Geschichten aus dem Leben
Lokalpatriotismus & Lebensbuch: Münsteraner zeigen ihre Tattoos

Münster -

Die Grünsteifen am Kanal, sie haben in den vergangenen Jahren ein gerüttelt Maß an Attraktivität verloren. Doch trotz der unansehnlichen Baustellen zieht es an heißen Tagen noch immer Tausende Münsteraner an das längste Naherholungsgebiet der Stadt. Es wird gegrillt, geschwommen, das eine oder andere Bier getrunken und vor allem natürlich viel erzählt. 

Donnerstag, 16.08.2018, 11:00 Uhr aktualisiert: 16.08.2018, 14:55 Uhr
Geschichten aus dem Leben: Lokalpatriotismus & Lebensbuch: Münsteraner zeigen ihre Tattoos
Foto: Björn Meyer

Manche Gesprächsstoffe sind heiter, andere ernst, erzählt mit lauter oder leiser Stimme. Doch es gibt am Kanal auch Geschichten, die man zunächst nicht hören, sondern nur sehen kann. Geschichten, die mit der Nadel unter die Haut gestochen wurden und die häufig nicht vom Alltag, sondern von ganz persönliche Erinnerungen handeln.

So wie bei Lars Piepenbreier. Der heute 25-jährige VWL-Student bereiste nach seiner Schulzeit ein Jahr Südamerika. Wieder kam er mit zahllosen Eindrücken und einer Tattoo-Idee. „Ich habe den Löwenkopf tatsächlich dort entdeckt, aber den Mut ihn mir dort stechen zu lassen, hatte ich nicht.“ Also suchte der Münsteraner hier nach einem Tattoo-Laden und musste feststellen, dass das gar nicht so einfach war, wie zunächst angenommen.

„Mir war klar, dass ich ein großes Tattoo haben wollte, doch da ich bis dato noch keine Tätowierung hatte, wollte man in den ersten Läden, in denen ich gefragt habe, nicht die Verantwortung dafür übernehmen“, erzählt Piepenbreier. Fündig wurde er letztlich beim münsterischen Basement Tattoo-Shop. Über insgesamt 20 Stunden stach man ihm dort einen Löwenkopf auf einen großen Teil seines Rückens.

Fruchtige Motivreihe

Auf dem Körper von Melanie Kroll, die als Sozialarbeiterin arbeitet, finden sich gleich eine ganze Reihe an Tattoos. Fast klassisch war die erste Tätowierung, die sie sich im Alter von 16 Jahren mit der Erlaubnis ihrer Eltern stechen ließ, ein Reinfall. Doch von der kleinen Sonne ist heute nichts mehr zu sehen.

Eine Schildkröte hat das ungeliebte Motiv ersetzt. Auf ihrem Schulterblatt prangt derweil ein Vogel, der aus einem Notenschlüssel besteht. „Er drückt meine Liebe zur Musik aus“, erzählt die 27-Jährige, die nahezu all ihre Tattoos selber gezeichnet hat. „Das Erste, was ich morgens mache, ist Musik anzuschalten.“

Tattoos von Münsteranern

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Auch Krankenpflegerin Doro Heldt hat gleich eine Vielzahl an Tätowierungen. „Quitte, Ananas, Avocado, Blaubeere und Wassermelone“, zählt sie mit einem Lächeln eine ganz schön fruchtige Reihe auf. Doch trotz dieser eher ungewöhnlichen Motive ist die Geschichte einer Welle, die sie auf ihrem Oberarm trägt, die süßeste.

„Ich hatte mir das Motiv bei einer Reise mit meiner Schwester nach Mailand ausgesucht. Doch wir hatten nicht genug Geld.“ Einige Zeit später, als die Flüge nach Mailand für wenige Euros zu haben waren, trafen sich die beiden jungen Frauen, die aus einem Ort an der Nordsee stammen, erneut in Mailand – nur um sich dort doch noch tätowieren zu lassen.

Optisches Tagebuch

Dass nicht immer alles „einfach und gerade läuft im Leben“, daran erinnern Dennis Hinz (31) zwei Deadpool-Figuren auf seinem Arm. Der ungewöhnliche Marvel-Held hat es dem gelernten Kunstschlosser angetan: „Weil er mich immer daran erinnert, dass es nicht schlimm ist, wenn etwas mal nicht klappt“, sagt Hinz. Seinen Körper, auf dem sich noch weitere Tattoos befinden, bezeichnet Hinz als sein „Tagebuch“.

Tattoo-Messe in der Stadthalle Hiltrup

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  • Rund 60 Tätowierer aus der ganzen Welt zeigten am Samstag beim zehnten Starfire-Tattoo-Weekend in Hiltrup ihr Können.

    Foto: Jürgensen
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    Foto: Jürgensen
  • Rund 60 Tätowierer aus der ganzen Welt zeigten am Samstag beim zehnten Starfire-Tattoo-Weekend in Hiltrup ihr Können.

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Übrigens, auch wenn so manches Motiv bisweilen martialisch erscheinen mag, häufig stecken ganz sentimentale Beweggründe dahinter. Immer wieder tauchen vor allem die Großeltern als Erklärung der Nadelkunst auf. Bei Pascal Kind, der zuletzt für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge arbeitete und bald studieren möchte, ist es ein Motiv auf seinem Arm, das ihn an seinen verstorbenen Großvater erinnert.

Bei Doro Heldt ist es die Quitte, die vom Quittenbaum im Garten der Großmutter abgeleitet ist, während bei der 30-jährigen Krankenpflegerin Lisa der Lieblingssong des Opas „Let it be“ auf dem Handgelenk prangt.

Bildlicher Lokalpatriotismus

Bei Werbetechniker Sven Roters (45) ist unter anderem eine Menge Lokalpatriotismus auf dem Körper. „Münster“ ist da zulesen und „Westfalen“. „Am häufigsten angesprochen werde ich aber darauf“, zeigt er auf die Worte „happy wife, happy life“.

Bei Feuerwehrmann Holger Engels findet sich auf dem rechten Arm ein großer Engel, während auf dem linken Poseidon prangt. Dazwischen reiten die apokalyptischen Reiter auf seiner Brust ein. Die Bedeutung dahinter? „Das hatte eher optische Gründe“, lächelt der gebürtige Rheinländer, der in Köln wohnt.

Tattoo-Messe in der Stadthalle Hiltrup

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  • Foto: Matthias Ahlke
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Das optische Empfinden, Erinnerungen an gute oder schlechte Zeiten, an liebgewonnene Menschen – Tattoos werden aus vielen Gründen gestochen. Manchmal auch einfach aus einer Schnapsidee heraus. Mit einem Grinsen zieht Pascal Kind den Saum seiner Badehose herunter. Eine kleine Badewanne ist da zu sehen. „Das habe ich mir gemeinsam mit vier Freunden stechen lassen. Jeder hat das gleiche Tattoo.“

Nur die Zahl der Tropfen variiere, um daran zu erinnern, in welcher Reihenfolge die Tattoos gestochen wurden, erklärt er. Warum ausgerechnet eine Badewanne? „Weil wir uns gerne mal volllaufen lassen.“

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