Pro & Contra
Braucht Münster eine Baumschutzsatzung?

Münster -

Der Umweltdezernent der Stadt, Matthias Peck, ist offen für eine Baumschutzsatzung. Sollte die Politik dem Votum zum Schutz der Natur folgen? Ein Pro und Contra.

Sonntag, 19.08.2018, 11:00 Uhr aktualisiert: 19.08.2018, 11:42 Uhr
Pro & Contra: Braucht Münster eine Baumschutzsatzung?
Stattlich: Die Platanen am Stadttheater. Foto: Oliver Werner

Pro: Bäume sind wichtig

Münster rettet gerne die Welt – geht allerdings nicht immer mit gutem Beispiel voran. Da werden Diskussionsabende der „Nord-Süd-Frage“ gewidmet – doch eine Baumschutzsatzung hat die Stadt, im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen, bislang nicht für nötig gehalten. Auf Privatgrundstücken können munter Bäume umgelegt werden – es sei denn, sie haben das Glück, zu den wenigen Naturdenkmälern zu gehören.

Dass plötzlich Grundstücke quasi über Nacht „nackt“ dastehen, ist eher Regel als Ausnahme – stehen doch Bäume ambitionierten Bauprojekten nicht selten im Weg. Dabei produzieren Bäume nicht nur Sauerstoff. Sie spenden Schatten, schlucken Lärm – und ja, sie sind an immer mehr Stellen oft das letzte Stück Natur.

Sie sind also erhaltenswert, und das nicht nur auf öffentlichem Grund. Eine Satzung mit Augenmaß ist daher dringend erforderlich. Dass die Stadt das letzte Wort hat, wenn markante, große Bäume (und nur um die geht es) fallen sollen, ist keine Gängelung – sondern in Zeiten des Klimawandels schlichtweg alternativlos. Martin Kalitschke

Contra: Schützt eine Satzung?

Zugegeben: Dieser Hitzesommer macht es einem nicht leicht, gegen eine Baumschutzsatzung zu plädieren, zumal dann, wenn sich die Zahl der Pro- und Contra-Argumente vermutlich so ziemlich die Waage hält.

Aber in der komplizierten Abwägung aller Faktoren, die die Stadtgestaltung in Münster ohnehin so kompliziert machen, gibt es einen Faktor, der noch schwerer wiegt als der Schutz der Bäume – und zwar der Schutz der Menschen vor Wohnungslosigkeit.

Es wäre eine Illusion zu glauben, man könne eine Baumschutzsatzung mit all ihren bürokratischen Folgewirkungen umsetzen, ohne dass sich daraus nicht eine Bremswirkung beim Wohnungsbau ergibt. Behördlichen Prüfungen, politische Entscheidungen und vielleicht sogar Rechtsstreitigkeiten wären die Folge.

Es ist fast schon eine Tragik, dass sich die Wohnungsnot wie ein Querschnittsproblem durch alle Bereiche des Lebens zieht. Aber sie muss beseitigt werden. Ja, der Baumschutz ist wichtig. Aber wenn es eben geht, dann außerhalb des starren Korsetts einer Satzung. Klaus Baumeister

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Diese alte Platane im Kreuzviertel, ein Naturdenkmal inmitten eines Neubauprojektes, verdeutlicht den Zielkonflikt zwischen Wohnraumschaffung und Naturschutz. Mit einer Baumschutzsatzung will die Stadt in diesem Zusammenhang den Naturschutz stärken. Foto: Oliver Werner

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