Mo., 03.09.2018

Durch die Nacht der Museen und Galerien Große Kunst, unsichtbare Sammler

Andreas Gattinger von der Galerie Ostendorff vor einem Gemälde von Norbert Tadeusz.

Zum ersten Mal präsentierte die Versicherung LVM ihre beeindruckende Kunstsammlung. Im "Kristall" am Kolde-Ring hängen unter anderem die "7 Masken" von Wiebke Sim. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

44 Museen und Galerien präsentierten sich am Samstag bis Mitternacht. Eindrücke eines Rundgangs durch die Nacht der Kunst und Kultur in Münster.

Von Martin Kalitschke

Schon spannend, wo in Münster so überall Kunst gezeigt oder gehandelt wird. Klar, im Landesmuseum am Domplatz und im Picasso-Museum zum Beispiel. Und klar, auch in den Galerien, an denen man im Laufe des Jahres immer mal wieder vorbeikommt – aber, Hand aufs Herz, eher selten oder vielleicht sogar nie reinschaut. Wie groß und wie vielfältig Münsters Kunst-Szene tatsächlich ist, wird erst so richtig bei der „Nacht der Museen und Galerien“ deutlich.

Der Erfinder

„Wir waren die ersten“, sagt Claus Steinrötter. Der Galerist sitzt auf einem Sofa, auf dem Tisch vor ihm liegen Tabletts mit Blätterteighäppchen, die darauf warten, von hungrigen Galerie-Besuchern geleert zu werden. „Wir“ – damit meint er Münster. 18 Jahre ist es her, dass hier zum ersten Mal eine „Nacht der Museen und Galerien“ stattfand. „Danach haben das dann andere Städte nachgemacht“, sagt Steinrötter und verfolgt aus dem Augenwinkel, vor welchen Bildern die Besucher stehen bleiben. Auch diesmal wird er wieder bis Mitternacht ausharren. „Wegen der tollen Gespräche, die sich jedes Jahr entwickeln.“

Der Künstler

Für Thomas Baumgärtel ist (fast) alles Banane. Der Kölner Künstler ist für seine Bananen-Graffiti weltweit bekannt. Das Guggenheim-Museum in New York, Tate Modern in London und und und - fast 5000 Bananen hat Baumgärtel rund um den Globus verteilt. Am Samstag wurden zwei Fassaden in Münster mit Schablone und Sprühdose bearbeitet. Mehr dazu hier.

Die Künstlerin

Anke Feuchtenberger lebt in Ost-Vorpommern, ihre Comic-Kunst ist in Paris, Tokyo und Rom zu sehen. Sie ist am Samstag ins Landesmuseum für Kunst und Kultur gekommen, um ihr neuestes Werk zu präsentieren: Einen aus 31 wabenförmigen Platten bestehenden Bildzyklus, der sich mit einem Flügelaltar aus dem Jahr 1470 auseinandersetzt. Die Auftragsarbeit wird dauerhaft im Landesmuseum hängen – direkt gegenüber vom Altar. „So ein großes Werk und daneben meine Comic-Kunst“, sagt sie, „ich bin total glücklich.“ Am Abend wird ihr Werk enthüllt – es dürfte sich zu einem Publikumsmagneten entwickeln.

Die Künstlergruppe

Die Künstlergemeinschaft nennt sich pArt96 und hat zum Glück einen roten Teppich vor die Tür gelegt. Sonst könnte man auch schnell an dem unscheinbaren Ladenlokal an der Bahnhofstraße vorbeilaufen. Die sieben Künstler haben ein Kunstwerk entworfen, das aus sieben Stelen besteht und den Frieden feiert. „Die Museumsnacht ist eine tolle Möglichkeit für unsere Gruppe, sich zu präsentieren“, sagt Elisabeth Flechtner und ergänzt: „Wir haben sogar einige Fans, die jedes Jahr zu uns kommen.“ Die Botschaft ist klar: Es gibt in Münster mehr als nur bedeutende Museen und wichtige Galerien.

Der Galerist

Es ist voll in der Galerie Ostendorff. Nur einen Steinwurf vom „Roten Platz“ entfernt, steuern viele Besucher in der Museumsnacht direkt das renommierte Haus am Prinzipalmarkt an. Geschäftsführer Andreas Gattinger steht am Eingang und wirkt zufrieden. Weil viele Besucher gekommen sind. „Vor allem aber, weil wir zum ersten Mal in Münster Norbert Tadeusz präsentieren können.“ Eine Galerie verkauft Kunst, „doch in dieser Nacht geht es nur um den Künstler“, versichert Gattinger.

Die Museumsaufsicht

„Die erste Etage ist voll, gehen sie am Besten zuerst in die zweite.“ Diesen Satz sagt Susanne Kruse pro Minute gleich mehrfach. Sie arbeitet in der Museumsnacht als Aufsicht im Picasso-Museum, wieder einmal. „Es kommen auch viele Leute, die sich nicht für Kunst interessieren“, hat sie in den vergangenen Jahren festgestellt. „Aber sie fragen viel nach, und manche erkundigen sich nachher, welche Ausstellung wir als nächstes zeigen.“ Damit hat die „Nacht der Museen und Galerien“ offenbar einen ihrer Hauptzwecke erfüllt.

Die Aktivisten

Sie kämpfen dafür, dass der Eisenman-Brunnen nach Münster zurückkommt. Um das Geld zusammenzubekommen, verkauft die Initiative „Dein Brunnen für Münster“ im Rathausinnenhof Lose. „So viele Kunstinteressierte auf einmal“, sagt Soetkin Stiegemeier-Oehlen, „für unsere Kampagne ist das hier das wichtigste Event“. Und ja, je mehr Wein die Besucher getrunken haben, umso leichter sei es, Lose zu verkaufen.

Die Sammler

Schwer zu erkennen. Fallen nicht weiter auf, könnten auch ganz normale Schauraum-Besucher sein. „Sie tragen kein Schild um den Hals“, sagt ein Galerist. Ein anderer berichtet, dass es für ein ziemlich teures Gemälde schon zwei Interessenten gebe. „Nächste Woche machen wir Termine für eine Probehängung aus.“

Fotostrecke: Schauraum 2018: Die Highlights vom Samstagabend

Die Besucher

Michael Thelen und Franz-Josef Walther sind mit ihren Frauen extra für die Museumsnacht aus Bottrop angereist. „Zum ersten Mal“, sagen sie. „Und nächstes Jahr kommen wir wieder.“

Kommentar: Die richtige Mischung

Nicht nur mit Blick auf die Besucherzahlen waren Schauraum-Wochenende und „Nacht der Museen und Galerien“ wieder mal ein voller Erfolg. Den Organisatoren ist es gelungen, eine seit fast zwei Jahrzehnte bestehende Veranstaltung mit neuen Angeboten aufzufrischen.Im Landesmuseum wurde ein spannender Dialog zwischen mittelalterlicher Kunst und Comic-Kunst präsentiert, der LVM zeigte seine Sammlung erstmals der Öffentlichkeit, ein international bekannter Künstler sorgte mit Graffiti-Bananen für Aufsehen: Wer so viel Neues bietet, muss keine Sorgen haben, dass diese Veranstaltung auch in den kommenden Jahren funktionieren wird. Der „Rote Platz“ mit seinen – immer wieder neuen – Lichtinstallationen sowie die Opernarien am Erbdrostenhof sind ohnehin Selbstläufer.Diese Mischung aus Altbewährtem und Neuem, an der auch die Kaufleute in der Innenstadt entscheidenden Anteil haben, macht den Reiz des Schauraums aus. Einer Veranstaltung, die eher leise daherkommt und gerade deshalb eine seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten beständig große Anhängerschaft hat.Anfang September 2019 findet der nächste Schauraum statt. Es gibt viele Gründe, sich schon jetzt darauf zu freuen.

- Martin Kalitschke



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