Informationstag Alzheimer in der Bezirksregierung
Fahrtüchtig mit Demenz?

Münster -

Dürfen Menschen mit Demenz noch Auto fahren? Anlässlich des Weltalzheimertages in der Bezirksregierung ging Dr. Hubertus Lohmann näher auf diese Frage ein.

Montag, 24.09.2018, 10:00 Uhr aktualisiert: 24.09.2018, 16:16 Uhr
Dürfen Demenzkranke noch Autofahren? Mit dieser Frage befasste sich Dr. Hubertus Lohmann.
Dürfen Demenzkranke noch Autofahren? Mit dieser Frage befasste sich Dr. Hubertus Lohmann. Foto: bsc

Es ist ein beklemmender Gedanke: Die Großmutter hat die Namen ihrer Enkel vergessen, auf die Autofahrt zum Supermarkt möchte sie aber nicht verzichten. Im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion um das Thema Demenz steht auch die Frage, ob Demenzkranke noch Autofahren sollten. Doch die lässt sich kaum pauschal beantworten, wie Dr. Hubertus Lohmann vom Herz-Jesu-Krankenhaus in Hiltrup im Rahmen eines Vortrags in der Bezirksregierung am Samstag klarstellte.

Lohmann referierte beim Informationstag des „Arbeitskreises Demenz Münster“ anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September zum Thema Fahreignung im Alter.

Neben Informationsständen verschiedener Akteure aus dem Themenfeld „Demenz“ konnten sich Interessierte in sieben Vorträgen mit dem Thema auseinandersetzen.

Dr. Lohmann wies statistisch nach, dass ältere Menschen neben jungen Fahrern die größte Risikogruppe im Straßenverkehr darstellen. „Es gibt keine verlässliche Diagnose bisher, wir bewegen uns in einer extremen Grauzone“, schilderte er gleichwohl das Dilemma vieler Ärzte. Die Idee, aussagekräftige Tests einzuführen, sei gescheitert. Immerhin existieren Leitlinien, an denen sich die Mediziner orientieren können. Dennoch gab Lohmann zu: „Wir machen im Alltag sehr häufig die Augen zu.“ Die Verantwortlichkeit liege allerdings beim Fahrer selbst. Der Mediziner appellierte an seine Zuhörer, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit einem Arzt des Vertrauens könne so etwa mithilfe informeller Fahrtests geschaut werden, ob und unter welchen Umständen Autofahren unter Sicherheitsaspekten noch möglich sei. Insgesamt sieht Lohmann einen großen Diskussionsbedarf: „Wir schieben das Problem vor uns her.“ Schließlich seien auch die Folgen strengerer Regeln und der damit verbundenen Einschränkungen zu bedenken wie etwa ein steigendes Risiko für Depressionen.

Überhaupt ist das Thema Demenz sehr vielschichtig, wie die Informationsangebote in der Bezirksregierung unterstrichen. Diese Erfahrung muss auch Edith Pohl aus Hamm machen. Ihr Mann ist an Demenz erkrankt. „Nach dem ersten Schock taste ich mich nun langsam an das Thema ran“, erzählt sie. Pohl schilderte sehr offen ihre ersten Berührungspunkte mit der Krankheit: „Es interessiert mich, und gleichzeitig habe ich große Angst davor.“ Manchmal fällt es ihr schwer, die passenden Worte zu finden. Doch es gab auch einen Mutmacher für sie als betroffene Angehörige: Prof. Dr. Thomas Duning vom Uniklinikum gab in seinem Vortrag einen Einblick in Forschungsansätze und neue Therapieoptionen. „Alles, was jenseits von Emotionen ist, nimmt mir etwas Verunsicherung“, sagte Pohl.

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