Mo., 20.08.2018

Nach dem Fischsterben im Aasee Kippt jetzt auch der Hiltruper See?

Seit Wochen können die Segler auf dem Hiltruper See nicht mehr mit ihren Booten ablegen.

Seit Wochen können die Segler auf dem Hiltruper See nicht mehr mit ihren Booten ablegen. Foto: Michael Grottendieck

Münster - 

Umweltprobleme an Münsters Seen bewegen im Hitzesommer 2018 die Menschen ganz massiv. Während nach dem dramatischen Fischsterben im Aasee noch immer die Schuldfrage diskutiert wird, entpuppt sich auch der Hiltruper See als Sorgenkind.

Von Michael Grottendieck, Klaus Baumeister

Dort hat sich die sogenannte Wasserpest (Elodea) so stark ausgebreitet, dass die Segler mit ihren Booten nicht mehr ablegen können. Es ist der dritte Sommer in Folge, dass der Hiltruper Segelclub auf andere Gewässer ausweichen muss.

Ist der Hiltruper See der nächste in Münster, der vom „Umkippen“ bedroht ist? Die Stadtverwaltung ist bei der Antwort auffällig zurückhaltend: Vier Wochen lang wurden am Hiltruper See keine Messungen vorgenommen. Urlaubszeit und Noteinsatz am Aasee seien die Gründe dafür gewesen, heißt es.

Mitteilung des Düsseldorfer Umweltministeriums

Die Elodea sei ökologisch keineswegs unbedenklich, sagt Lutz Hirschmann von der Unteren Wasserbehörde. Sie treibe beispielsweise den pH-Wert des Wassers in die Höhe. Ein hoher pH-Wert ist Gift für die Fische. Darüber hinaus könnte die Wasserpest die Bekämpfung der Blaualgen erschweren.

Fotostrecke: Fischsterben im Aasee

Unterdessen wirft ein weiterer Vorgang neue Fragen auf: So hat das Düsseldorfer Umweltministerium bereits am 27. Juli, also knapp zwei Wochen vor der Katastrophe im Aasee, in einer Mitteilung auf absehbare Probleme für die Fischbestände hingewiesen hatte: „Sollte sich die Hitzewetterlage in den kommenden Tagen fortsetzen, kann ein Fischsterben in Nordrhein-Westfalens Bächen und Flüssen nicht mehr ausgeschlossen werden.“ Auch bei Niederschlägen sei keine Entwarnung in Sicht, eher seien „lokale Fischsterben zu befürchten“.

Absinken des Sauerstoffgehaltes nicht vorhersehbar

Münsters Umweltdezernent Matthias Peck hat die Pressemitteilung des Ministeriums nach eigenem Bekunden seinerzeit nicht mitbekommen, weil er sich im Urlaub befand. Ungeachtet dessen enthalte sie keine Information, die der Stadtverwaltung nicht schon bekannt gewesen sei. „Es hätte keiner weiteren Sensibilisierung bedurft, denn wir waren sensibilisiert.“ Das kurzfristige, dramatische Absinken des Sauerstoffgehaltes sei nicht vorhersehbar gewesen. Kritiker indes meinen, dass das Umweltamt vorsorglich hätte Sauerstoff in den See pumpen müssen.

Die Kreisgruppe Münster des Bundes für Umwelt und Naturschutz. schreibt zum Fischsterben: „Wie schnell das alles ging, hat uns zutiefst erschreckt – ebenso aber auch, wie unbeholfen und langsam die Stadt Notmaßnahmen einleitete“.  



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5989127?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F