46 Gruppen appellieren: Freiwillig Flüchtlinge aufnehmen
„Haben humanitäre Verpflichtung“

Münster -

46 Gruppen, Parteien und Initiativen appellieren an die Stadt, zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen – auch wenn dies aktuell in erster Linie eine symbolische Geste wäre.

Donnerstag, 13.09.2018, 18:10 Uhr aktualisiert: 14.09.2018, 18:58 Uhr
Sie machen sich dafür stark, weitere Flüchtlinge in Münster aufzunehmen (v.l.): Claudius Voigt, Daniel Hügel, Georgios Tsakalidis, Anne Sander, Christiane Berg, Notburga Heveling, Jonas Erulo, Ekrem Atalan und Svenja Blum.
Sie machen sich dafür stark, weitere Flüchtlinge in Münster aufzunehmen (v.l.): Claudius Voigt, Daniel Hügel, Georgios Tsakalidis, Anne Sander, Christiane Berg, Notburga Heveling, Jonas Erulo, Ekrem Atalan und Svenja Blum. Foto: kb

Irgendwie ist die Geschichte skurril: In Reaktion auf die bedrückenden Bilder ertrinkender Flüchtlinge im Mittelmeer haben sich die Städte Köln, Bonn, Düsseldorf, Bielefeld und Osnabrück bereit erklärt, mehr Flüchtlinge aufzunehmen als sie müssen.

Gleichwohl haben sie bislang nicht zusätzliche Flüchtlinge aufgenommen, wie am Donnerstag bei einem Pressegespräch in den Räumen des Integrationsrates in Münster erklärt wurde. Die Grenzen seien inzwischen so „dicht“, hieß es, dass gar keine Flüchtlinge mehr durchkämen. Ganz abgesehen davon entschieden Bund und Länder über die Verteilung von Flüchtlingen.

Trotzdem (oder gerade deswegen) fordert ein Bündnis von 46 Gruppen in Münster die Stadt Münster auf, dem Beispiel der besagten Städte zu folgen. Auf Bundes- und gar EU-Ebene gebe es kein Interesse mehr, das Flüchtlingsproblem zu entschärfen, so Claudius Voigt von der Flüchtlingsorganisation GGUA. Deshalb müsse der Druck von den Kommunen ausgehen.

Zu dem Bündnis gehören Gewerkschaften, aber auch kirchliche Einrichtungen wie der Caritasverband, das Stadtkomitee der Katholiken oder die christliche Friedensinitiative Pax Christi. Sie zeigten sich, wie bei dem Pressegespräch deutlich wurde, von einer Äußerung des Oberbürgermeisters Markus Lewe irritiert. Er hatte im August die Sorge geäußert, dass eine freiwillige Aufnahme weiterer Flüchtlinge der münsterischen Bevölkerung kaum vermittelbar sei.

„Wir haben eine humanitäre Verpflichtung“, entgegnete Notburga Heveling vom Diözesankomitee der Katholiken. „Die Konsequenz eines Nichthandelns wäre das Ertrinken im Mittelmeer.“

Um auf sein Anliegen aufmerksam zu machen, ruft das Bündnis am Samstag (15. September) um 12 Uhr zu einer Demonstration auf dem Hafenplatz auf. Darüber hinaus möchten sich Einzelne im Rahmen der sogenannten Einwohnerfragestunde in der Ratssitzung am 19. September (17.30 Uhr, Rathausfestsaal) zu Wort melden und von der Stadt nähere Auskünfte erhalten.

Ferner unterstützt das Bündnis vorliegende Ratsanträge, in denen es ebenfalls darum geht, dass sich die Stadt Münster zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge, die aus Seenot gerettet wurden, bereit erklärt.

Nach Ansicht von Christiane Berg von der Aktion „Stadt der Zukunft“ ist ein solches Signal wichtig, weil die privaten Hilfsorganisationen, die sich um die Seenotrettung kümmern würden, „immer mehr kriminalisiert werden“. Ekrem Atalan vom kurdischen Zentrum wies darauf hin, dass sich die nach Libyen zurückgeschickten Flüchtlinge in einer katastrophalen humanitären Situation befänden.

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