Baumschutzsatzung rückt näher
Umweltdezernent will einen Kursschwenk in Münsters Rathaus

Münster -

Jahrelang kam Münster ohne Baumschutzsatzung aus. Jetzt möchte der Umweltdezernent Matthias Peck nicht mehr darauf verzichten. Warum, das erklärt er auf Anfrage unserer Zeitung.

Donnerstag, 16.08.2018, 09:00 Uhr aktualisiert: 16.08.2018, 10:52 Uhr
Diese alte Platane im Kreuzviertel, ein Naturdenkmal inmitten eines Neubauprojektes, verdeutlicht den Zielkonflikt zwischen Wohnraumschaffung und Naturschutz. Mit einer Baumschutzsatzung will die Stadt in diesem Zusammenhang den Naturschutz stärken.
Diese alte Platane im Kreuzviertel, ein Naturdenkmal inmitten eines Neubauprojektes, verdeutlicht den Zielkonflikt zwischen Wohnraumschaffung und Naturschutz. Mit einer Baumschutzsatzung will die Stadt in diesem Zusammenhang den Naturschutz stärken. Foto: Oliver Werner

Über Jahrzehnte hinweg kam die Stadt Münster ohne eine Baumschutzsatzung aus. Doch jetzt steht eine Kehrtwende im Rathaus bevor. Münsters Umweltdezernent Matthias Peck (Grüne) erklärte am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung, dass er den Sachverhalt neu bewerte. „Wir müssen die Frage, wie wir Bäume am meisten schützen können, ganz neu stellen.“

Nur mit Genehmigung fällen

Zahlreiche Kommunen haben eine Baumschutzsatzung. Sie regelt, dass Bäume auf privaten Grundstücken nur mit Genehmigung der Stadt gefällt werden dürfen, sofern genau festgelegte Kriterien, etwa beim Stammumfang, erfüllt sind. Noch ist es laut Peck zu früh, um über die Details einer Baumschutzsatzung zu diskutierten. Auch ließ er im Gespräch mit unserer Zeitung keinen Zweifel daran, dass über deren Einführung im Rat entschieden werden müsse.

Gleichwohl hält es der Dezernent nicht für opportun, an der bisherigen, sehr liberalen Regelung in Münster festzuhalten.

Bedeutend für das Stadtklima

Die zurückliegende Hitzeperiode und der absehbare Klimawandel habe noch einmal eindrücklich vor Augen geführt, „welch wichtige Bedeutung große und ausgewachsene Bäume für das Stadtklima haben“. Diese Bedeutung habe noch einmal zugenommen, da vermutlich viele Bäume die zurückliegenden Wochen nicht überstanden hätten und vermutlich Tausende Jungbäume abgestorben seien.

Nabu fordert erneut Baumschutzsatzung

Erst jüngst hatte der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) in Münster, Peter Hlubek, seine Forderung nach einer Baumschutzsatzung in einem Brief an die Parteien erneuert.

Nach seinen Beobachtungen haben Baumfällaktionen in Münster deutlich zugenommen. Seit Jahresbeginn gehe „eine Flut an Anfragen“ in dieser Angelegenheit beim Nabu ein.

Als Beispiele führte er Baumfällaktionen unter anderem im Zusammenhang mit „Nachverdichtungen“ an: etwa am Erlenbusch, an der Ecke Gremmendorfer Weg/Angelmodder Weg, am Gescherweg in Gievenbeck, am Coesfelder Kreuz sowie auf dem Vereinsgelände des SC Münster 08.

Wohnungsbau erhöht Druck

Noch in den 1990er-Jahren hatte sich die Stadt mit den Umweltverbänden darauf verständigt, keine Baumschutzsatzung einzuführen, dafür aber eine umfassende Info-Kampagne zu starten und zugleich dem städtischen Grünflächenamt zusätzliche Mittel für Baumanpflanzungen zur Verfügung zu stellen.

Doch der Leiter des Umwelt- und Grünflächenamtes, Heiner Bruns, räumte gegenüber unserer Zeitung ein, dass sich – auch als Folge der Wohnungsnot – eine neue Situation ergeben habe. Der Druck der Investoren, mit dem Ziel des Wohnungsbaus Bäume fällen zu dürfen, sei gestiegen. Eine Baumschutzsatzung könne an dieser Stelle ein geordnetes Verfahren ermöglichen.

Personal erforderlich

Dezernent und Amtsleiter betonten übereinstimmend, dass die Einführung einer Baumschutzsatzung nur sinnvoll sei, wenn der Rat auch das erforderliche Personal dafür zur Verfügung stelle.

Kommentar: Keine leichte Antwort

Ganz ehrlich: Über die Frage, ob eine Baumschutzsatzung nun mehr Vor- oder Nachteile hat, kann man lange nachdenken. Und jeder, der eine schnelle Antwort propagiert, verkennt vermutlich die Komplexität des Themas. Der Bau neuer Wohnungen, das darf man getrost ­sagen, wird durch eine Baumschutzsatzung nicht beschleunigt, denn die Liste der Genehmigungen, Restriktionen, Auflagen und Vorgaben wird damit noch etwas länger. Noch ein Punkt mehr ist zu klären, bevor es ­losgehen kann. Auf der anderen Seite muss aber auch die Frage erlaubt sein, ob die Bauoffensive der vergangenen Jahre, insbesondere in den verdichteten Bereichen, den Quartieren nicht mehr geschadet hat, als viele wahrhaben wollen. Ist eine Fläche einmal versiegelt, kann man ­keinen Baum mehr pflanzen. Es deutet sich ein Zielkonflikt an, dem sich die viel ­zitierte „wachsende Stadt“ in aller Offenheit stellen muss. Die Debatte ist eröffnet.

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