Mi., 26.09.2018

Theater XS präsentierte „Leonce und Lena“ Wenn Königskinder ausbüxen

Theater XS präsentierte „Leonce und Lena“: Wenn Königskinder ausbüxen

Foto: jas

Münster - 

Die Aufführung beginnt mit Variationen über das Glück. Ein Darsteller nach dem anderen betritt die Bühne und legt seine Sicht der Dinge dar. Von einem vollen Bauch bis hin zum Schrei einer Eule in der Nacht reichen die Vorstellungen.

Von Helmut Jasny

Das Spektrum ist groß, denn das Ensemble ist nicht klein. 13 Akteure im Alter zwischen acht und 14 Jahren stehen bei „Leonce und Lena“ auf der Bühne. Ein Jahr lang hat Regisseurin Rike Voswinkel vom Theater XS mit den jungen Schauspielern an dem Stück gearbeitet. Jetzt war Premiere im TPZ an der Achtermannstraße.

Die Textbearbeitung von Steffi Bockermann konzen-triert sich auf die Lustspielhandlung und übernimmt zeitgenössische Anspielungen nur dort, wo sie noch verständlich sind.

So geht es im Prinzip um zwei Königsfamilien, die ihre Reiche fusionieren wollen, indem sie ihre Kinder strategisch verheiraten. Die sind von den Plänen ihrer Eltern aber wenig begeistert – und brennen durch. Als sie sich auf der Flucht zufällig begegnen, verlieben sie sich ineinander, sodass am Ende doch geheiratet wird.

Den jungen Darstellern zuzuschauen, ist eine Freude. Leonce ficht mit seiner Mutter rasante Generationenkonflikte aus, während Lena wegen der Ehe, in die man sie zwingen will, Sturzbäche von Tränen vergießt. Eine Armada von Zimmerpflanzen stellt den Wald dar, in dem die beiden Protagonisten aufeinandertreffen und in dem sich noch so allerlei andere Gestalten herumtreiben – Küchenmädchen zu Beispiel, die sich als Männer verkleiden, allzu schnippische Zofen oder Steppkes, die altersweise Ratschläge erteilen. Überhaupt zeichnet sich die Inszenierung durch viel Fantasie aus. Das betrifft sowohl die Regie als auch die Schauspieler, die die kleine Bühne gut zu nutzen verstehen. Es gibt prächtige Kostüme, flotte Gesangseinlagen und damenhafte Ohnmachtsanfälle, die mit einer gehörigen Portion Ironie ausgeführt und entsprechend kommentiert werden. Sogar einen Schuss „Sommernachtstraum“ von Shakespeare meint man aus dem Treiben herauszuschmecken.

Erstaunlich ist auch, wie gut sich das Ensemble trotz der unterschiedlichen Altersstufen zusammenfügt, wobei die Kleineren den Größeren an Spielfreude in nichts nachstehen. Eine charmante Aufführung, nicht nur für Kinder.



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