Do., 06.09.2018

Provinzial-Fusion überrascht nicht Mitarbeiter fordern eine Standort- und Arbeitsplatz-Garantie

Mitarbeiter der Provinzial Nord-West diskutierten vor der Konzern-Zentrale die neuen Fusionsabsichten.

Mitarbeiter der Provinzial Nord-West diskutierten vor der Konzern-Zentrale die neuen Fusionsabsichten. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Es ist der mittlerweile fünfte Anlauf: Vielleicht reagieren deshalb die Mitarbeiter der Provinzial so gelassen auf die erneuten Fusionsabsichten. Sie wollen allerdings eine Standort- und Arbeitsplatz-Garantie.

Von Ralf Repöhler

Bei strahlendem Sonnenschein standen die Provinzial-Mitarbeiter in kleinen Grüppchen auf dem Parkplatz vor der Konzernzentrale. Auch in den Büros und auf den Fluren diskutierten viele die geplante Fusion zwischen der Provinzial Nord-West in Münster und der Provinzial Rheinland in Düsseldorf, die im kommenden Jahr über die Bühne gehen soll und die der Vorstand am frühen Mittwochnachmittag bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung skizziert hatte.

Vorstandsvorsitzender Dr. Wolfgang Breuer versuchte bei den Mitarbeitern im Betriebsrestaurant mit Zahlen dafür zu werben, dass ein mit dem Rheinland fusionierter Versicherungskonzern mit Hauptsitz in Münster zukunftssicher ist. So sei die neue Mega-Provinzial mit einem gemeinsamen Beitragsvolumen von fast sechs Milliarden Euro der größte öffentliche Komposit- und Lebensversicherer und insgesamt der sechstgrößte in Deutschland. „Wer soll da noch kommen?,“ hieß es.

Fusionsthema überrascht keinen mehr

Die Mitarbeiter nahmen es schweigend und überwiegend gelassen zur Kenntnis – was vor Jahren ganz anders war und sogar zu Demonstrationen unter anderem vor dem Landeshaus geführt hatte. Fragen wurden keine gestellt, als Breuer seinen Vortrag nach einer knappen halben Stunde beendete. Auf dem Parkplatz bescheinigten ihm Mitarbeiter Eloquenz.

Dass – nun im mittlerweile fünften Anlauf – das Fusionsthema erneut auftaucht, überrascht keinen mehr. Entscheidend ist für die Mitarbeiter eine Standort- und Arbeitsplatz-Garantie sowie dass Anteile des Konzerns nicht an private Unternehmen veräußert werden. All das soll nach Informationen unserer Zeitung im Rahmen des Fusionsprozesses berücksichtigt werden. Das fordert vor allem die Politik, was der frühere Aufsichtsratsvorsitzende, LWL-Direktor Matthias Löb, deutlich formuliert. Auch Oberbürgermeister Markus Lewe tritt entschieden dafür ein, dass Münster Hauptsitz und die Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Ziel: Fusion bis 31. August 2019

Die Steuerungsholding des fusionierten Provinzial-Konzerns soll in Münster sitzen. Deren zukünftig sechsköpfiger Vorstand soll sich aus drei Westfalen und drei Rheinländern zusammensetzen. Vorstandsvorsitzender soll Breuer werden. Dafür soll die Spitze des Schadens- und Unfallbereichs – das Kerngeschäft der Provinzial – nach Düsseldorf abwandern. Die Sachbearbeiter bleiben allerdings vor Ort.

Der Aufsichtsratsvorsitz geht für siebeneinhalb Jahre ins Rheinland. Dann soll alle zweieinhalb Jahre gewechselt werden. Der Aufsichtsrat soll sich aus zehn Arbeitnehmervertretern, fünf Westfalen und fünf Rheinländern zusammensetzen.

Ziel ist es, dass die Fusion zwischen Münster und Düsseldorf bis zum 31. August kommenden Jahres in trockenen Tüchern ist. Sie kann dann steuerlich rückwirkend noch zum 1. Januar 2019 gelten. Zunächst werden sich nun die Gremien der Anteilseigner mit der geplanten Fusion beschäftigen. Das soll bereits größtenteils im September geschehen.



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6029370?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F