Mi., 05.09.2018

Erst Ende 2019 sollen neue Mieter einziehen Vier Jahre Leerstand in bester Wohnlage

Einen schönen Anblick bietet das Haus in der Beckstraße trotz der gefragten Wohnlage schon seit einigen Jahren nicht.

Einen schönen Anblick bietet das Haus in der Beckstraße trotz der gefragten Wohnlage schon seit einigen Jahren nicht. Foto: sch

Münster - 

Bei der aktuellen Wohnungsnot wundert es schon, dass ein Mehrfamilienhaus in bester Wohnlage seit Jahren leer steht. Wir haben nachgefragt, was dahintersteckt.

Von Björn Meyer

Eine Anwohnerin schaut auf das Grundstück Beckstraße 19 in der Aaseestadt und sagt: „Das ist der Traum der ganzen Straße.“ Dabei ist das Stück Land mit dem Fünf-Parteien-Haus darauf alles andere als in einem traumhaften Zustand. Das Gras steht kniehoch. Unkraut wächst über die Zuwegung und den Bürgersteig. In der Front ist ein großes Loch in der Verklinkerung. Müll und Prospekte liegen vor der Haustür. Was ist da los, in einer von Münsters begehrtesten Wohngegenden?

"Der Traum der ganzen Straße"

Das Haus ist laut Angaben der Kirchengemeinde St. Liudger seit 1983 im Besitz der Kirchengemeinde St. Stephanus. Seit 2014 beschäftigte sich der dortige Kirchenvorstand mit dem Gebäude. Das abgängige Mehrfamilienhaus in der Aaseestadt, so beschloss es der Kirchenvorstand 2015, sollte abgerissen und ein neues Gebäude errichtet werden.

Abriss oder Sanierung?

Doch sichtbar passiert ist seitdem nichts. Dafür gibt es verschiedene Gründe – der erste: Den Kirchenvorstand St. Stephanus gibt es nicht mehr. Im April 2016 war die Gemeinde St. Stephanus eine der vier Gemeinden, die zur Großgemeinde St. Liudger fusioniert wurden.

Neue Planung notwendig

Als der neue Kirchenvorstand gewahr wurde, dass das Projekt deutlich teurer werden würde, als in einer ursprünglichen Planung veranschlagt, entschied man sich, das Bauvorhaben noch einmal unter die Lupe zu nehmen. „Das Projekt hätte ja auch Auswirkungen auf das Budget des neuen Kirchenvorstandes gehabt“, sagt Pfarrer Timo Weissenberg, der seit Kurzem in St. Liudger für die Bauvorhaben zuständig ist. Das Ergebnis: Eine Sanierung des Gebäudes erwies sich nach einem neuen Gutachten als deutlich günstiger. Statt rund 1,3 Millionen Euro für einen Neubau sollte die Sanierung nur mit rund 850 000 Euro zu Buche schlagen – allerdings auch zehn Prozent weniger Wohnraum bringen.

Spärliche Pflege

Die Folge: Eine neue Planung musste her. Und das dauere eben bei einem Kirchenvorstand, der ehrenamtlich arbeite, nimmt Weissenberg die Mitglieder in Schutz. Immerhin dürfte auch der Gemeinde zu Ohren gekommen sein, das längst nicht alle Anwohner auf das Grundstück in ihrer Nachbarschaft, das laut einem Anwohner der Beckstraße alle paar Monate mal gepflegt werde, mit entsprechender Milde schauen.

Baugenehmigung liegt vor

Acht Monate habe es gedauert, bis die Baugenehmigung von der Stadt erteilt worden sei, so Weissenberg. Kürzlich sei diese eingegangen. Anfang 2019 soll mit der Sanierung begonnen werden. Für Oktober 2019 hoffe man auf die Fertigstellung. Es soll „günstiger Wohnraum geschaffen werden“, verspricht Weissenberg. Über vier Jahre wird das Haus dann in Zeiten akuter Wohnungsnot leergestanden haben.



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