Sa., 25.08.2018

Fischsterben im Aasee Jetzt ist unabhängige Aufklärung gefragt

Eimerweise wurden die toten Fische Anfang August aus dem Aasee geholt.

Eimerweise wurden die toten Fische Anfang August aus dem Aasee geholt. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Das Fischsterben im Aasee ist eine der größten ökologischen Katastrophen in der langen Stadtgeschichte Münsters. In weiten Teilen der Bevölkerung herrschen Wut, Unverständnis und Kopfschütteln. Die Unabhängigkeit der vom Oberbürgermeister angekündigte „Task-Force“ wird bezweifelt. Zu Recht. Ein Kommentar.

Von Dirk Anger

Eine der größten ökologischen Katastrophen in der langen Stadtgeschichte Münsters beschäftigt nach gut zwei Wochen die Bürger immer noch intensiv – zumal in dieser Woche erneut Alarm an dem Krisen-Gewässer herrschte. Ein nächtliches Eingreifen der Feuerwehr wurde veranlasst.

Wut, Unverständnis und Kopfschütteln herrschen dagegen in weiten Teilen der Bevölkerung über das, was sich am 9. August am Aasee Schlimmes ereignet hat, als rund 20 Tonnen Fisch um Sauerstoff japsend verendet sind. Viele Fragen rund um diese Umwelt-Tragödie sind offen. Und es werden eher mehr als weniger, die sich an die Stadtverwaltung, aber auch an den Angelverein, der das Gewässer nutzt, richten.

Fotostrecke: Fischsterben im Aasee

Nicht gerade vertrauensbildend

Doch die vom Oberbürgermeister angekündigte Aufklärung des zigtausendfachen Fischsterbens mittels einer bedeutungsschwer so bezeichneten „Task-Force“ steht von Anfang an unter einem unglücklichen Stern. Denn dass ausgerechnet die eigene Umweltverwaltung mit in die Aufklärer-Rolle schlüpfen soll, wirkt nicht gerade vertrauensbildend, selbst wenn externe Fachleute das Gremium ergänzen sollen.

Schließlich hat das zuständige Landesministerium schon Ende Juli vor einem Szenario wie am Aasee gewarnt. Und erst seit dieser GAU in Münster eingetreten ist, lässt die Umweltverwaltung die Sauerstoffwerte des Gewässers kontinuierlich automatisch messen und überwachen, wie sie sagt.

Im Stil eines Theologen

Dass der Umweltdezernent Matthias Peck angesichts der bohrenden Fragen der Öffentlichkeit die Schuldfrage im Stil eines Theologen („Jeder, der ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein“) beantwortet, verschärft Zweifel, ob das Interesse an einer rückhaltlosen Offenlegung der Umstände, die zu dieser Katastrophe geführt haben, besteht. Zumal der Dezernent, der auf dem Ticket der Grünen ins Amt kam, schon in der Vergangenheit eher mal mauerte, als sich sachlicher Kritik an Plänen seines Hauses zu stellen; erinnert sei an die Kritik der Bezirksregierung am damaligen Lärmaktionsplan, die erst auf Nachfragen öffentlich eingeräumt wurde.

Lewe in der Pflicht

Der Oberbürgermeister, der einst die Türen des Rathauses weit öffnen wollte, hätte gut daran getan, eine unabhängige Kommission diese bundesweit beachtete Sommer-Katastrophe untersuchen zu lassen. Aufgrund solcher Ergebnisse hätten sich die anschließenden Fragen von Schuld, Verantwortung oder Versäumnissen weitgehend objektiv und ohne Misstrauen klären lassen.

Der jetzt eingeschlagene Weg birgt die Gefahr, dass das ökologische Desaster mit den sich abzeichnenden politischen Wellen auch Markus Lewe erfassen könnte. Denn wenn am Ende der Aufarbeitung offene Fragen und Unklarheiten bleiben, ist das unweigerlich mit seinem Namen verbunden. Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe dürfte der Chef der Stadtverwaltung öffentlich dann nicht so vergleichsweise ungeschoren davon kommen wie eine in Sachen Aasee eher unkundig wirkende Landesumweltministerin anlässlich ihrer jüngsten Bio-Werbetour durch Münster.

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