Sa., 15.09.2018

Anekdoten und seltene Ansichten im Schuhhaus Zumnorde Zwischen Tierhäuten und Modedesign

Woran erkennt man hochwertige Lederhäute? Unternehmer Thomas Zumnorde (l.) erklärt es anschaulich bei der Leserführung in seinem Haus.

Woran erkennt man hochwertige Lederhäute? Unternehmer Thomas Zumnorde (l.) erklärt es anschaulich bei der Leserführung in seinem Haus. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Woran erkennt man hochwertiges Schuhleder? Eine spannende Führung hinter die Kulissen des Schuhhauses Zumnorde führte sowohl in die Werkstatt, wo noch Maßschuhe angefertigt werden, als auch in das verwinkelte Kellerlabyrinth – mit ungewöhnlichem Fluchtweg.

Von Karin Höller

Die Besucher schnuppern und schauen gespannt auf die großen Tierhäute. „Ziegen- und Lammleder haben eine andere Blume als Rinds- oder Schweinsleder“, erklärt Thomas Zumnorde und lässt seine Gäste in der Werkstatt im Dachgeschoss unter dem engen Spitzgiebel die feine Struktur der gegerbten Tierhaut fühlen, wo die Anordnung der Haare noch zu entziffern ist. „Die wertvollste Schicht der Lederhaut“, wie die Leser bei der Führung hinter den Kulissen des Unternehmens Zumnorde erfahren, das seit 1911 seinen Sitz am Prinzipalmarkt hat.

Eine untere der mehrere Zentimeter dicken Rindshaut werde oft zu Ledersohlen verarbeitet, erklärt der Schuhexperte. In der Werkstatt auf Augenhöhe mit den Schmuckgiebeln werden nicht nur Reparaturen vorgenommen, sondern auch Maßschuhe angefertigt. Sechs Schuhmacher arbeiten hier für Zumnorde.

Bei der Führung geht es vom Dach bis in die verwinkelten Keller, in denen an manchen Stellen noch zu erkennen ist, dass die Häuser nach dem Zweiten Weltkrieg mit all dem wiederaufgebaut wurden, was die Schuttberge hergaben. So ragen im Keller aus einigen Steinen noch Metallhaken von Flaschenzügen und Markisen. Über den Köpfen der Besucher hallen die Schritte der Menschen, die unter den Bögen entlanggehen. Thomas Zumnorde weist auf die Metallplatte über ihm – ein eingetragener Fluchtweg führt durch den Schacht über eine Metallleiter direkt auf den Prinzipalmarkt.

Weiter geht es durch lange enge Keller, in denen zum Teil in archivähnlichen Rollregalen Tausende Schuhe lagern. Wie man sich in diesem Meer von Kartons zurechtfindet? Zumnorde greift sich einen und erklärt das ausgeklügelte System der Zahlencodes, die jede und jeder Angestellte im Schlaf kenne. Die Katakomben, wie Zumnorde sie nennt, ziehen sich seit den 50er Jahren, als der lange hintere Gebäudeteil errichtet wurde, bis zum heutigen Geschäftshaus Hilfiger.

Welch ein Kontrastprogramm: Eben haben die Gäste noch auf der schicken Dachterrasse, die beim jüngsten Umbau entstanden ist, mit Domblick Sekt und feine Pralinen genossen. Die Idee für die Terrasse mit Schilfumrandung sei ihm bei einer Tokio-Reise gekommen, erzählt Zumnorde. Inspiriert vom Freisitz eines japanischen Händlers mitten in einer Einkaufsstraße.

Apropos Einkauf: Für Filialen im Norden Deutschlands muss der Schuhhändler auch Damenschuhe in Größe 42 vorhalten – zum Unverständnis mancher italienischer Zulieferer. Zumnorde spricht vom Nord-Süd-Gefälle in Sachen Körper- und Schuhgrößen und bekommt prompt Bestätigung von Biologielehrer Carsten Trappmann. „Je kälter die Region, desto größer die Lebewesen.“

Groß ist am Ende die Begeisterung über den Blick hinter die Kulissen. Und nicht wenige schwelgen mit Blick auf die alte Rutsche in Erinnerungen. „Die bin ich schon als Kind runtergesaust“, sagt Besucherin Helen Schröder und schmunzelt.



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