Mo., 03.09.2018

Künstler sprayt Bananen Für Thomas Baumgärtel ist (fast) alles Banane

Thomas Baumgärtel sprayte am Samstag Bananen an die Fassade von Kunstverein (Foto) sowie LVM.

Thomas Baumgärtel sprayte am Samstag Bananen an die Fassade von Kunstverein (Foto) sowie LVM. Foto: kal

Münster - 

Der „Bananensprayer“ war in der Stadt: Der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel hat am Samstag Bananen-Graffiti an die Fassade des Kunstvereins und des LVM gesprayt.

Von Martin Kalitschke

Er hat das New Yorker Guggenheim Museum besprüht und die Londoner Tate Modern. Er besprühte Kunstorte in Berlin und Bottrop, Palma und Paris, Wien und Wetzlar. Das Motiv war immer das gleiche: eine Banane.

Wer sich für Kunst interessiert, der kann ihr nicht entkommen. Der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel hat mittlerweile fast 5000 Bananen rund um den Globus verteilt. Die Zeiten, in denen er sich heimlich an Ikonen der Architekturgeschichte heranschlich, sind längst vorbei. Heute gilt es als Auszeichnung, wenn er eine Banane auf eine Fassade sprüht.

„Glücklich und stolz“ über Bananen-Graffiti

Seit dem Schauraum-Wochenende gibt es nun auch zwei Baumgärtel-Bananen in Münster. Am Samstagvormittag besprühte er die Fassade des Kunstvereins an der Rothenburg, am Samstagnachmittag den Eingangsbereich des LVM am Kolde-Ring. Über das ganz legale Graffiti sei man „glücklich und stolz“, lässt das Unternehmen danach verbreiten.

Seit 32 Jahren ist Baumgärtel inzwischen der „Bananensprayer“. „Die ersten zehn Jahre habe ich illegal gearbeitet, ich bin immer wieder verhaftet worden und landete im Gefängnis.“ Baumgärtel sprayte weiter, bis seine Banane zum inoffiziellen Logo der globalen Kunstwelt wurde. Längst hat er die Illegalität verlassen. Dass er vor ein paar Jahren sogar das Oberlandesgericht in Köln ganz offiziell mit einer Bananen versehen durfte, freut ihn diebisch.

Kunstverein und LVM haben ihn nicht gebeten, nach Münster zu kommen – er hat sich selbst für die beiden Orte entschieden. „Die Kunstsammlung LVM hat mich in ihrer Qualität überrascht. Es wird nicht nur junge Kunst gefördert, sondern auch internationale Kunst wunderbar präsentiert. Nach meinen Kriterien hat der Ort eine Spraybanane verdient“, sagt Baumgärtel.

Hawerkamp? „Das muss nicht sein“

Am Samstagvormittag schaut er auch kurz am Hawerkamp vorbei – doch der überzeugt ihn nicht. Seine Banane auf einem Gelände, „wo regelmäßig Bierflaschen zerdeppert werden, das muss nicht sein“, sagt Baumgärtel.

Am Kunstverein trifft er anschließend mit einem kleinen Koffer und einer Mappe ein. Im Koffer sind die Spraydosen, in der Mappe zwei Schablonen: eine für die gelbe Banane, eine für ihre schwarzen Konturen. Keine zwei Minuten dauert es, bis er die weltberühmte Banane neben den Eingang gesprüht hat.

„Auch nach 32 Jahren macht mir das immer noch Spaß“, sagt Baumgärtel, für den allerdings Bananen nicht alles sind: Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken – auch andere Techniken beherrscht er. Und auch wenn die Banane sein Lieblingsmotive ist – Baumgärtel hat auch schon Kunstwerke geschaffen, die ganz ohne Obst auskommen.

Fotostrecke: Schauraum 2018: Die Highlights vom Samstagabend



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