Di., 04.09.2018

Stiftung möchte bauen – darf ab er nicht Streusiedlung soll nicht wachsen

Nördlich der Umgehungsbahn liegt die Fläche, die Klaus Bleckmann gern bebauen möchte, aber nicht bebauen darf.

Nördlich der Umgehungsbahn liegt die Fläche, die Klaus Bleckmann gern bebauen möchte, aber nicht bebauen darf. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Seit Jahren lehnt die Stadt eine bauliche Erweiterung der Wohnsiedlung am Lechtenbergweg ab, weil es eine Streusiedlung ist. Aber gilt diese Einschätzung auch in Zeiten der Wohnungsnot? Darüber wird jetzt diskutiert.

Von Klaus Baumeister

Klaus Bleckmann ist unzufrieden mit sich selbst und mit der von ihm gegründeten Münster-Stiftung. Ziel der Stiftung ist es, ohne Gewinnabsichten Wohnungen zu bauen und diese preiswert zu vermieten. „Die Nettokaltmiete soll unter acht Euro je Quadratmeter liegen“, verkündet er.

Sein Problem: Bislang kann die Stiftung keine Erfolge vorweisen. Selbstkritisch räumt der 76-jährige Unternehmer ein, dass er etwas zu gutgläubig an die ­Sache herangegangen sei. Manchmal indes fühlt er sich auch von der Stadt Münster ausgebremst, so am Lechtenbergweg, wo die Stiftung über ein 10 000 Qua­ dratmeter großes Grundstück verfüge, „das ich gerne bebauen will, aber nicht darf“.

Christopher Festersen, Leiter des Stadtplanungsamtes, bestätigt gegenüber unserer Zeitung die Absage und begründet sie damit, „dass die Fläche keinen unmittel­baren Anschluss an bestehende Wohnsiedlungsstrukturen signifikanter Größenordnung aufweist“. Darüber hinaus seien Nahversorgungsangebote und „soziale Infrastruktureinrichtungen“ zu weit entfernt, überdies spreche „die zu bewahrende Grünordnung in Münster“ gegen eine Be­bauung.

Die Argumentation liegt ungefähr auf der Ebene einer früheren Absage, als Anwohner des Wohnquartiers zwischen der Trauttmansdorffstraße und der Umgehungsbahn auf eine bauliche Ausweitung der Siedlung drängten. Das Stadtplanungsamt indes bewertete das Quartier als eine isoliert liegende Streusiedlung, die Erweiterung blieb aus.

Müssen solche Standards in Zeiten der Wohnungsnot nicht neu überdacht werden? Nach Ansicht von Frank Baumann und Ludger Steinmann, Planungspolitiker von CDU und SPD, spricht einiges dafür.

„Können wir uns noch den Luxus erlauben, Flächen einfach auszuschließen?“, fragt Steinmann. Zumal dann, wenn eine konkrete Investitionsabsicht für preiswertes Wohnen vorhanden sei.

Frank Baumann würde gern im Detail die Gründe erfahren, die gegen eine Bebauung sprechen. Spontan jedenfalls kommt er zu einer anderen Bewertung als die Stadtverwaltung: „Ich halte die Fläche für bebaubar.“

Sowohl Baumann als auch Steinmann verhehlen nicht, dass auch in Zeiten der ­Wohnungsnot jede Siedlungsentwicklung sorgfältig geplant werden müsse. Wohl aber müssten die Maßstäbe überprüft und die Ratsparteien eingebunden werden.

Steinmann jedenfalls hat Klaus Bleckmann eingeladen, sein Bauvorhaben der SPD-Ratsfraktion vorzustellen. Und die FDP-Fraktionschefin Carola Möllemann-Appelhoff macht den Vorschlag: „Lasst uns doch da­rüber im Planungsausschuss diskutieren“.



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