In Münster festgenommen
Höchststrafe für mutmaßlichen Syrien-Kriegsverbrecher beantragt

Düsseldorf/Münster -

Die Bundesanwaltschaft hat gegen einen mutmaßlichen syrischen Kriegsverbrecher lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt. Der 43-Jährige (Kampfname „Vater des Wolfes“) wurde vor zwei Jahren in Münster festgenommen.

Donnerstag, 20.09.2018, 15:54 Uhr aktualisiert: 20.09.2018, 16:13 Uhr
In Münster festgenommen: Höchststrafe für mutmaßlichen Syrien-Kriegsverbrecher beantragt
Foto: Roland Weihrauch

Laut Bundesanwaltschaft hatte der Angeklagte als Chef einer Stadtteilmiliz in Aleppo während des Syrienkriegs monatelang eine grausame Schreckensherrschaft ausgeübt. Dabei waren den Ermittlungen zufolge Gefangene entführt und zu Tode gefoltert worden. Später soll er sich abgesetzt und in Deutschland als Flüchtling Asyl beantragt haben.

Sein Unwesen soll er unter dem Kampfnamen „Abu Dhib“ („Vater des Wolfes“) getrieben haben.  Der Angeklagte und seine mindestens 150 Milizionäre der „Ghoraba-as-Sham“ („Die Fremden von Syrien“) sollen sich auch durch Plünderungen bereichert haben. Die Anklage legt ihm Kriegsverbrechen nach dem Völkerstrafrecht und erpresserischen Menschenraub zur Last.

Festnahme durch Spezialeinheit in Münster

Ein überlebendes Folteropfer hatte seinen mutmaßlichen Peiniger in Münster wiedererkannt und ihn angezeigt. Im April 2016 hatte eine Spezialeinheit den Verdächtigen in Münster festgenommen.

Die Verteidigung stellte keinen konkreten Strafantrag. Das Urteil soll am kommenden Montag verkündet werden. Der Prozess gegen den 43-Jährigen hatte im Mai 2017 begonnen. 

Folter auf dem „Fliegenden Teppich“

Laut Bundesanwaltschaft habe die Miliz, die der Freien Syrischen Armee angehört habe, Leute auf der Straße entführt, an Ketten gefesselt an die Decke gezogen und tagelang mit Eisenstangen, Knüppeln, Kabeln und Schläuchen zum Teil bewusstlos geprügelt. Messer und Elektroschock-Stäbe hätten bei den Opfern bleibende Narben hinterlassen. Dabei sei auch ein klappbarer Foltertisch zum Einsatz gekommen, der „Fliegender Teppich“ genannt worden sei. 

Den Opfern sei vorgeworfen worden, vom Islam abgefallen, ungläubig, Kurde, oder ein Spion oder Unterstützer des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu sein. Die überlebenden Opfer seien freigelassen worden, wenn Angehörige ausreichend Lösegeld gezahlt hätten oder wenn sie sich verpflichtet hätten, für die mit Kalaschnikows bewaffnete Miliz zu arbeiten.

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