So., 02.09.2018

Dirk Wernicke kündigt Abschied an Stadtwerke-Chef zieht Reißleine

Dr. Dirk Wernicke, technischer Geschäftsführer

Dr. Dirk Wernicke, technischer Geschäftsführer Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Politisch war das Eis bereits dünn, jetzt zieht Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Dirk Wernicke die Reißleine. Er steht für eine weitere Amtszeit über das Jahr 2019 hinaus nicht zur Verfügung. Das hat Wernicke am Wochenende dem Aufsichtsratschef geschrieben.

Von Ralf Repöhler

Politisch wurde das Eis in den letzten Wochen immer dünner für eine anstehende Vertragsverlängerung. Jetzt hat der technische Geschäftsführer der Stadtwerke Münster, Dr. Dirk Wernicke, nach nur fünf Jahren im Amt selbst die Konsequenzen gezogen.

Keine weitere Amtszeit "in dieser Konstellation" 

In einem internen Schreiben an den Aufsichtsratsvorsitzenden Alfons Reinkemeier, das die Aufsichtsratsmitglieder und der Oberbürgermeister zur Kenntnis bekommen haben, teilt Wernicke am Freitag mit, dass er – „in dieser Konstellation“ – nach dem Ende seines laufenden Anstellungsvertrages am 31. August 2019 für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung stehe.

Wernicke bedauert diesen Schritt angesichts seiner „tiefen Verbundenheit zur Stadt Münster und ihren Stadtwerken“, sieht aber für sich hier keine dauerhafte berufliche Perspektive. Mit diesem Schreiben wolle er den Weg für einen personellen Neuanfang freimachen.

Die Vorgeschichte

Hintergrund sind die ewigen Kompetenz-Streitigkeiten mit dem gleichberechtigten kaufmännischen Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann, den Wernicke in seinem Schreiben namentlich nicht erwähnt, aber gleich an mehreren Stellen scharf angreift. „In der bisherigen Besetzung der Geschäftsführung sehe ich keinen Weg, wie die notwendige Modernisierung der Stadtwerke Münster erfolgreich auf den Weg gebracht werden kann“, schreibt Wernicke deutlich.

Auch wenn sich die Politik nun eigentlich erst nach den Sommerferien mit der Personalie Wernicke final befassen wollte, lag eine politische Mehrheit für eine anstehende Vertragsverlängerung offensichtlich in weiter Ferne. Weder bei der Personalkommission der Stadtwerke noch bei den großen Fraktionen verspürte Wernicke ausreichend Rückhalt.

Fünf Jahre im Amt

Nachdem der Vertrag mit dem vorherigen technischen Geschäftsführer Dr. Andreas Hoffknecht, der ebenfalls monatelange Kompetenzstreitigkeiten mit Müller-Tengelmann hatte, nicht verlängert worden war, hatte Wernicke im September 2014 die Nachfolge angetreten. Bei der erforderlichen Weiterentwicklung der Infrastruktur seien die Stadtwerke ein gutes Stück vorangekommen, so Wernicke.

Als Beispiele nennt er unter anderem fünf neue Windenergieanlagen in Münster und die Errichtung eines Elektrodenkessels am Hafen. Diese Fortschritte seien in der Geschäftsführung von einem kräftezehrenden und selten sachorientierten Ringen um jeden einzelnen Schritt voran begleitet worden, heißt es weiter.

Wernicke kritisiert mangelnde Modernisierung

Wernicke bemängelt, dass die strategisch dringend erforderliche Modernisierung des Geschäftsmodells der Stadtwerke Münster nicht gelungen sei. Das Stadtwerke-Schaufenster sei zwar hübsch dekoriert, in den Regalen lägen jedoch die Produkte der alten Energiewelt.

Für die Entwicklung der neuen Energiewelt aus Energiedienstleitungen und integrierten Energie- und Verkehrslösungen seien im Unternehmen alle Voraussetzungen vorhanden, bescheinigt Wernicke. Ihre Entwicklung erfordere jedoch eine enge Abstimmung und Zusammenarbeit der Geschäftsbereiche und der Geschäftsführer.

„Leider konnten wir für die Entwicklungsansätze und Initiativen, die wir aus dem technischen Geschäftsbereich auf den Weg gebracht haben, bei der kaufmännischen Geschäftsführung wenig bis keine Unterstützung für diese dringend notwendigen Veränderungen gewinnen“, bemängelt Wernicke Beharrungskräfte.

Kommentar

Wernicke verlässt die Stadtwerke: Abschied vor Abwahl

Die Bilanzzahlen der Stadtwerke sprechen in einem hart umkämpften Markt eigentlich für sich. Das städtische Unternehmen kann unter dem Strich mit der geschäftlichen Entwicklung zufrieden sein. Für sich spricht allerdings auch der schon jahrelange Streit zwischen den beiden Geschäftsführern.

Der eine, Dr. Dirk Wernicke, zieht die Konsequenzen. Der technische Geschäftsführer, dessen Vertrag ausläuft, kommt mit dem Verzicht auf eine zweite Amtszeit angesichts des fehlenden politischen Rückhalts einer öffentlichen Abwahl zuvor, wie sie sein Vorgänger, Dr. Andreas Hoffknecht, erleben musste. Dessen Vertrag war – ebenfalls nach jahrelangen Hahnenkämpfen mit dem gleichberechtigten kaufmännischen Geschäftsführer, Dr. Henning Müller-Tengelmann – nicht verlängert worden.

Wernickes Angriffe auf Müller-Tengelmann belegen erneut, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen den hochbezahlten Managern ist. Wernicke wird gehen – ob Müller-Tengelmann trotz seines fast noch fünf Jahre laufenden Vertrages nach dem peinlichen Affentheater bleiben kann, muss die Politik im Rahmen des eingeleiteten Struktur-Prozesses bei den Stadtwerken abwägen. (-rr-)

Mehr zum Thema



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6016745?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F