Fr., 21.09.2018

Parking-Day verwandelt Autostellplätze in Aktionszonen Protest gegen Blechlawinen

Mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt und eine andere Stadt- und Verkehrsplanung fordern die Parking-Day-Aktivisten. An der Hammer Straße und am Hansaring wurden die Sitzmöbel auf dem Parkstreifen ausgepackt sowie Kaffee und Kuchen verteilt.

Mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt und eine andere Stadt- und Verkehrsplanung fordern die Parking-Day-Aktivisten. An der Hammer Straße und am Hansaring wurden die Sitzmöbel auf dem Parkstreifen ausgepackt sowie Kaffee und Kuchen verteilt. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Kickern und Kaffeetrinken auf dem Parkstreifen: Beim Parking-Day legten Aktivisten auf der Hammer Straße und am Hansaring grüne Teppiche auf Autostellplätze und forderten symbolträchtig eine Wende in der Stadt- und Verkehrsplanung.

Von Karin Höller

Selbst am Parking-Day, an dem in den Innenstädten Auto-Stellflächen symbolhaft in grüne Fitness- Oasen, Cafés und Pflanzinseln verwandelt werden, hatten es die Aktivisten zunächst schwer, sich ihren Raum an der Hammer Straße zu erobern – trotz der Anmeldung der Veranstaltung bei der Stadt.

„Viele Autofahrer ignorieren die Höchstparkdauer“, muss Andreas K. Bittner am Freitagvormittag feststellen. Die Ordnungshüter verteilen entsprechende Knöllchen.

Wertvoller Raum in der Innenstadt

Die werden laut Bittner aber oft für den zentralen Parkplatz in Kauf genommen. Womit jene Fahrzeuge, die die Parking-Day-Aktion behindern, für ihn zugleich den Beweis liefern, „dass der sehr wertvolle Raum in der Innenstadt für 50 Cent in der Stunde verramscht wird“, so Bittner. „Viele setzen darauf, dass nicht kontrolliert wird“, ergänzt Matthias Wüstefeld vom ADFC.

Fotostrecke: Parking-Day für andere Verkehrspolitik

Beim Parking-Day, der seit 2005 international begangen wird, geht es um die „Rückeroberung des öffentlichen Raums für andere Nutzungsformen“, die mehr Lebensqualität in die Stadt bringen sollen. Auf der Hammer Straße und auch am Hansaring werden grüne Teppiche ausgerollt, Loungemöbel aufgestellt, Waffeln gebacken und Kaffee ausgeschenkt.

Lastenräder als Alternative?

Und zwischendurch wird sogar gemeinsam Gymnastik gemacht, während sich einen Meter daneben der Verkehr im Stop-and-Go Richtung Ludgerikreisel bewegt. „Der Hammer Boulevard könnte erheblich schöner sein als mit dieser Blechlawine“, sagt Bittner und zeigt als Alternative auf die Lastenräder, die neben der Aktionsfläche stehen.

Für Geschäftsleute wohl kaum eine Alternative; die Belieferung mit Waren muss täglich erfolgen. Allerdings hat man es bei der Parkplatzbesetzung mehr auf den Individualverkehr abgesehen.

Für eine autofreie Innenstadt

Der Parking-Day soll als Anregung dienen, sich mit einer anderen Art der Stadtplanung auseinanderzusetzen, fordern die zahlreichen Institutionen und Initiativen, die die symbolträchtigen Aktionen unterstützen, darunter Greenpeace, der Bund für Umwelt- und Naturschutz, der Carsharing-Anbieter Stadtteilauto und der Verkehrsclub Deutschland. Wirkliche Besserung bringe nur eine autofreie Innenstadt, so die Maximal-Forderung, die derzeit keine politische Mehrheit findet.

Joachim Bick, der am Hansaring eine der grünen Inseln auf den Parkstreifen betreut, hält den Händlern, die unermüdlich den Wert von Parkplätzen unterstreichen, entgegen: „Das Hauptgeschäft wird längst in den Fußgängerzonen gemacht.“ Weil die gute Aufenthaltsqualität nämlich erst so richtig zum Kaufen anrege.



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