So., 16.09.2018

Erstes Deutsches Stromorchester im Landesmuseum Es piepst, hustet und spuckt

SMenschen an blinkenden Maschinen: Solche seltsamen Szenarien boten sich den Gästen beim Konzert des Ersten Deutschen Stromorchesters im Foyer des Westfälischen Landesmuseums.

SMenschen an blinkenden Maschinen: Solche seltsamen Szenarien boten sich den Gästen beim Konzert des Ersten Deutschen Stromorchesters im Foyer des Westfälischen Landesmuseums. Foto: Moseler

Münster - 

So spiegelblank wie ein OP-Saal das Foyer des LWL-Museums, so leger die Konzertchoreographie: In der Mitte diverse Apparaturen, riesigen Insekten oder prähistorischen Skeletten ähnlich, von salopp flanierenden Besuchern umringt. Hier tritt das „1. Deutsche Stromorchester“ an, um anhand der Vermessung der Menschen auf dem Breitengrad 51° deren „Humanpotenziale“ aufzuzeichnen. Nach sechs Stationen ist man in Münster gelandet. Denn klimatisch, magnetisch und energetisch wirken objektiv die gleichen Kräfte auf alle Menschen eines Breitengrades. Sie müssten, so die kühne Hypothese von Soundmanager Rochus Aust, Gemeinsamkeiten entdecken, die sie zu Eroberung ihres „horizontalen Territoriums“ befähigten.

Von Günter Moseler

„Wir vermessen Sie gerne, sonst kommen wir zu Ihnen“, lautet die Parole, während es in der (Eingangshalle) des Museums piepst und fiept, hustet und spuckt, manchmal rauscht es, als imitierte eine Tonspur einen vorbeirasenden Zug. Grüne Laserstrahlen durchschneiden den Raum, auf dessen Gegenseite ein glänzend schwarzer Flügel für die futuristischen (Musik-)Geräte den Vorsitz führt. Zu seinen Füßen scheint ein elektronischer Herzschrittmacher platziert, Stromkabel überall, etwas weiter entfernt ist eine Posaune kopfüber an einem hochbeinigen Stativ installiert, das vierrädrige Vehikel am linken Rand ähnelt einem rätselhaften Kinderwagen.

Hier und da beginnen Personen in gelben Monteursanzügen und roten Helmen an den Geräten zu hantieren: Jetzt geht’s ans Vermessen. Ratlosigkeit schwebt im Raum wie eine Hoffnung auf Unerhörtes. Ein Laserstrich klebt als Haarriss auf der Wand im Eingang zur Buchhandlung. Da – endlich – nimmt eine junge Dame fidelen Schrittes Kurs auf die Detektor-Trompete, gefolgt von einer zweiten, die von den Klangmonteuren empfangen werden. Nun geht alles schnell. Ein paar Fragen („Wie ist deine persönliche Stimmung gerade von 1 bis 10?“), dann geht’s los, die Dame muss sich gewaltig nach dem Instrument strecken. Ein Herr wird mit dem Theremin über Fingerspitzen und Beine abgetastet, derart soll der persönliche „Energielevel“ direkt in die Komposition fließen und anstelle von Noten Zustandsdaten des eigenen Körpers in die Partitur eingehen. Ernst und teilnahmsvoll die Mienen angesichts sphärischer Gefühle im Weltraum der Klänge.

Haben Menschen auf die gleichen Breitgrad die gleiche Wellenlänge? An diesem Abend schon!



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