Mi., 29.08.2018

Ratsfraktionen arbeiten das Fischsterben auf Mehr Fragen als Antworten

Vieles deutet darauf hin, dass die Stadt künftig bei Krisen im Aasee schneller als bisher auf eine Sauerstoffzufuhr setzen wird. Hier pumpt die Feuerwehr Emsdetten Wasser in den See.

Vieles deutet darauf hin, dass die Stadt künftig bei Krisen im Aasee schneller als bisher auf eine Sauerstoffzufuhr setzen wird. Hier pumpt die Feuerwehr Emsdetten Wasser in den See. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Zwei Stunden lang sprach die Spitze der Stadtverwaltung mit Vertretern der Ratsparteien über das Fischsterben im Aasee. Trotzdem tappt man noch, wie zu hören ist, bei der Ursachenerforschung im Dunkeln.

Von Klaus Baumeister

„Es gibt mehr Fragen als Antworten.“ Mit diesen Worten kommentierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Weber am Dienstag den aktuellen Stand der Ursachenforschung für das dramatische Fischsterben im Aasee. Rund zwei Stunden lang informierte die Stadtverwaltung unter Leitung von Stadtdirektor Thomas Paal und Umweltdezernent Matthias Peck die Spitzen der Ratsfraktionen am Montagabend über den Stand der Dinge.

Dabei wurde bekannt, dass die Stadt zur Aufklärung des Sachverhaltes nicht länger eine „ Task Force“ einrichten möchte, sondern „nur“ einen Runden Tisch. Er tagt am heutigen Mittwoch zum ersten Mal.

„Alle wichtigen Fragen wurden nicht beantwortet“, bewertete der Linke Rüdiger Sagel das Treffen, die Stadt tappe bei der Ursachenforschung „im Dunkeln“. Auch für den SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung verlief das Gespräch nach eigenem Bekunden unbefriedigend: „Es gibt bislang keine Klärung des Sachverhalts.“

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Der Aasee ist nicht der einzige See in NRW. Aber ein solches Desaster hat sich nirgendwo anders ereignet.

Rüdiger Sagel

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Vor allem treibt ihn die Frage um, warum andere Städte besser durch den Hitzesommer gekommen sind: „Der Aasee ist nicht der einzige See in NRW. Aber ein solches Desaster hat sich nirgendwo anders ereignet.“

Fotostrecke: Reaktionen zum Aasee: Hafengeruch und Unverständnis

Der Wunsch von einem geretteten See

Ganz anders bewertete Bürgermeister Gerhard Joksch von den Grünen den Sachverhalt. Die unvorteilhaften Rahmenbedingungen am Aasee (zu flach, zu geringer Wasserzufluss, hoher Nährstoffeintrag) und der Klimawandel ließen Schlimmes befürchten: „Die Vorstellung, wir könnten den See wieder gesund bekommen, ist weg“, zeigte er sich nach dem Gespräch desillusioniert. „Die Probleme sind zu groß geworden.“

Als früherer Stadtbaurat wurde Joksch im Hitzesommer 2003 mit den Problemen des Aasees konfrontiert, aber auch verglichen mit damals habe sich die Situation verschlechtert, meinte er. Allenfalls punktuell könne die Stadt „Feuerwehr spielen“ und Sauerstoff in den See pumpen. Sich davon aber eine Rettung des Sees zu versprechen, sei ein „frommer Wunsch“.

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Die Vorstellung, wir könnten den See wieder gesund bekommen, ist weg.

Gerhard Joksch

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Gleichwohl sind diese Feuerwehr-Maßnahmen wohl Konsens bei den Kommunalpolitikern. Nach Auskunft von Weber herrschte jedenfalls Einvernehmen, eine derart zugespitzte Krise nicht noch einmal erleben zu wollen.

Geblieben ist derweil das Misstrauen vieler Ratsmitglieder gegenüber der Stadtverwaltung. So forderte der FDP-Ratsherr Hans Varnhagen eine „vorbehaltlose Aufklärung des Geschehens durch unabhängige Wissenschaftler“.



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