Do., 20.09.2018

Resolution für „Münsterland-S-Bahn“ Label oder Mogelpackung?

CDU und Grüne wollen den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) durch eine „Münsterland-S-Bahn“ voranbringen, SPD und Linke nannten die entsprechende Resolution im Rat eine Mogelpackung.

CDU und Grüne wollen den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) durch eine „Münsterland-S-Bahn“ voranbringen, SPD und Linke nannten die entsprechende Resolution im Rat eine Mogelpackung. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Die „Münsterland-S-Bahn“: Bislang ist es nur ein Schlagwort. Was sich dahinter verbirgt, wurde im Rat diskutiert. 

Von Klaus Baumeister

Die Resolution enthält den ziemlich allgemein gehaltenen Satz: Der Rat der Stadt Münster appelliere an Bund und Land, „die grundlegende Verbesserung des öffentlichen Verkehrs durch eine ‚Münsterland-S-Bahn‘ zu unterstützen und mit öffentlichen Mitteln zu fördern.“ Hat eine solche Resolution eine Wirkung? Über diese Frage wurde im Rat diskutiert. CDU und Grüne sagten ja, was auch nicht weiter verwunderte, da der Text ja auch von ihnen stammte. SPD und Linke hingegen sprachen von einer Mogelpackung.

Bahn mit Potenzial

Der grüne Ratsherr Gerhard Joksch räumte ein, dass es bislang nur „Einzelmaßnahmen“ zur Förderung des Schienenverkehr in Münster und Umgebung gebe, etwa die Reaktivierung der Trasse Münster-Sendenhorst. Die „Münsterland-S-Bahn“ habe aber das Potenzial, zu einem Label zu werden und damit mehr Dynamik in das Anliegen zu bringen.

Als Vorbild nannte er Freiburg, wo es gelungen sei, die Pendlerströme verstärkt auf die Schiene zu bringen. Sein Kollege Walter von Göwels von der CDU sprach von einem „Bekenntnis der Politik zum ÖPNV“, das dringender denn je erforderlich sei.

„Planungspolitische Hausaufgaben“ 

Der SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung bezeichnete eben dieses Label indes als eine „schicke Überschrift“, zu der aber das entsprechende Konzept fehle. „Wir warten seit Jahrzehnten auf den Ausbau der Bahnstrecke Münster-Lünen“, riet er der Stadt und dem Land, erst einmal die „planungspolitischen Hausaufgaben“ zu machen.

Der ÖDP-Ratsherr Franz Pohlmann versuchte, die Resolution um einen – aus seiner Sicht – weiteren wichtigen Punkt zu ergänzen. Die Stadt Münster, so sein Appell, solle Bund und Land auffordern, die Planungen für einen (möglichen) vierspurigen Ausbau der B 51 zwischen Münster und Telgte zu stoppen. Der Grund: Es ergebe sich ein Zielkonflikt mit dem parallel verlaufenden Bahngleis und der ebenfalls geplanten Veloroute.

CDU und Grüne ließen sich auf diese Vermengung aber nicht ein. Zur gegebenen Zeit werde sich Münster mit dem Straßenausbau auseinandersetzen. „Aber das ist ein anderes Thema.“

Unterentwickelter Schienenverkehr 

Zum Hintergrund: Der Schienenverkehr zur Bewältigung der Pendlerströme in der Stadt und im Umland ist unterentwickelt. So ist Münster bundesweit die einzige Großstadt mit mehr als 300.000 Einwohnern ohne Straßenbahn.

Auch bei den Regionalzügen hapert es. In den vergangenen 25 Jahren wurden gerade einmal zwei neue Haltepunkte eingerichtet: Roxel und Zentrum Nord.



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