Fischsterben im Aasee
Gutachten birgt Sprengstoff in sich

Münster -

Ein erstes externes Gutachten zum Fischsterben liegt vor. Prof. Dietrich Borchardt vom Helmholtz-Institut in Magdeburg nimmt darin die Stadtverwaltung gegen (die teilweise sehr scharfe) Kritik in Schutz, wirft zugleich aber Fragen auf, die für erhebliche Diskussionen sorgen dürften.

Dienstag, 18.09.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 18.09.2018, 19:08 Uhr
Fischsterben im Aasee: Gutachten birgt Sprengstoff in sich
Foto: Oliver Werner

Ein erstes externes Gutachten zum Fischsterben liegt vor. Prof. Dietrich Borchardt vom Helmholtz-Institut in Magdeburg nimmt darin die Stadtverwaltung gegen (die teilweise sehr scharfe) Kritik in Schutz, wirft zugleich aber Fragen auf, die für erhebliche Diskussionen sorgen dürften. Im Prinzip schlägt Borchardt nämlich vor, zumindest zeitweise das Stauen des Wassers aufzugeben und damit faktisch die Wasserfläche deutlich zu reduzieren.

Aber der Reihe nach: Wie andere Experten geht auch Prof. Borchardt davon aus, dass anhaltend hohe Temperaturen und eine Algenblüte in Kombination mit weiteren Faktoren in der Nacht vom 8. auf den 9. August „den Sauerstoffgehalt praktisch zusammenbrechen ließ“.

Borchardt würdigt auch kurz die von der Stadt eingeleiteten Notmaßnahmen, stellt aber ansonsten nüchtern fest: „Darüber hinaus standen meines Erachtens zur unmittelbaren Gefahrenabwehr keine weiteren wirksamen Optionen zur Verfügung.“

Fischsterben im Aasee

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  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
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  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
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Münsters Umweltdezernent Matthias Peck kann sich über dieses Urteil „nur halb freuen“. Natürlich entlaste diese Äußerung die Stadtverwaltung, der im Zusammenhang mit dem Fischsterben teilweise auch Versagen vorgeworfen wurde. Zugleich aber, so Peck weiter, seien damit die Möglichkeiten zum Schutz der Fische bei vergleichbaren Wetterextremen in Zukunft begrenzt.

Interessant ist, dass sich der Gutachter sehr kritisch zu der in Münster seit 2005 praktizierten sogenannten Phosphatfällung im Aasee äußert. Mit ihr soll das kritische Algenwachstum minimiert werden. Prof. Borchardt geht davon aus, dass die jahrelange Phosphatfällung einen „enormen Nähr­stoffpool in den See transportiert“ habe, der im Sediment gelagert sei und bei ungünstigen Bedingungen eine schädliche Wirkung entfalte. „Wir haben die Phosphatfällung immer nur als eine Übergangslösung betrachtet“, zeigt sich der zuständige Tiefbauamtsleiter Michael Grimm wenig überrascht von der Kritik. „Aber wir haben uns nie getraut, damit aufzuhören.“

Langfristig empfiehlt der Wissenschaftler, die Funktion des Aasees als Regenrückhaltebecken zumindest teilweise aufzugeben. Wörtlich spricht Prof. Borchardt von einer „tief greifenden Neuordnung des Aasees im Landschaftsmaßstab“ und empfiehlt ein Überdenken der Freizeitnutzung. Flapsig gefragt: Wie soll man noch segeln, wenn das Wasser abgelassen wird?

Kommentar

Die Angler wollen angeln, die Segler wollen segeln, die Jogger und Spaziergänger wollen einen weiten Blick über einen großen See – und alle Münsteraner wollen wie selbst verständlich eine hohe ökologische Wasserqualität im See und erst recht keine toten Fische.Spätestens mit dem Vorliegen der „Kurzstellungnahme zum Fischsterben“ des Helmholtz-Instituts in Magdeburg ist klar, dass es faktisch unmöglich ist, all diese Wünsche unter einen Hut zu bringen. Über Jahrzehnte hinweg hat sich die Natur großzügig gezeigt, wenn es um die Konstruktionsfehler dieses künstlichen Gewässers ging. In Zeiten des Klimawandels ist damit Schluss. Ein Fischsterben wie im Jahr 2018 sei „mit entsprechend höherer Häufigkeit auch künftig zu erwarten“, heißt es im besten Gutachterdeutsch.Um es ganz einfach auszudrücken: Gemessen an der Aa ist der Aasee viel zu groß. Niemand zwingt die Münsteraner dazu, ihr liebstes Gewässer wieder aufzugeben. Aber ein „Weiter so“ kann es nach dem Schock des Sommers auch nicht geben. - Klaus Baumeister

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