Solche Panoramen wechseln mit feinen Details ab. Und in den zwei Jahren seit Erscheinen der ersten Auflage hat sich Münster schon wieder verändert! Die neu ummantelten Bettentürme der Uniklinik, feine Details aus dem Kreuzviertel sind hinzugekommen, auch im Inneren von Burg Hülshoff hat sich Lechtape neu umgeschaut. Die Burg wird durch das neue Literaturzentrum neu zum Leben erweckt.

Giebelhäuser, historische Grabmäler, Blicke auf Häuser und ihr Innenleben, auf kunstvolle Fassaden und in Treppenhäuser zeigen Lebens- und Wohnkultur in einer alten Stadt, die, wie Bernd Haunfelder treffend formuliert, wie kaum eine andere Stadt in Deutschland eine „Stadt der Mitte“ ist. Sie ist mittelgroß, sie hält die Balance zwischen Innovation und Tradition, zwischen den Ökonomie und Ökologie. Wenngleich sich in diesen Tagen nach der großen Hitze die Frage stellen lässt, wie der Aasee derart „umkippen“ konnte. Aber darüber können sich die Verantwortlichen sicher noch einige Wochen streiten.

Auf 204 Seiten und in über 240 sorgfältig beschriebenen Bildern bekommt der Leser einen tiefen Einblick in Geschichte und Gegenwart einer lebenswerten Stadt, die in über 1200 Jahren von der kleinen Siedlung an der Aa zur mächtigen Bischofs- und einflussreichen Hansestadt aufstieg. Sie war Verhandlungsort zum Westfälischen Frieden, preußische Provinzialhauptstadt und schickt sich gegenwärtig an, mit ihrer kulturellen, administrativen und universitären Kraft sowie einem der Attraktivität folgenden Bevölkerungswachstum in die Riege der bedeutendsten Städte Deutschlands aufzusteigen.

Die hier in großer Fülle gebotenen Einblicke reichen von Kirchen bis zu barocken Häusern, vom Prinzipalmarkt zum Kreuzviertel, von den Museen bis zur Universität, von den modernen Skulpturen bis hin in die Peripherie mit Haus Dyckburg und Rüschhaus. Märkte, Feste, Naturerlebnis und Freizeitvergnügen bilden einen einzigartigen Münster-Bilderbogen. Bernd Haunfelders kundige Texte schließen Geschichte und Gebäude auf, eine Chronik am Ende des Bandes rundet das Opus ab.

Zum Thema

Bernd Haunfelder/Andreas Lechtape: Münster. Stadt – Geschichte – Kultur. 2. überarbeitete Auflage. Aschendorff-Verlag Münster, 204 Seiten, 29.95 Euro.

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