Sa., 25.08.2018

Biologe hat noch viele Fragen Aufklärung des Fischsterbens im Aasee

Lothar Bindewald unterrichtete viele Jahre am Pascal-Gymnasium Biologie. Mit dem Fischsterben im Aasee hat er sich intensiv beschäftigt und noch viele Fragen an die Stadtverwaltung.

Lothar Bindewald unterrichtete viele Jahre am Pascal-Gymnasium Biologie. Mit dem Fischsterben im Aasee hat er sich intensiv beschäftigt und noch viele Fragen an die Stadtverwaltung. Foto: kb

Münster - 

Der Biologe Lothar Bindewald, der sich intensiv mit Gewässerökologie beschäftigt, bietet an, in der Task-Force-Gruppe mitzuarbeiten, die die Stadt zur Aufklärung des Fischsterbens im Aasee angekündigt hat.

Von Klaus Baumeister

Kurz nach dem Fischsterben im Aasee kündigte Oberbürgermeister Markus Lewe an, eine „Task Force“ zur Aufklärung des Umweltdesasters ins Leben zu rufen. Lothar Bindewald gehört zu den Menschen, die bei dieser Aufklärungsarbeit gerne mitarbeiten möchten.

Sollte Lewe auf dieses Angebot eingehen, muss er aber mit einer kritischen Stimme rechnen, denn im Gespräch mit unserer Zeitung widerspricht Bindewald der Einschätzung des münsterischen Umweltdezernenten Matthias Peck, wonach das Massensterben „unvorhersehbar und unvermeidbar“ gewesen sei.

Vor wenigen Wochen wurde der 63-jährige, langjährige Biologielehrer am Pascal-Gymnasium pensioniert. Sein Steckenpferd war und ist das „Ökosystem See“, wie er erzählt. Bei vielen Exkursionen zum „Heiligen Meer“ bei Hopsten habe er sich mit der Frage beschäftigt, wie Messungen aussehen müssen, damit man die Qualität eines Gewässers gut einschätzen kann.

Sauerstoff nachts niedriger

Auf Anfrage unserer Zeitung hat die Stadt Münster mitgeteilt, dass in den Wochen vor dem Fischsterben am 9. August auch nachts gemessen wurde. Das ist wichtig, weil nachts der Sauerstoffgehalt niedriger ist als tagsüber, die Gefahr für Fische also größer. Lothar Bindewald würde darüber hinaus auch gerne wissen, in welcher Tiefe gemessen worden sei. Nur in tieferen Wasserschichten, so seine Erfahrung, erhalte man aussagekräftige Ergebnisse.

Fotostrecke: 45 000 Liter Wasser pro Minute

Nicht verstehen kann der münsterische Biologe, warum das Umweltamt die Bildung großer Algenteppiche im See im Vorfeld des Fischsterbens nicht zum Anlass genommen habe, um eine Belüftung des Sees durchzuführen. Unmittelbar nach dem Fischsterben sei damit ja begonnen worden.

Algenteppiche seien klares Indiz

Algenteppiche seien – in Verbindung mit hohen Wassertemperaturen – ein klares Indiz dafür, dass der Sauerstoffgehalt in der Folgezeit einen für Fische möglicherweise kritischen Wert erreichen könne. Der Grund, so Bindewald: Bei großen und dichten Algenteppichen dringe kein Licht mehr in die unteren Schichten. Die dort befindlichen Algen würden absterben, was wiederum Sauerstoff binde und den Sauerstoffgehalt senke.

Der Pensionär, der selbst in seinem Garten einen Teich hat, widerspricht der Einschätzung der Stadt, dass es in der Hochphase der Hitzewelle keine Möglichkeit gegeben habe, vorsorglich zum Schutz der Fische etwas zu unternehmen.

"Sauerstoffinseln" und Frischwasser

„Sauerstoffinseln“ seien ein probates Mittel. Sie hätten zwar nur eine räumlich begrenzte Wirkung, böten sich aber als Zufluchtsorge für Fische an.

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Darüber hinaus sei die Zufuhr von Frischwasser in Notsituationen wichtig. Dabei gehe es nicht primär darum, die Wassertemperatur zu senken, sondern vor allem darum, den Aasee (ein Stausee) zu „spülen“ und durch die damit verbundenen Wasserbewegungen die Anreicherung mit Giftstoffen zu verhindern.

Der Aasee ist ein kompliziertes Gewässer und hat schon viele Krisensituationen erlebt. Trotz aller inzwischen bekannt gewordenen Ursachen wird auch in Expertenkreisen immer noch darüber gerätselt, warum es gerade in diesem Sommer zu diesen katastrophalen Auswirkungen kam.

Münsteraner stellt "Hypothese" auf

Der Münsteraner hat dafür eine „Hypothese“, über die er gerne einmal mit anderen Experten sprechen würde, etwa in der „Task-Force“: Fische sind wechselwarme Tiere, deren Stoffwechsel sich an die Temperatur anpasst. Allgemein bekannt sei, „dass sich bei einer Erwärmung um zehn Grad die Stoffwechseltätigkeit verdoppelt“. Ein erhöhter Stoffwechsel über einen längeren Zeitraum führe zu einem „Energiedefizit“ und das wiederum zu Trägheit – auch bei der Nahrungsbeschaffung.

Die These von Bindewald mit anderen Worten: In dem Moment, als der Sauerstoffmangel die Fische in akuten Stress versetzte, waren sie laut Bindewald vermutlich auch noch unterernährt.

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