Fr., 09.11.2018

Stadt Münster lässt Fichten fällen Angriff der Borkenkäfer

So sieht ein Stück Fichtenrinde aus der Hohen Ward aus, das von einem Borkenkäfer befallen wurde – der Baum hat keine Überlebenschance.

So sieht ein Stück Fichtenrinde aus der Hohen Ward aus, das von einem Borkenkäfer befallen wurde – der Baum hat keine Überlebenschance. Foto: Michael Grottendieck

Münster - 

Sie heißen „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“, sind aber nicht so harmlos wie ihr Name: Die beiden Borkenkäferarten sind derzeit in Münster unterwegs und schädigen vor allem Fichten.

Von Lukas Speckmann

Dem münsterischen Wald bleibt in diesem Jahr auch nichts erspart. Erst zog Orkan „Friederike“ eine Schneise der Verwüstung, dann machte sich die starke Trockenheit bemerkbar, die im Hochsommer von übergroßer Hitze verstärkt wurde – und jetzt schlägt der Borkenkäfer zu.

In Münster seien „Buch drucker“ und „Kupferstecher“ unterwegs, berichtet Franz-Josef Gövert vom städtischen Grünflächenamt. Der Große achtzähnige und der sechszähnige Fichtenborkenkäfer gelten als „Rindenbrüter“, weil sie die Rinde der Bäume besiedeln und sich vom saftreichen Bast­gewebe ernähren. Die be­fallenen Bäume überstehen das nicht, weil die Rinde ihre ­Lebensader ist. Es sind aber im Wesentlichen nur Fichten betroffen. Und die Fichte, betont Franz-Josef Gövert, sei im Stadtgebiet nicht sehr weit verbreitet. Grundsätzlich bemühe sich die Stadt, besonders anfällige Nadelbäume allgemach durch Laubbäume zu ersetzen.

In der Hohen Ward und im Boniburger Wald gibt es allerdings bedeutende Fichtenbestände. Es sind genau jene Waldflächen, die im Hochsommer am stärksten von einem Waldbrand bedroht wären. „Die befallenen Bäume sterben ab – das ist nicht umkehrbar“, sagt Gövert. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, sei es unumgänglich, die betroffenen Bäume zu fällen und das Holz aufzuarbeiten. Derzeit sind die städtischen Forstwirtschaftsmeister damit beschäftigt, rund 300 Festmeter Fichtenholz zu bearbeiten. Grob geschätzt: 500 bis 600 Bäume, die entweder schon gefällt sind oder noch gefällt werden müssen.

Borkenkäfer treten auch in Münster alle paar Jahre mal auf. Aber in diesem Jahr ist es, wie überall in Nordrhein-Westfalen, ganz besonders arg: „Das hängt mit ,Friederike’ zusammen“, sagt Gövert. Der Januarsturm hat gerade in der Hohen Ward viele Bäume niedergelegt – denn im Winter bieten Nadelbäume dem Wind eine leichte Angriffsfläche. Die umgestürzten Bäume wiederum bieten den Borkenkäfern geradezu ideale Brutbedingungen.

Die Stadt habe sich deshalb nach dem Sturm sehr bemüht, die Sturmschäden so rasch wie möglich zu beseitigen. Doch längst nicht alle Waldflächen im Stadtgebiet sind in städtischem Besitz – und nicht jeder Waldbesitzer verfügt ohne Weiteres über die Möglichkeit, seinen Bestand derart in Schuss zu halten. Ist der Borkenkäfer einmal drin, hat er leichtes Spiel. Durch den heißen und trockenen Sommer sind die Bäume so geschwächt, dass sie den Schädlingen nicht viel entgegenzusetzen haben. „Mit einer weiteren Ausbreitung ist zu rechnen“, meint Franz-Josef Gövert.



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