Schützenfest der Fahrlehrer
Eine Branche sucht Nachwuchs

Münster -

Münsters Fahrlehrer können nicht nur fahren lehren – sie können auch schießen. Jetzt trafen sie sich zum Schützenfest und machten bei der Gelegenheit Probleme in ihrer Branche aufmerksam.

Montag, 03.09.2018, 19:04 Uhr aktualisiert: 03.09.2018, 19:20 Uhr
Die Gruppe der Fahrlehrer hat ihren neuen Schützenkönig Jörg Jerzinowski in die Mitte genommen.
Die Gruppe der Fahrlehrer hat ihren neuen Schützenkönig Jörg Jerzinowski in die Mitte genommen. Foto: Björn Meyer

Diejenigen, die normalerweise auf Schulterblick, „rechts vor links“ und Lichtzeichenanlagen, im Volksmund Ampel genannt, achten, schauen an diesem Nachmittag gen Himmel. Münsters Fahrlehrer feiern Schützenfest am Restaurant „Zum Himmelreich“.

Alle zwei Jahre haben sie das seit Langem gemacht, mittlerweile möchten die Organisatoren die Veranstaltung jährlich durchführen. Natürlich, weil es schön ist, gemeinsam zu feiern, aber auch, weil es den Zusammenhalt stärkt. Denn Fahrlehrer, das ist nicht nur in Münster so, sind mittlerweile schwer zu finden.

„Es stimmt, wir sind auf der Suche nach Nachwuchs“, sagt Ulf Imort, Inhaber einer münsterischen Fahrschule. Neben ihm steht Heiner Große Westhues, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Münster. „Ich glaube, viele wissen gar nicht, wie abwechslungsreich unser Beruf ist“, sagt Große Westhues.

Sicherheit sei ein großes Thema, selbstverständlich, aber der Beruf sei längst nicht mehr so technisch, wie er einmal war: „Heute kommt es mehr auf das Pädagogische und auf das Didaktische an“, sagt Große Westhues. Denn einerseits seien Fahrzeuge heutzutage leichter zu bedienen als früher, andererseits gelte es sich eben den Bedingungen auf der Straße anzupassen. Und da, ergänzt Imort, gebe es häufig zu wenig Verständnis für den anderen. „Keiner hat scheinbar mehr Zeit. Sie brauchen doch nur zu schauen, wer beim Autofahren mal lächelt“, beschreibt der Experte die angespannte Situation auf den Straßen.

Wer in Münster seinen Führerschein machen will, der muss warten. Wer sich heute anmeldet, der könne in der Regel erst in einigen Monaten anfangen, sagt Imort. Einfach, weil es zu wenige Fahrlehrer gebe. Dabei sei der Beruf, abweichend von der öffentlichen Wahrnehmung, gesellschaftlich sehr wichtig. Eben gerade weil die Fahrlehrer in der Verantwortung stünden, ihren Kunden ein gebührendes Verhalten im Verkehr zu vermitteln.

Auch die Bezahlung sei „in Ordnung“, findet Imort. Verglichen mit früher ist es einfacher, in den Job zu gelangen, dennoch gibt es einige Hürden. 21 Jahre alt müsse man sein, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder zumindest ein Fachabitur nachweisen. Zudem müsse man mindestens drei Jahre im Besitz der Fahrerlaubnis B/BE sein, also Autoführerschein mit Anhänger, so Imort und Große Westhues.

Am frühen Abend fällt der Vogel. Jörg Jerzinowski hat den entscheidenden Schuss abgegeben. Schon zum zweiten Mal ist er König der Fahrlehrer. Schnell kommen die Kollegen zum Gratulieren. Danach wird gefeiert, auch ein Fahrlehrer darf eben mal ein Bier trinken.

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