West-Östlicher Diwan in Münster
Austausch zu Füßen zweier Dichtergrößen

Münster -

In vier Wochen, so schwebt es Initiator Thomas Nufer vor, sollen sich Menschen aus zwei Kulturkreisen – deutsch-westfälisch und arabisch-persisch – zum „West-Östlichen Diwan“ auf dem Domplatz niederlassen. Damit sie das tun können, sammelt der münsterische Aktionskünstler, mit Hilfe der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM), zurzeit Teppiche, auf denen diese Zusammenkunft nach arabischem Vorbild stattfinden soll.

Freitag, 17.08.2018, 16:48 Uhr
Thomas Nufer (r.) und der afghanische Künstler Omar Ayobi vor dem Container an der Rösnerstraße. Dort können Teppichspenden für den „West-Östlichen Diwan“ abgegeben werden.
Thomas Nufer (r.) und der afghanische Künstler Omar Ayobi vor dem Container an der Rösnerstraße. Dort können Teppichspenden für den „West-Östlichen Diwan“ abgegeben werden. Foto: Manuela Feldkamp

An der Rösnerstraße 10, wo die AWM ihre Zentrale hat, steht zu diesem Zweck seit einigen Tagen ein Container, in den Teppichspender ihre Bodengabe versenken können. Bis zum 13. September, so Thomas Nufer, können Teppiche abgegeben werden. Sie sollten eine Mindestgröße von 1,50 Meter mal 2 Meter haben und nicht nagelneu sein, denn eine Rückgabe, so Thomas Nufer, könne aus logistischen Gründen nicht garantiert werden.

„Alte Teppiche gegen neue Kunst“ ist nicht nur die Devise der Nuferschen Kunstaktion. Wer seine Teppich-Spende zudem mit seiner Adresse versieht (am besten angetackert!), nimmt laut Nufer auch automatisch an einer Verlosung teil. Der Hauptgewinn ist eine Original-Grafik des afghanischen Illustrators und Kalligraphen Omar Ayobi, die dieser beim „West-Östlichen Diwan“ anfertigen wird.

Dieses multikulturelle Zusammentreffen soll am 15. und 16. September auf dem Domplatz stattfinden und Johann Wolfgang von Goethes These untermauern, wonach Orient und Okzident nicht mehr zu trennen sind. Die Idee zu dieser Aktion hatte Nufer, als er einst den Marktplatz Djemaa el-Fna in Marrakesch besuchte, der im Jahr 2001 als erster Ort in die Unesco-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen wurde. „Dort versammeln sich täglich Erzähler, Handwerker, Künstler und Gastronomen, um Menschen verschiedener Herkunft zusammenzuführen“, heißt es auf Nufers Internetseite.

Und so soll es im September auch in Münster geschehen, wenn Nufers „West-Östlicher Diwan“, benannt nach Goethes Gedichtsammlung, Realität wird. Oud- und Darbukkaspieler treffen dann auf einen Männergesangsverein, Falafel trifft auf Grünkohl, die Migranten-Comedy auf eine orientalische Doppelkopfrunde. Geschehen wird all dies und mehr unter den Augen von Dichterfürst Goethe und seinem persischen Kollegen Hafez. Sie werden als Großskulpturen den optischen Mittelpunkt des mit Teppichen ausgelegten Domplatzes bilden und den Austausch zu ihren Füßen beobachten. 

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