Fr., 07.09.2018

Kultur-Staatsministerin Monika Grütters zu Gast auf Gut Havichhorst „Das Netz geistiger Tankstellen erhalten“

Kultur-Staatsministerin Monika Grütters im Gespräch mit Matthias Bongard

Kultur-Staatsministerin Monika Grütters im Gespräch mit Matthias Bongard Foto: Gunnar A. Pier

Münster - 

„Fangt nicht an, an der Kultur zu sparen. Das ist das Kostbarste, was wir haben.“ Monika Grütters warb bei ihrem Gastspiel im Gut Havichhorst für Kunst, Theater und Musik. Ob sie nach ihrer Zeit als Kultur-Staatsministerin noch Ambitionen auf den Posten des Regierenden Bürgermeisters in Berlin hat, sagt sie natürlich nicht. Aber 2020, ein Jahr vor den Wahlen im Bund und in Berlin, werden die Karten natürlich neu gemischt.

Von unseremRedaktionsmitgliedJohannes Loy

Matthias Bongard freischaffender Frager, meist in Diensten des WDR, hatte sich recht langsam vorgetastet. Vom Elternhaus der Kultur-Staatsministerin Monika Grütters in Coerde („Mit der Blümchentapete im Kinderzimmer!“), über Marienschule, erste Party mit Paulinern, Junge Union, Abi und Studium. Endlich landete der gebürtige Iserlohner mit der westfälisch-kehligen Aussprache bei der Frage aller Fragen: Ob die 56-jährige Monika Grütters in ihrer Funktion als Berliner CDU-Landesvorsitzende demnächst als Spitzenkandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin antreten werde. „Da können Sie einen noch so petrolfarbenen Anzug anziehen. Das werden Sie nicht aus mir herauslocken“, war der gut gelaunte Gast beim Abend auf Gut Havichhorst auf solche Schliche gut vorbereitet.

Natürlich hat Monika Grütters das Jahr 2021 im Blick. Weil dann die Legislaturperiode im Bund endet und in Berlin, wo die CDU unter ihrer Führung neu Tritt fassen will, die Weichen gestellt werden. Dann könnte auch ihr mit der Kanzlerin eng verbundenes Amt als Kultur-Staatsministerin mit traumhaftem Büro im achten Stock des Kanzleramts enden. Also müsse sie sich 2020 entscheiden, wie es weitergehe. Punkt.

Bis zu dieser Schlüsselfrage zur Karriereplanung der Münsteranerin und auch danach hatten die gut 100 Gäste auf Einladung der Stiftung Westfälische Landschaft beileibe nicht den Eindruck, dass Grütters amtsmüde oder auf ein neues Amt erpicht sei. Im Gegenteil. Geradezu begeistert und mit Leuchtkraft berichtete sie im fahlen Licht der hoch über den Eichenbalken baumelnden Papierlampenwurst von den Möglichkeiten, die sich ihr als Mittlerin der Kultur auf Bundesebene böten. 20 Jahre gebe es dieses Amt nun. Der Etat habe sich seit Kanzler Schröders Zeiten von 900 Millionen auf 1,8 Milliarden verdoppelt, der Stab an Mitarbeitern, ursprünglich 90, zähle nun 400. „Wir wollen das Netz geistiger Tankstellen in Deutschland erhalten“, so schilderte Grütters das Kulturgeflecht von Kommunen, Ländern und Bund. Und sie verknüpfte ihren Auftritt im stattlichen früheren Hove­stadt’schen Gehöft, das den frühherbstlich-finsteren Forst zwischen Sudmühle und Gelmer durchscheint, mit dem Plädoyer: „Fangt nicht an, an der Kultur zu sparen. Das ist das Kostbarste, was wir haben.“ Jedes zweite Profi-Orchester und jedes zweite Opernhaus der Welt stehe in Deutschland, so deutete Grütters auf die reiche Kulturlandschaft zwischen Rhein und Oder. Kultur sei schon lange keine „Milieufrage“ mehr. Dann wies sie den wenig durchdachten Einwurf des Moderators, dass die Staatsministerin beim ZDF-Politbarometer nicht vorkomme und die Kultur ja ohnehin häufig an letzter Stelle im Politikbetrieb stehe, energisch zurück. In der Tat: Kaum eine Woche, in der Grütters sich nicht kulturpolitisch zu Wort meldet. Ihr Pressebetrieb läuft gut geölt. Ihr Wort hat Gewicht.

Fotostrecke: Monika Grütters beim Havichhorster Abend 2018

Gegen 21 Uhr wurde Grütters noch einmal grundsätzlich und ernst: Es gelte, auch künftig die Chance der Bundeskulturpolitik als Klammer zu nutzen und die Freiheit von Kunst und Kultur zu verteidigen. Sie sei ein „Wesensmerkmal unserer Nation am Anfang des 21. Jahrhunderts“ und das „maßgebliche Instrument der Verständigung“.

Das will in einer Krisen-Welt, die in Chemnitz und anderswo zurzeit mehr Gegensätze als Gemeinsamkeiten hervorkehrt, schon etwas heißen.



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