Mi., 19.09.2018

Theater Münster zeigt „Caligula“ von Albert Camus Ein Schocker mit Tiefgang

Ein bisschen SM-Ästhetik wird es in der „Caligula“-Inszenierung von Alexander Nerlich geben.

Ein bisschen SM-Ästhetik wird es in der „Caligula“-Inszenierung von Alexander Nerlich geben. Foto: Oliver Berg

Münster - 

Bei diesem Namen rumort es: Caligula – nach Nero der bekannteste Skandal-Caesar der Römer. Sadismus, Sex, Gewalt – alles Böse scheint dieser Mensch auf sich vereinigt zu haben.

Von Gerhard Heinrich Kock

Bei diesem Namen rumort es: Caligula – nach Nero der bekannteste Skandal-Caesar der Römer. Sadismus, Sex, Gewalt – alles Böse scheint dieser Mensch auf sich vereinigt zu haben. Kurz vor Hitlers Überfall auf Polen im Jahr 1939 schreibt Albert Camus sein erstes Theaterstück: „Caligula“. Alexander Nerlich bringt das Erstlingswerk des 25-Jährigen Schriftstellers und Philosophen auf die Bühne des Kleinen Hauses. Premiere ist am Freitag (21. September). Das Theater weist ausdrücklich darauf hin, dass die Inszenierung erst für Zuschauer ab 16 Jahren freigegeben ist.

Warum dieses Stück in dieser Zeit? Nerlich: „Wir haben einen Stoff gesucht, der radikal und grundsätzlich auf eine allgemeine Verunsicherung eingeht, die wir heute empfinden.“ Der Text mache „die Zweifel meiner Generation philosophisch, aber auch psychologisch differenziert zum Thema“. Angesichts der fehlenden Empathie Caligulas eine „intellektuelle Herausforderung“. Immerhin behauptet Camus’ Caligula selbst, sein Handeln sei „angewandte Philosophie“.

Für Nerlich will Caligula die Welt und ihre Ordnung verändern, den Menschen etwas beibringen: Erneuerung durch Vernichtung des Alten. „Caligula ist ein Punk auf der Bühne, aber durchtränkt von feurigen Ideen, die auf ernsthafte religiöse Gedanken zurückgreifen.“ Der römische Kaiser sei vielleicht pathologisch, schaffe aber Raum für neue Gedanken und Verbindlichkeiten, agiere gegen leer gewordene Begriffe, führe die politische Elite vor, die schon ihre Karrierechancen nach der Krise kalkuliert. Das klingt auffällig nach höchst aktueller populistischer Systemkritik – sei es in der Opposition oder in Ämtern. Bei aller Erklärbarkeit der Motive Caligulas ist für Nerlich klar: „Caligula überzeugt mich nicht mehr als die, die er aushebeln will.“

Ziel des Regisseurs ist es, „ambivalente Gedanken“ beim Publikum hervorzurufen: „Es geht hoch her auf der Bühne.“ Der Frust über die bestehenden Verhältnisse, die existenzielle Sehnsucht nach Erneuerung, an diese Grenze führt das Bühnenexperiment des „Caligula“ von Albert Camus. Mit seiner Inszenierung will Nerlich die Frage aufwerfen: „Sind wir in einer Phase, in der wir anfällig wären, für so jemanden?“

Seine Inszenierung, die in einem elitären, retrofuturistischen Büroschick spielt, ende „sehr existenziell“: „Ich glaube, einen Kniff gefunden zu haben, der sehr schlicht ist und dem Abend einen Sympathiebonus geben könnte“, hofft Nerlich.

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Die Premiere ist am Freitag (21. September) um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Theaters Münster, Neubrückenstraße 63. Karten: ' 5 90 91 00.



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